Erstmals seit fast drei Jahren
Euro steigt über 1,02 Dollar

Angesichts eines verstärkten Drucks auf die US-Währung ist der Euro am Freitag erstmals wieder deutlich über die Marke von 1,02 Dollar gestiegen.

Reuters LONDON. Investoren seien auf Grund der neueren Entwicklungen in Irak und Nordkorea verstärkt auf der Suche nach Alternativen zur US-Währung, sagten Analysten. Belastend wirkten auch die Zweifel an der US-Wirtschaftserholung und die Spekulationen darüber, dass die USA ihr Bekenntnis zu einem starken Dollarkurs zur Stützung der heimischen Wirtschaft aufgeben könnten.

Der Euro kletterte erstmals wieder über die psychologisch wichtige Marke von 1,02 Dollar. In der Spitze erreichte die Gemeinschaftswährung mit 1,0259 Dollar den höchsten Stand seit Januar 2000. In New York hatte der Euro am Vorabend noch mit Kursen um 1,0190 Dollar geschlossen.

Nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Michael Schubert liegt die Ursache für den kräftigen Anstieg des Euro hauptsächlich in einer schwachen US-Währung. "Der Dollar wird derzeit von mehreren Seiten unter Druck gesetzt", sagte Schubert. Schwache US-Arbeitsmarktdaten und Spekulationen über einen Wechsel in der Währungspolitik haben bereits seit mehreren Tagen für eine Abwärtsentwicklung des Dollar gesorgt. Zudem habe die latente Kriegsgefahr im Golf zu zusätzlichen Dollar-Verkäufen geführt. Ein sicherer Hafen sei der Euro allerdings nicht. "Er gilt als bessere Alternative - relativ gesehen. Es werden tendenziell Währungen bevorzugt, die kein hohes Leistungsbilanzdefizit haben", sagte Schubert.

Der überraschende Wechsel an der Spitze des US-Finanzministeriums in dieser Woche hatte an den Märkten Spekulationen darüber ausgelöst, dass die US-Regierung von ihrer bisherigen Politik des starken Dollar abrücken könnte. Der designierte neue Finanzminister John Snow hat sich bislang nach Einschätzung von Händlern noch nicht eindeutig geäußert. Devisenhändler befürchten, die USA könnten den Dollar künstlich herunterreden, um die heimische Exportindustrie zu unterstützen. Eine schwache Landeswährung verbessert im Allgemeinen die Wettbewerbsfähigkeit von Produkten im Ausland. Andererseits sind die USA auf Grund ihres hohen Außenhandelsdefizits stark angewiesen auf Kapitalzuflüsse, die durch einen starken Dollar begünstigt würden.

Verstärkte Besorgnis über die gestiegenen Spannungen im Irak-Konflikt hatten in den vergangenen Tagen den Dollar Händlern zufolge zusätzlich geschwächt. Aus US-Regierungskreisen hatte es geheißen, Iran habe geheime Atomanlagen errichtet, die zur Herstellung atomarer Waffen genutzt werden könnten. Iran wies die Berichte am Freitag zurück. Zusätzlich hätten Nachrichten aus Nordkorea den Dollar belastet, sagte Hans Redeker von BNP Paribas. "Wir haben die Neuigkeit aus Nordkorea bekommen, wonach das Land sein Plutoniumkernkraftwerk wieder in Betrieb setzen will. Das bedeutet, dass sich hier ein beträchtliches Risiko für den Markt aufbaut", sagte er. Anleger strebten nun verstärkt danach, Risiken aus dem Wege zu gehen. Dies zeige auch der Anstieg des Goldpreises.

Die USA betrachten Iran als das Land, das am aktivsten extremistische Gruppen unterstützt. Iran, Irak und Nordkorea wurden von US-Präsident George W. Bush als "Achse des Bösen" bezeichnet, weil sie sich um Massenvernichtungswaffen bemühten und Terrorismus unterstützten.

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