Ertragskrise ist Realität
Gerke: "Bankenkrise nicht herbeireden"

Die deutschen Kreditinstitute befinden sich nicht in einer existenziellen systemischen Krise, aber in einer harten Ertragskrise. Dieser Wertung von Ernst Welteke, Präsident der Deutschen Bundesbank, und Rolf-E. Breuer, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), schließt sich Wolfgang Gerke, Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg, an.

vwd FRANKFURT. Der Bankenprofessor am Mittwoch: "Wir haben eine echte Ertragskrise, und zwar durch alle Kreditsektoren hindurch, und die ist so scharf, dass daraus auch Strukturveränderungen resultieren. Aber eine Bankenkrise im eigentlichen Sinne, wo man sagen müsste, hier ist eine ganze Branche gefährdet, das haben wir nicht, und das dürfen wir auch nicht herbeireden, das wäre unverantwortlich." Wenn man sich umhöre, so Gerke im Gespräch, dann sehe man schnell, dass hier übertrieben werde.

"Manchmal hat man fast den Eindruck, da will jemand zum Beispiel die Commerzbank kaputt machen", sagte Gerke. "Ich kenne die Internas nicht. Aber selbst wenn ein Institut in eine solche Schieflage geraten würde, würde das deutsche Kreditgewerbe sicherlich in der Lage sein, eine Auffangkonstruktion zu kreieren." In diesem Sinne habe Deutschland keine Bankenkrise, Vergleiche mit Japan seien unangebracht. Japan habe eine Bankenkrise, die aus einer extremen Überbewertung im Immobliensektor entstanden sei. Dennoch warnt Gerke vor einer Unterschätzung der Risiken: "Man soll das Problem nicht herunter spielen. Aber das Wort 'Bankenkrise' sollte man doch vorsichtiger in den Mund nehmen."

Nach der Analyse von Gerke hat die Ertragskrise in der deutschen Kreditwirtschaft, die zur Strukturkrise werde, unterschiedliche Ursachen bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken und bei den Großbanken bzw. bei der Commerzbank. "Die Commerzbank hat ein zu großes Rad im internationalen Bereich zu drehen versucht, das war einfach zu aufwendig," sagte Gerke. "Alle Banken haben zu große Kosten im Zweigstellenbereich. Dazu kommen sehr wohl Überkapazitäten im Investmentbanking, das zu hoch eingeschätzt worden war, jetzt zeigt sich, dass diese Sparte ein sehr zyklisches Geschäft ist."

Grundsätzlich hätten die deutschen Kreditinstitute in guten Zeiten nicht auf die entsprechenden Returns on Equity geachtet, sondern zu sehr auf das Bilanzsummenwachstums als auf die Rentabilität geschaut. "Und in den schlechten Zeiten wie jetzt, rächt sich das dramatisch," unterstrich Gerke. Angesprochen auf die tief gedrückten Kurse der deutschen Bankaktien sagte Gerke: "Kaufkurse" falle da sofort als Antwort ein, aber das sei nicht sein Geschäft, sondern das der Analysten. Aber man habe doch den Eindruck, dass die Finanztitel inzwischen so "heruntergeprügelt" worden seien, dass ein Teilnehmer mit einem langen Atem einen Kauf überlegen könnte.

Und warum sind die Aktienkurse an der deutschen Börsen mit dem Dax stärker von der Baisse getroffen als die amerikanische Börse? Darauf antwortet Gerke: "Das hängt damit zusammen, dass die Amerikaner von einer kriegerischen Auseinandersetzung eher profitieren, während wir Europäer die großen Verlierer wären."

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