Ertragsniveau von 1999 in weiter Ferne
Daimler stellt Geduld der Anleger auf die Probe

Wer Daimler-Chrysler-Aktien besitzt, muss langen Atem beweisen. 2001 fallen rote Zahlen an. Erst 2003 wird der Stuttgarter Automobilkonzern wieder die Kosten für das eingesetzte Kapital verdienen.

weg STUTTGART. An Hand von "Meilensteinen" sollen Anleger die Fortschritte bei der Sanierung von Chrysler und das damit verbundene Wiedererstarken des Daimler-Chrysler-Konzerns überprüfen können. "Es ist einmalig, dass sich ein Vorstand mit präzisen Prognosen festlegt", sagte Konzernchef Jürgen Schrempp bei der Vorlage der Bilanz in Stuttgart. Der Weg zurück zur alten Ertragsstärke ist weit für die Daimler-Chrysler AG. 2001 wird der Konzern mit Sicherheit rote Zahlen ausweisen.

Finanzchef Manfred Gentz rechnet mit 1,2 bis 1,7 Mrd. Euro Verlust. Erst 2003 wird der Konzern seine Kapitalkosten wieder verdienen. Er prognostizierte einen Umsatz von rund 140 Mrd. Euro, ein Minus von 13 %. Wesentlicher Grund ist die Ausgliederung weiterer Unternehmensaktivitäten. Auf Bilanzpräsentation und Ausblick reagierte die Aktie gestern mit mäßigen Kursabschlägen und notierte nachmittags um 51,80 Euro.

Selbstkritisch nannte Schrempp es "keine gute Leistung", dass der Aktienkurs heute 17 % niedriger liegt als der Kurs der Daimler-Benz-Aktie im Mai 1998 kurz vor der Fusion mit Chrysler.

Die US-Sparte wird nach den Kalkulationen von Chrysler-Chef Dieter Zetsche zwischen 2,2 Mrd. und 2,6 Mrd. Euro Verlust machen. Hinzu kommen die Kosten der Sanierung. Sie werden mit bis zu 4 Mrd. Euro beziffert. 3 Mrd. davon fallen laut Zetsche 2001 an und werden im ersten Quartal verbucht.

Trotz voraussichtlich steigender Umsatz- und Ertragszahlen bei Mercedes-Benz Personenwagen wird der Gewinn dieser Sparte die Belastungen aus der Chrysler-Sanierung nicht ausgleichen können. Die Sanierung der japanischen Beteiligung Mitsubishi Motors Corporation (MMC) wird Daimler-Chrysler zusätzlich mit 400 Mill. Euro belasten. Der Konzern hält seit vergangenem Jahr 34 % an MMC und muss die Kosten der Sanierung anteilig tragen.

Der geplante Personalabbau von 26 000 Stellen, die vorübergehende Schließung von sechs Autofabriken und Preissenkungen der Lieferanten sollen die Kosten bei Chrysler noch in diesem Jahr um 3,3 Mrd. Euro drücken. Den Unternehmensplänen zufolge sollen sie 2002 um über 5,2 Mrd. Euro gesenkt werden. Im Jahr darauf sind Kostensenkungen um 7,2 Mrd. Euro geplant.

Ab dem ersten Quartal 2002 wird Chrysler nach Zetsches Worten wieder schwarze Zahlen schreiben und 2003 eine Umsatzrendite von 4 % erwirtschaften. Langfristig ist für die US-Sparte eine Umsatzrendite von 5 % geplant. 1999, als Chrysler mit 5 Mrd. Euro die Hälfte des Konzern- Betriebsergebnisses beisteuerte, betrug die Umsatzrendite jedoch 8 %.

Den Kalkulationen für die Chrysler-Sanierung liegt die Annahme zu Grunde, dass sich der Automobilabsatz in den USA in den nächsten Jahren bei 16 Millionen Fahrzeugen pro Jahr stabilisiert. Schrempp gestand ein, dass diese Annahme nicht ohne Risiko sei. "Hier gehen die Meinungen weit auseinander." Im vergangenen Jahr war mit 17,4 Millionen verkauften Fahrzeugen ein Rekord erreicht worden. Chrysler-Chef Zetsche rechnet außerdem mit leicht sinkenden Autopreisen. Wenn die US-Konjunktur allerdings drastisch einbreche, könne der Preisdruck weiter zunehmen, was die Situation für Chrysler noch schwieriger machen würde. Daimler-Chrysler rechnet für 2001 mit einem stabilen Euro-Dollar-Verhältnis. In den kommenden Jahren werde sich der Euro allerdings festigen, sagte Finanzchef Manfred Gentz.

Keine Details nannte das Unternehmen zur geplanten engeren Zusammenarbeit zwischen Chrysler und MMC. Der japanische Hersteller soll sich auf die Entwicklung von Kleinwagen, Chrysler auf die Entwicklung von Mittelklassefahrzeugen konzentrieren. Zetsche sagte nur, bis einschließlich 2003 kämen keine Fahrzeuge aus dieser Zusammenarbeit auf den Markt. Ungewöhnlich detailliert legte Daimler-Chrysler seine mittelfristige Planung bis 2003 dar. Danach soll der Gesamtkonzern 2002 zwischen 5,5 Mrd. und 6,5 Mrd. Euro verdienen. Das ist etwas mehr als im abgelaufenen Jahr. 2003 soll der Betriebsgewinn dann zwischen 8,5 Mrd. und 9,5 Mrd. Euro betragen. Man wolle 2003 wieder ein "beachtliches Ertragsniveau erreichen", sagte Schrempp. Der geplante Wert liegt aber deutlich unter dem Ergebnis vom 11 Mrd. Euro, das 1999 erreicht wurde.

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