Erstnotierung am 18. Juni
Statoil kurz vor dem Börsengang: "Langweilig" für Kleinanleger?

Unmittelbar vor dem Börsengang des größten norwegischen Energiekonzerns Satoil scheint das Interesse zumindest bei Kleinanlegern nicht sonderlich groß zu sein.

dpa OSLO. "Keine Schlangen für Statoil-Aktien titelte am Mittwoch die Osloer Zeitung "Aftenposten" ihren Bericht über eine Werbeveranstaltung in der Öl-Stadt Stavanger, bei der Statoil-Konzernchef Erling Överland vor einem halb leeren Saal "im Stil eines Pfingstpredigers" von den Segnungen der größten Privatisierungsaktion in der norwegischen Geschichte schwärmte.

Ob das als Stimmungsbarometer für das Interesse kleiner oder gar strategischer Anleger brauchbar ist, wird sich Ende nächster Woche zeigen. Dann läuft die Zeichnungsfrist für bis zu 438 Millionen Aktien mit einer Preisspanne von 66 bis 76 Kronen (15,85 bis 18,25 DM/8,1 bis 9,3 Euro) aus, ehe am 18. Juni der Statoil-Aktienkurs erstmals an den Börsen in Oslo und New York notiert wird.

Wenn der Aktienpreis und der zwischen 29 und 33 Milliarden Kronen erwartete Erlös der Emission endgültig feststehen, hat das skandinavische Land die größte Umstellung im Offshoresektor seit Beginn der Öl- und Gasförderung hinter sich. Unverändert weiter aber werden die gigantischen Steuereinnahmen fließen, mit denen die 4,5 Millionen Norweger zum reichsten Volk Europas geworden sind, locker schwarze Zahlen im Staatshaushalt schreiben und schon jetzt Rücklagen über fast 500 Milliarden Kronen in einem Ölfonds gesammelt haben, der die Rentenzahlungen der kommenden 50 Jahre sichert.

Dass der Staat nicht zuletzt als alleiniger Inhaber von Statoil stets auch ganz direkt der klar dominierende Akteur auf dem eigenen Festlandssockel gewesen ist, wurde von ausländischen Öl- und Gasproduzenten schon lange kritisiert. In den neunziger Jahren mischten sich zunehmend auch Stimmen aus Oslo in diesen Chor.

Der damalige Statoil-Chef Harald Norvik, wie verblüffend viele führende Offshore-Manager ein früherer Ministerialbeamter mit sozialdemokratischen Wurzeln aus dem Energieministerium, begründete die Forderung nach mehr Privateigentum an Norwegens größtem Unternehmen mit dem ständig schärfer werdenden weltweiten Wettlauf zu neuen Ölquellen zwischen Kasachstan und Vietnam. Nur durch Zufluss von internationalem Privatkapital könne man hier mithalten, wenn die eigenen Ölquellen in eigenen Gefilden nach und nach weniger ergiebig sprudelten, lautete sein Hauptargument.

Eine gewichtige Rolle in der Privatisierungsdebatte spielte Norwegens Mitgliedschaft im «Europäischen Wirtschaftsraum», die Oslo an Regeln der Union für die Vergabe von Öl- und Gaskonzessionen bindet. Die "praktische" Multi-Rolle des Staates als Konzessionsvergeber, Konzessionsnehmer über den Staatsbesitz von Statoil sowie insgesamt 73 Prozent aller Öl- und Gasfelder, und schließlich noch als Empfänger von Steuern war unter diesen Bedingungen nicht mehr zu halten.

Nach heftigen innenpolitischen Auseinandersetzungen vor allem innerhalb der Sozialdemokraten von Ministerpräsident Jens Stoltenberg gab das «Storting» im April endgültig grünes Licht für die Privatisierung von einem Drittel der Statoil-Anteile. Kurz zuvor hatte sich das Unternehmen mit der besten Bilanz seiner Geschichte präsentiert. Die hohen Ölpreise brachten im letzten Jahr einen Rekordgewinn von 11,3 Milliarden Kronen nach Steuern in die Kassen. Vor Steuern verdreifachten sich die Erträge von 13,5 auf 38,1 Milliarden Kronen. Der Umsatz stieg von 138,8 auf 208,2 Milliarden Kronen.

Strategische Anleger wie die deutsche Ruhrgas hoben schon frühzeitig ihren Finger, als sich in Norwegen, dem zweitgrößten Ölexperteur der Welt nach Saudi-Arabien und dem zweitgrößten Gaslieferanten in Europa nach Russland, die Teilprivatisierung des wichtigsten Unternehmens abzeichnete. Kleinanleger Eyvinn Tveteras dagegen mochte den Überredungskünsten von Statoil-Chef Överland in Stavanger nicht folgen und meinte in "Aftenposten": "Eine langweilige Aktie, auch wenn sie langfristig sicher Ertrag bringt. Ich werde wohl nicht kaufen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%