Erstmals soll Manager von außen kommen
Zeitenwende im Klett-Verlag

Bei Deutschlands größtem Schulbuchverlag Klett steht mittelfristig eine Zeitenwende bevor: Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll erstmals in der Geschichte des Stuttgarter Familienunternehmens ein Manager von außen den Vorstandsvorsitz übernehmen.

HB/dpa STUTTGART. "Spätestens mit 70 ist für mich Schluss als Vorstand im operativen Geschäft", sagte der 65-jährige Verlagschef Michael Klett in einem dpa-Gespräch.

Seit mehr als 100 Jahren lenkt die Familie die Geschicke des Verlagshauses (Klett-Cotta, Raabe, Pons). Die Ernst Klett AG hatte 2002 einen Umsatz von 326 Mill. ? erzielt. Um vom schrumpfenden deutschen Schulbuchmarkt unabhängiger zu werden, expandiert der profitable Verlag derzeit in Österreich und Osteuropa.

Da in der Familie noch kein geeigneter Nachfolger in Sicht sei, solle für eine Übergangszeit ein fähiger Manager geholt werden, sagte Klett: "Aber kein reiner Kaufmann. Ein Medienhaus sollte vom Inhalt her geführt werden." Später einmal seien vielleicht sein Sohn (25) oder sein Neffe (38), der bereits die Klett-Sprachen führt, in der Lage, die Position auszufüllen.

"Das ist ein Job für jemanden, der Mitte fünfzig ist. Die Spitze muss strategisch ruhig sein", begründete der angesehene Verleger den "sanften Bruch" mit der Tradition. Um das literarische Aushängeschild Klett-Cotta wolle er sich aber auch nach seiner Zeit als Verlagschef kümmern. "Ich werde der Sache auf jeden Fall erhalten bleiben, solange, bis der liebe Gott mich abberuft."

Es sei unglaublich schwierig geworden, einen international tätigen Mittelständler zu führen. Die Klett-Gruppe beschäftigt an 13 Standorten in 13 Ländern knapp 2200 Mitarbeiter. Angesichts des Generationswechsels gehe es darum, im Verhältnis der Familie zum Unternehmen Kontinuität zu sichern. Streit unter den 17 Gesellschaftern werde es nicht geben. "Gott sei Dank sind wir eine Familie, die einen Familiensinn hat", sagte Klett.

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