Erstmals seit Börsengang in roten Zahlen
Instinet zieht Reuters ins Minus

Die anhaltend schwache Verfassung der Finanzmärkte sowie die Kosten für eine umfassende Restrukturierung haben den Nachrichten- und Informationskonzern Reuters im ersten Halbjahr 2002 erstmals seit seinem Börsengang 1984 in die roten Zahlen gedrückt.

Reuters LONDON. Der weltgrößte Anbieter von Finanznachrichten teilte am Dienstag in London mit, in den ersten sechs Monaten des Jahres sei ein Fehlbetrag von 88 Millionen Pfund (139 Millionen Euro) vor Steuern aufgelaufen. Vor einem Jahr hatte Reuters im vergleichbaren Zeitraum noch einen Gewinn von 357 Millionen Pfund erzielt. Der Konzernumsatz sank um rund fünf Prozent auf 1,838 Milliarden Pfund.

Vor allem die zu Reuters gehörende US-Handelsplattform Instinet sowie die Kosten des Konzernumbaus belasteten die Halbjahreszahlen. 156 Millionen Pfund ließ sich Reuters nach eigenen Angaben bisher die Neuorganisation des Unternehmens kosten. Einsparungen von insgesamt mehr als 335 Millionen Pfund bis 2003 erwartet der Konzern infolge des Umbaus.

Reuters-Chef Tom Glocer zeigte sich trotz der roten Zahlen verhalten optimistisch. "Sechs Monate nach Beginn des Programms arbeiten wir weiter hart an der Neuorganisation von Reuters", sagte er. "Wir haben noch viel Arbeit vor uns, sind aber angesichts des schwachen Marktumfeldes mit den bisherigen Fortschritten zufrieden." Vor allem bei der Zielsetzung einer verbesserten Gewinnmarge liege Reuters voll im Plan.

Der Aktienkurs der Reuters Group Plc. stieg im Londoner Handel gegen den Trend um ein Prozent auf 302 Pence. Analysten hatten bereits mit einem Verlust bei Reuters gerechnet und zeigten sich daher wenig überrascht. Es gebe einige ermutigende Anzeichen in den Zahlen, sagte Andrew Gordon-Brown von JP Morgan. "Die Kosteneinsparungen schlagen durch, und der Ausblick wurde nicht geändert." Andere Branchenexperten verwiesen jedoch darauf, dass die weltweiten Finanzmärkte weiter sehr von Unsicherheiten geprägt seien.

Der besonders unter den schwachen Finanzmärkten leidende Wertpapierhändler Instinet verbuchte einen Umsatzrückgang von 38 Prozent und einen Einbruch des operativen Ergebnisses auf minus fünf Millionen Pfund. Dafür steigerte die elektronische Plattform im zweiten Quartal ihren Anteil am Handelsvolumen der US-Technologiebörse Nasdaq auf 13,9 Prozent im Vergleich zu elf Prozent in den ersten drei Monaten dieses Jahres.

Zweiter Belastungsfaktor für Reuters waren Millionenkosten für die Straffung und Neuausrichtung des Konzerns. Reuters hatte unter anderem die Aktivitäten auf Kundensegmente neu verteilt und gut zehn Prozent seiner vor einem Jahr noch rund 16.000 Stellen abgebaut. In der ersten Phase strebt das Unternehmen eine Verbesserung der Gewinnmargen an, wobei es im Halbjahr hier operativ mit 12,6 Prozent voll im Plan lag. Langfristig soll die Marge auf 17 bis 20 Prozent steigen.

Die Umsätze der Reuters-Kerngeschäfte ohne Instinet stiegen im ersten Halbjahr um fünf Prozent auf gut 1,5 Milliarden Pfund, wobei sich hier allerdings auch die Erlöse des teilweise übernommenen US-Konkurrenten Bridge niederschlugen. Der operative Gewinn vor Restrukturierung und Abschreibungen legte um 32 Prozent auf 195 Millionen Pfund zu. Das Medien-Geschäft habe ein gesundes Wachstum gezeigt, das aber durch einen Einbruch bei der Online-Nachfrage stark gebremst worden sei.

Der von rund einem Jahr zum neuen Konzernchef aufgestiegene Glocer äußerte sich über den Geschäftsverlauf und die weiteren Perspektiven verhalten optimistisch. "Wir rechnen weiter mit schwierigen Marktbedingungen, unternehmen aber die notwendigen harten Schritte, um unsere Marktstellung zu verteidigen, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und eine Position zu erlangen, aus der heraus wir wieder ein profitables Wachstum erreichen können, wenn die Märkte sich erholen", sagte er.

Im ersten Halbjahr 2002 habe Reuters bereits erste Erfolge seiner Maßnahmen zur Neuorganisation des Konzerns gespürt, obwohl das Marktumfeld weiterhin schwierig gewesen sei, hieß es. Auch Instinet zeige mit aktiver Unterstützung der Mutter erste Anzeichen einer Erholung. Unter Berücksichtigung der noch laufenden Übernahme des Konkurrenten Island ECN glaube er, dass der US-Broker für die sich entwickelnden Aktienmärkte gut aufgestellt sei und Erfolg haben werde, sagte Glocer.

Neben den direkten Auswirkungen der schwachen Finanzmärkte in Form sinkender Handelsumsätze bekam Reuters auch die schlechte Verfassung bei anderen Marktteilnehmern zu spüren. Dazu zählten vor allem die Kosteneinsparungen der Investmentgesellschaften und Banken sowie deren Zurückhaltung bei Investitionen in Informationstechnologien.

Reuters unterscheidet bei den Umsätzen zwischen den so genannten regelmäßigen Einnahmen ("Recurring") vor allem aus Nutzungsgebühren und den einmaligen Erträgen ("Outright") zum Beispiel aus Systemverkäufen. Inklusive Bridge werde bei den maßgeblichen regelmäßigen Erlösen im Gesamtjahr ein Anstieg erwartet, während die einmaligen Umsätze in etwa auf Vorjahresniveau liegen dürften, erklärte das Unternehmen.

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