Erstmals seit drei Wochen
Euro fällt unter 0,90 $

Der Euro hat bis zum Dienstagmittag seine Verluste ausgebaut, nachdem er im frühen europäischen Handel zum ersten Mal seit drei Wochen unter 0,90 $ gefallen war. Vor allem größere Kapitalrückführungen japanischer Konzerne hätten zu Yen-Käufen und Euro-Verkäufen geführt und so auch den Eurokurs zum Dollar gedrückt, sagte ein Händler.

Reuters FRANKFURT. Zudem griffen Händlern zufolge bei Kursen unter 0,9050 und dann bei 0,8980/90 $ Stop-Loss-Aufträge, die weitere Euro-Verkäufe auslösten. Widersprüchliche Aussagen japanischer Politiker und Notenbanker bremsten den jüngsten Yen-Aufwertungstrend etwas. Gegen 16.00 Uhr MESZ steht der US-Einkaufsmanagerindex (NAPM) zu Veröffentlichung an und könnte den Markt nochmal in Bewegung bringen, sagten Händler.

Referenzkursverfahren EuroFX wurde der Euro mit 0,8971 $ nach 0,9072 $ am Montag festgesetzt. Ein Dollar kostete damit 2,1802 (2,1559) DM. Zur japanischen Währung wurde der Euro mit 107,08 (107,76) Yen festgelegt. Gegen 13.30 Uhr MESZ kostete ein Euro 0,8973/74 $ nach einer letzten Notiz am Montag in New York bei 0,9073/78 $. Der Yen notierte zum Dollar bei 119,32/38 Yen, mehr als einen halben Yen über dem Schlusskurs vom Montag.

Der Euro geriet Händlern zufolge vor allem durch die anhaltende Repatriierung von Kapitalanlagen japanischer Konzerne im Hinblick auf das Ende des Fiskalhalbjahres am 30. September unter Druck. "Der Katalysator für die Abwärtsbewegung des Euro war eindeutig die Repatriierung", sagte ein Händler. Bisher sei davon hauptsächlich der $ betroffen gewesen, nun litten auch Kurse anderer Währungen wie Euro und Pfund darunter. Dieser Einfluss sei aber zeitlich begrenzt, sagte der Händler weiter. Bei den Marken von 0,9050 $ bzw. danach 0,8980/90 $ setzten Händlern zufolge jeweils Stop-Loss-Verkäufe ein, die den Kurs weiter belasteten. Allerdings bestehe bei 0,8940 $ wieder starkes Kaufinteresse für den Euro.

Spekulationen über Intervention

Die japanische Währung gab zum Dollar nach widersprüchlichen Aussagen von Notenbankern und Politikern zu einer möglichen Devisenmarktintervention etwas nach. Der Präsident der japanischen Notenbank BoJ, Masaru Hayami, sagte der japanischen Nachrichtenagentur Jiji zufolge, er denke nicht über eine Devisenintervention nach und wisse auch nichts von anstehenden Gesprächen über die jüngste Yen-Stärke beim nächsten Treffen der G7-Staaten. Zuvor sagte allerdings Takahiro Mitani, Chef der BoJ von Osaka, er denke, Japan werde intervenieren, wenn irreguläre Bewegungen auf dem Devisenmarkt zu erkennen seien.

In den vergangenen Tagen hatten immer wieder japanische Regierungsmitglieder Spekulationen über eine Intervention angeheizt. Zuletzt wiederholte Japans Vize-Finanzminister Haruhiko Kuroda seine Ansicht, die jüngste Yen-Stärke sei nicht normal und bekräftigte, die Regierung werde in den Devisenmarkt eingreifen, wenn es die Situation verlangen würde.

Solche Bemerkungen konnten den Aufwärtstrend des Yen bisher zwar nicht nachhaltig stoppen, versetzten den Markt aber Händlern zufolge in erhöhte Alarmbereitschaft. Besonders aufmerksam werde der Markt nun ein Treffen des japanischen Finanzminister Masajuro Shiokawa und seinem US-Amtskollegen Paul O'Neill im weiteren Verlauf der Woche beobachten. Shiokawa hatte am Sonntag angekündigt, O'Neill nach der Haltung der US-Regierung zum Dollarkurs zu befragen.

Konjunkturindikatoren wie der US-Einkaufsmanagerindex (NAPM) werden in der momentanen Konstellation Händlern zufolge die Devisenkurse kaum beeinflussen, solange sie nicht deutlich von den erwarteten Werten abweichen. Analysten erwarten für den am Dienstag gegen 16.00 Uhr MESZ anstehenden NAPM für August einen leichten Anstieg auf 43,9 von 43,6 im Juli.

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