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Ertragskrise der Banken noch nicht vorbei - weiterer Stellenabbau

Auch nach einer Rosskur mit dem Abbau von tausenden Arbeitsplätzen in den vergangenen Jahren nimmt die Ertragskrise der deutschen Banken kein Ende.

dpa-afx MÜNCHEN. Auch nach einer Rosskur mit dem Abbau von tausenden Arbeitsplätzen in den vergangenen Jahren nimmt die Ertragskrise der deutschen Banken kein Ende. "Man hat zwar überall Kosten gespart, aber noch nicht entdeckt, woher jetzt die Erträge kommen sollen", sagt Wolfgang Gerke, Professor für für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg. Angesichts schwacher Quartalszahlen kündigten die Commerzbank und die Hypovereinsbank weitere Restrukturierungen an, die zu zusätzlichem Stellenabbau führen werden. Auch bei der Dresdner Bank werden an diesem Freitag (12. November) nur durchwachsene Zahlen erwartet. Die Deutsche Bank konnte im dritten Quartal zwar einen Vorsteuergewinn von einer Milliarde Euro vorweisen, profitierte dabei aber auch von einer geringeren Risikovorsorge.

Einen Schuldigen haben die Banken für einen Teil ihrer Probleme ausgemacht. "Wir können uns nicht der Entwicklung der Konjunktur und der Kapitalmärkte entziehen", sagte HVB-Chef Dieter Rampl. Wegen der Flaute an den Börsen fiel bei allen Banken das Handelsergebnis nicht sonderlich gut aus. Die Commerzbank machte in diesem Bereich sogar einen leichten Verlust. Bei der HVB halbierte sich das Handelsergebnis auf 111 Mill. Euro. Insgesamt machte die Hypovereinsbank auch deshalb nur einen minimalen Quartalsgewinn von sechs Mill. Euro. Gerke will aber den Hinweis auf die schwachen Finanzmärkte nicht als alleinige Begründung gelten lassen. "Es gibt immer eine Entschuldigung, und andere wie die Citibank verdienen unterdessen Geld."

Kampf MIT Alten Problemen

So haben die Banken denn auch mit hausgemachten Problemen zu kämpfen. Die Commerzbank kündigte an, ihr Investmentbanking einzudampfen und 900 Stellen einzusparen. Wegen der dafür notwendigen Restrukturierungskosten machte die Commerzbank im dritten Quartal einen Verlust von 208 Mill. Euro. Auch die Hypovereinsbank hat mit alten Problemen zu kämpfen. "Bei der Hypovereinsbank sind das noch immer die Immobiliendarlehen, die in der Vergangenheit zu großzügig ausgegeben wurden", sagt Klaus Grünewald, der für die Gewerkschaft Ver.di im HVB-Aufsichtsrat sitzt. Auch komme die Ankündigung von Konzernchef Dieter Rampl recht spät, alle Prozesse auf den Prüfstand zu stellen. "Das hätte man alles vor einem halben Jahr beginnen können." Rampl will seine Pläne Anfang kommenden Jahres präsentieren. Weiteren Stellenabbau schloss er nicht aus.

Experte Befürwortet Fusion - Arbeitnehmer-Vertreter Dagegen

Am weitesten ist nach Einschätzung Gerkes die Deutsche Bank. "Sie ist im Restrukturierungsprozess am weitesten vorangekommen." Allerdings sei das lange Zeit vernachlässigte Privatkundengeschäft noch immer zu klein. Das allerdings ist die Crux aller privaten Kreditinstitute. Im deutschen Drei-Säulen-Modell dominieren die Sparkassen und die Volks- und Raiffeisenbanken den Markt. Gerke sieht daher nur eine Möglichkeit: "Die Banken müssen den Platz durch entsprechende Fusionen vom Overbanking befreien." Seine Lieblingsvariante wäre noch immer eine Fusion von Allianz und Deutscher Bank, durch die ein auch nach internationalen Maßstäben imposanter Allfinanzkonzern entstehen würde. Auch ein Zusammengehen von Hypovereinsbank und Commerzbank wäre nach seiner Einschätzung ein Fortschritt.

Die Arbeitnehmer ziehen andere Schlüsse aus den deutschen Besonderheiten. "Ich halte Großfusionen für nicht zu managen", sagt Grünewald. Die privaten Kreditinstitute hätten sich in den vergangenen Jahren zu ehrgeizige Margenziele gesetzt. Eigenkapitalrenditen wie in Skandinavien oder Großbritannien seien auf dem deutschen Markt aber nun einfach nicht erzielbar./ax/DP/zb

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