Erstnotiz von 21,40 Euro
Verhaltener Börsenstart für die Post-Aktie

Die Aktie der Deutschen Post ist heute mit bescheidenen Kursgewinnen in den Börsenalltag gestartet. Der Anteilsschein ging zunächst mit 21,40 Euro und somit einem Plus von 1,9 % in den Handel, fiel dann aber kurzfristig unter den Ausgabepreis zurück und machte erst in den Folgestunden langsam wieder Boden wett.

afp FRANKFURT. Am frühen Nachmittag stand die "Aktie Gelb" an der Frankfurter Wertpapierbörse bei knapp 22 Euro und damit gut vier Prozent im Plus. Post-Chef Klaus Zumwinkel und Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) für den Eigentümer Bund sprachen von einem Erfolg und verwiesen auf das schwierige Marktumfeld. Die Post-Aktie war am Montag der mit Abstand meistgehandelte Wert an der Börse; Beobachter vermuteten kursstabilisierende Stützungskäufe der Banken.



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Zum Handelsstart am Montagmorgen herrschte dichtes Gedränge auf dem Börsenparkett. Im Beisein Zumwinkels und Eichels wurde die Erstnotiz von 21,40 Euro (41,85 Mark) für die Post-Aktie verkündet. Bereits zehn Minuten später fiel der Anteilsschein mit 20,90 Euro knapp unter den Ausgabepreis von 21 Euro (41,07 Mark). Nur Frühzeichner, die 50 Cent Rabatt je Aktie erhalten hatten, lagen damit noch im Plus. Bei regem Handel arbeitete sich die Post-Aktie im weiteren Tagesverlauf auf bis zu 22,10 Euro (43,22 Mark) nach oben, konnte aber auch diesen Kurs nicht lange halten.

Mehr als 30 Millionen gehandelte Aktien bis zum frühen Nachmittag und hohe Einzelorders ließen Börsenkenner Stützungskäufe der Emissionsbanken vermuten. Der designierte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wollte dies auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren, betonte aber, sein Institut werde den Kurs genau beobachten und seiner Verantwortung als Konsortialführer gerecht werden.

Bei der ersten Privatisierungstranche kommen - einschließlich der noch auszuschöpfenden Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) - knapp 320 Millionen Aktien im Wert von 6,6 Milliarden Euro (12,9 Milliarden DM) in den Handel. Dies entspräche einschließlich Greenshoe einem Anteil von 29 Prozent an der Deutschen Post World Net. Die Einnahmen aus dem achtfach überzeichneten Aktienangebot gehen an den Bund und die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau. Eichel bekräftigte vor Journalisten seine Absicht, die Post auf längere Sicht ganz zu privatsieren. Einen Zeitrahmen nannte er nicht.

Mit einer Marktkapitalisierung von 23,4 Milliarden Euro ist die Deutsche Post auch sicherer Kandidat für eine Aufnahme in den Deutschen Aktienindex (DAX). Zumwinkel sagte, er rechne im März mit dem Einzug in die erste deutsche Börsenliga.



"Post-Aktie ist für Langzeitanleger"

Hartmut Moers, Logistik-Analyst vom Bankhaus Julius Bär, wollte trotz des schleppenden Börsenstarts keineswegs von einem Flop sprechen. "Wir hatten sowieso nicht mit riesigen Kursgewinnen gerechnet", sagte Moers der Nachrichtenagentur AFP. Die Post sei etwas für Langzeitanleger. Wie andere Analysten vermutete Moers, dass etliche Priuvatanleger ihre Anteilsscheine gleich am Montag wieder verkauften, um den Frühzeichnerrabatt und den ersten Kursanstieg als Zeichungsgewinn einzufahren. Die Analystin Pia Christina Schulze von Merck Finck riet den Anlegern zu Geduld. Die Post-Aktie werde erst in zwei bis fünf Jahren ihr ganzes Potenzial entfalten.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hielt Post und Bund vor, den Ausgabepreis mit 21 Euro zu hoch angesetzt und damit die Marge für Kursgewinne zu eng gesteckt zu haben. "Auf diesen einen Euro mehr hätte man verzichten können", monierte DSW-Sprecher Jürgen Kurz. Eichel brauche jetzt dringend einen Erfolg: "Wenn die Post-Aktie vor sich hin dümpelt, wird es sehr schwer werden, weitere Tranchen abzusetzen." Kurz verwies auf die jüngste Tranche Telekom-Aktien, die im Sommer zu 63 Euro gekommen sei und den Anlegern inzwischen hohe Verluste beschert habe. Die Telekom-Aktie lag am Montag bei 38,65 Euro (75,59 DM).

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