Erstnotiz am 15. Juni
Anleger warten auf besseren Schnitt bei Friseur-Aktie Essanelle

Die Aktien des Börsenaspiraten Essanelle sollen zwischen 10 und 12 Euro kosten. Angeboten werden über zwei Millionen Aktien, die vom 5. bis zum 12. Juni gezeichnet werden können. Analysten sind eher skeptisch. Die Graumarktkurse der Börsenaspiranten

mvv/dpa/vwd FRANKFURT/DÜSSELDORF. Mit Essanelle geht der erste Friseurmeister an die Börse. Die Aktien werden in einer Preisspanne von zehn bis zwölf Euro angeboten. Dies teilte das an das Kleinwertesegment SMax strebende Friseurunternehmen in einer Finanzanzeige am Dienstag mit. Angeboten werden über zwei Millionen Aktien, die vom 5. bis zum 12. Juni gezeichnet werden können. Voraussichtlich am 13. Juni werde der Kaufpreis der Aktie festgelegt, hieß es weiter.

Anleger halten die Aktie eher für eine haarige Geschichte, denn noch ist das Nachfrageverhalten im vorbörslichen Handel eher verhalten. Börsenmakler Schnigge stellt Kaufpreise zu 12,50 und Verkaufspreise zu 11,20 Euro fest. Auch bei Lang & Schwarz ist der Handel eher ruhig. Dort wird die Aktie bei 11,70 zu 12,90 bepreist. "Das Börsenumfeld ist noch zu unsicher," meint Analyst Guiseppe-Guido Armato von Lang & Schwarz im Gespräch mit Handelsblatt.com. "Die Anleger warten ab, ob sich die Wachstumsprognosen des Unternehmens bewahrheiten." Das Unternehmen plant, zwischen 2000 und 2004 eine durchschnittliche Steigerung der Erlöse von rund 21 Prozent pro Jahr. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wird im selben Zeitraum mit einer jährlichen Zunahme von im Schnitt etwa 35 Prozent gerechnet.

Friseurhandwerk ist meist mittelständisch organisiert

Solche optimistischen Prognosen sind nur mit kräftigen Zukäufen realisierbar. Möglichkeiten gibt es genug. Das Friseurhandwerk ist immer noch überwiegend mittelständisch organisiert und in der Hand von kleinen Familienbetrieben. Die leiden unter geringer werdenden Umsätzen. So will die nächste Generation den Betrieb oft nicht weiterführen und denkt an Verkauf des elterlichen Betriebes. Dies ist der Markt für den Börsenaspiranten.

Wird Essanelle ein zweiter Kamps? Der gelernte Bäckermeister Kamps hatte nach dem Börsengang mit Zukäufen die größte Bäckereikette Europas geschaffen. Dennoch stürzte der Aktienkurs in den vergangenen Monaten ab. Die Anleger fürchten nach Ansicht von Analyst Armato ähnliches bei Essanelle. Das Friseurunternehmen weiss, das Zukäufe alleine noch keine Anleger vom Hocker reißen und setzt daher auf sein neues Marketingkonzept. Die Filialketten sollen unter verschiedenen Markennamen stärker nach Service, Produktpräsentation und Preisgestaltung differenziert werden: HairXpress für die Eiligen, Super Cut für die jungen Kunden, Essanelle für die Preisbewussten und Mod´s Hair für Trendbewusste mit gehobenen Ansprüchen.

Zahl der Friseurbesuche nimmt ab

Gegen Essanelle spricht, dass der Markt enger geworden ist: In den vergangenen fünf Jahren sank das Umsatzvolumen durchschnittlich um je 1,6 Prozent. Zwar steigen die Ausgaben pro Friseurbesuch, aber die Zahl der Besuche nimmt ab. Frauen gönnen sich den Besuch beim Friseur nur noch etwa sechs Mal im Jahr, Männer lassen etwa fünf Mal den Kopf beim Frisör waschen. Studien beziffern das Marktvolumen derzeit auf 5,6 Milliarden Euro (11 Mrd DM) in Deutschland. In Europa, wo sich die Düsseldorfer in frühestens zwei bis drei Jahren ebenfalls nach Übernahmekandidaten umsehen wollen, betrage das Marktvolumen 30,7 Milliarden Euro.

Am 15. Juni wird Essanelle wahrscheinlich zum ersten Mal notiert. Bis dahin würden auch noch einige Gewinnwarnungen von Nasdaqunternehmen den Markt beeinflussen, meint Guiseppe-Guido Armato. Gute Changen für die Aktie sieht er daher erst, wenn sich der Markt insgesamt stabilisiert hat.
Die angebotenen Aktien werden mit voller Gewinnanteilberechtigung vom Geschäftsjahr 2001 an ausgestattet. Ein Bankenkonsortium werde diese Aktien mit der Verpflichtung übernehmen, sie breit gestreut anzubieten, hieß es. Zudem werden die angebotenen Aktien international, jedoch außerhalb der USA, Kanadas und Japans, privat platziert. Sie sollen zum Börsenhandel mit amtlicher Notierung an der Frankfurter Wertpapierbörse mit Aufnahme in das Börsensegment SMax zugelassen werden.

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