Erstmals seit drei Jahren Bodenbildung erkennbar
Charttechnik gibt Kaufsignal

Nach dem erneuten Kursanstieg an den Börsen frohlocken technisch orientierte Analysten. Denn wichtige Hürden sind für sie genommen. Die Experten trauen dem Dax jetzt den Sprung über 3 000 Punkte zu.

DÜSSELDORF. Konjunkturell und geopolitisch spricht wenig für ein Ende der Talfahrt an den Aktienmärkten. In keiner großen Volkswirtschaft ist der erhoffte Aufschwung sichtbar, und Amerikas Drohungen an Syrien verheißen neue Unsicherheit. Doch Investoren lassen sich davon nicht abschrecken. Der Deutsche Aktienindex (Dax) legte in den vergangenen vier Wochen 30 % zu. Die Ursache für den Optimismus sehen Analysten in der Charttechnik: Immer mehr Indikatoren weisen nach oben. Erstmals seit Beginn der Talfahrt im März 2000 bildet sich ein tragfähiger Boden aus.

So sind mit der viel beachteten 18- und 38-Tage-Linie, also den Durchschnittskursen der vergangenen 18 bzw. 38 Handelstage, wichtige Marken im Dax überwunden. "In den USA wagten sich der Dow Jones und der S & P- 500-Index sogar über die 200-Tage-Linie, und jetzt zog der Dax mit der 100- Tage-Linie nach", sagt Sandra Schiller von Commerzbank Securities. Sie rechnet mit weiter steigenden Kursen.

Doch die "Bullen" haben weitere Argumente. Mit dem Überschreiten der 2 800-Punkte-Marke vollendete sich eine umgekehrte Schulter-Kopf- Schulter-Formation (Grafik). Diese ist für Charttechniker eine klassische Boden- oder Umkehrformation. Sie ist Voraussetzung für ein Ende der Talfahrt.

Idealtypisch konsolidierte der Dax, unmittelbar nachdem die Nackenlinie (Grafik) durchbrochen war. "Sollte dieses Niveau fortan weiteren Gewinnmitnahmen standhalten können, darf die Fortsetzung der Aufwärtsbewegung in Richtung 3 200 Punkte nicht überraschen - sie wäre markttechnisch vielmehr der Normalfall", sagte der Hamburger Charttechniker Holger Struck bereits während der kurzzeitigen Kursrückgänge vor einigen Tagen. Struck hatte bereits die 30 %-Rally im Oktober vergangenen Jahres prognostiziert und nur einen Tag nach den Tiefstkursen zum Einstieg geraten.

Tatsächlich sahen Investoren die Konsolidierung in der vergangenen Woche nicht als Signal für große Gewinnmitnahmen - wie in vielen Monaten zuvor -, sondern als neue Chance zum Einstieg. Der Wochenbeginn brachte dann die Erleichterung, als der Dax auf Tageshoch deutlich oberhalb der Nackenlinie schloss. Das war gestern das Signal für technisch orientierte Investoren, auf weiter steigende Kurse zu setzen. "Jetzt muss der Bereich um 2 800 Punkte sauber durchbrochen werden. Doch das bleibt nur eine Frage der Zeit. Danach ist der Weg frei bis zur 200-Tage-Linie, und die liegt bei 3 115 Punkten", sagt Struck.

Nach der dynamischen Aufwärtsbewegung, der anschließenden Konsolidierung und dem jetzt erfolgten Ausbruch erwartet ING BHF-Bank-Stratege Klaus Deppermann auf Sicht von drei Monaten sogar 3 600 Punkte. Mit größeren Rückschlägen oder gar neuen Tiefständen rechnet er nicht: "Der Trend geht jetzt deutlich nach oben und anschließend auf höherem Niveau seitwärts." Aktien- und Rentenmärkte stehen seiner Meinung nach vor langfristigen Wendepunkten.

Auch Uwe Wagner von der Deutschen Bank sieht den Dax nach dem charttechnisch guten Wochenstart "sehr gut nach unten abgesichert", macht aber noch Risiken aus. "Erst wenn der Dax auch auf Schlusskursbasis über der wichtigen Marke von 2 840 Punkten schließt, ist der Weg in Richtung 3 100 Zähler frei." Störfaktoren sieht Wagner in den "Randmärkten", aber auch in den US-Indizes. Bislang werden die steigenden Aktienmärkte nicht von fallenden Ölpreisen und einem schwächeren Euro begleitet. Dies war sonst immer Voraussetzung für höhere Kurse.

Im Dow-Jones-Index hat sich die Situation mit dem Überschreiten der wichtigen 200-Tage-Linie zwar deutlich verbessert. Doch Kaufsignale entstehen für technisch orientierte Investoren erst oberhalb der Höchstkurse aus den vergangenen Wochen, also über 8 520 Punkten. Bis dahin sind es noch rund 200 Zähler. "Die Schwungkraft fehlt, die Randmärkte bieten keine Unterstützung, und solange die US-Indizes nicht aus ihren oberen Begrenzungen ausbrechen, besteht die Gefahr, dass sich die Börsen in einer breiten Schiebezone seitwärts bewegen", meint Wagner. Doch selbst davon war in den letzten drei Jahren nur ganz selten und kurzzeitig die Rede.

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