Erträge unter Druck
Sparkassentochter 1822direkt steigt ins Beratungsgeschäft ein

Die Direktbank lockt mit hohen Tagesgeldzinsen und will so den Konzentrationsprozess überleben.

FRANKFURT/M. "Virtuell und traditionell" - so will die zur Frankfurter Sparkasse (Fraspa) gehörende 1822direkt die Flaute im Online-Broking und den Konzentrationsprozess überleben. Geschäftsführer Manfred Weinel sagte im Gespräch mit dem Handelsblatt, bis zum Sommer steige seine Direktbank ins provisionsabhängige Beratungsgeschäft ein, wobei via Telefon vor allem Publikumsfonds vertrieben werden sollen. In der Anfangsphase würden u.a. Produkte der Fondsgesellschaften Deka, DWS, Dit und Fidelity angeboten. "Wir zielen auf Anschlussgeschäfte mit Kunden, die beispielsweise nur unser Cash-Konto nutzen", erläutert der Direktbank-Chef.

Die 1822direkt ist ein Kuriosum in der deutschen Banken- und Sparkassenlandschaft. Die 1996 unter Fraspa-Vorstandschef Klaus Wächter gestartete Direktbank ist als einzige Sparkassen-Tochter bundesweit auf Kundenfang und steht auch in Konkurrenz zum S-Broker der öffentlich-rechtlichen Sparkassen. Die Muttergesellschaft ist eine freie Sparkasse, die mehrheitlich einem wirtschaftlichen Verein gehört.

Laut Weinel wurden 85 % der jetzt rund 156 000 Kunden außerhalb des Einzugsgebiets der Fraspa gewonnen, rund drei Viertel kommen via Internet-Werbung zur 1822direkt. Die Bankenkrise in Berlin habe etwa in jüngster Zeit für einen verstärkten Zulauf aus dieser Region gesorgt. "Sparkasse ist ein Sicherheitsthema, davon profitieren wir jetzt", meint Weinel.

Die 1822direkt hat den totalen Einbruch im Online-Broking mit Wertpapieren im vergangenen Jahr vor allem über das Einlagengeschäft auffangen können. Während das Transaktionsvolumen mit Aktien und Anleihen in 2002 um 30 % zurückging und in den ersten beiden Monaten 2003 nochmals um 25 % wegsackte, stieg das Einlagevolumen kontinuierlich und erreichte im Februar rund 1,36 Mrd. Euro. Rund 70 % der neuen Konten sind Tagesgeldkonten mit Kampfkonditionen - aktuell liegt der Guthabenzins bei 3,2 %, der Rest sind neue Girokonten. Der Gewinn - Branchenbeobachter rechnen mit rund fünf Mill. Euro im vergangenen Jahr und einer Halbierung auf nur noch 2,5 Mill. in 2003 - resultiert ausschließlich aus dem Zinsgeschäft. Hauptkonkurrenten sind nach Fraspa-Angaben die Allgemeine Deutsche Direktbank AG (Diba) und die Postbank. Die Diba bietet auf ihrem "Extra-Konto" schon jetzt höhere Einlagenzinsen an, nach der beabsichtigten Fusion mit Entrium wird sie als Marktführerin mit dann knapp drei Millionen Kunden wohl auch weiterhin die Zinsführerschaft beanspruchen. Zwar hat die 1822direkt im Januar/Februar rund 6 500 neue Kunden an Land gezogen, es wanderten aber auch 1 500 vornehmlich zur Diba ab.

Die Besitzer inaktiver Wertpapierdepots bei der 1822direkt sollen in diesem Jahr über eine monatliche Mindestgebühr zur Auflösung bewegt werden. Von allen Kunden haben laut Weinel 15 % ein Depot, "davon ist aber schon jedes dritte leer und ohne Umsatz".

Weinel sieht seine Chancen realistisch, dass er "ein Mittelständler" unter den Online-Banken bleibt. Die Zahl der Kunden soll in 2003 auf rund 170 000 steigen, in zwei Jahren peilt man zwischen 250 000 und 300 000 an. Dann, so seine Einschätzung, dürfte er für sein Haus auch "vorerst an der Decke" angekommen sein.

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