Ertragssaison – was bringt sie und wer glaubt’s?
Wall Street: Der Wochen-Ausblick

Es wird wohl Jahre dauern, bevor Anleger der Wall Street wieder trauen. Was das für die Ertragssaison bedeutet, die bereits in der vergangenen Woche ihre Schatten geworfen hat, ist schwer einzuschätzen. Zahlen aus dem konjunkturellen Umfeld gibt es auch, doch dürften die angesichts einer Flut von Unternehmensdaten (und Skandalen) wohl keine große Beachtung finden.

wsc NEW YORK. Den Grund für die anhaltend sinkenden Aktienkurse bringt Irwin Kellner auf einen schlichten Punkt: "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht." Kellner ist Wirtschafts-Professor an der New Yorker Hofstra-Universität, und er glaubt, dass es Jahre dauern wird, bis Anleger der Wall Street wieder vertrauen. "Es vergeht ja kaum ein Tag, an dem nicht ein Unternehmen schuldig gesprochen und gegen ein anderes ermittelt wird", sagt er. "Mittlerweile glauben Anleger nicht einmal den Unternehmen, die saubere Bilanzen vorlegen."

Was das für die Ertragssaison bedeutet, die bereits in der vergangenen Woche ihre Schatten geworfen hat, ist schwer einzuschätzen. Alcoa und General Electric haben die Runde für die Blue Chips ja bereits eröffnet, und mit letzterem meldete auch einer der riskantesten Dow-Komponenten. Das Unternehmen, das in 20 Jahren unter dem legendären CEO Jack Welch fast 1000 Akquisitionen getätigt hat, ist eben aufgrund dieser Diversifizierung in Ungnade gefallen. "GE steht ständig unter Verdacht, allein weil der Konzern so groß ist", sagt Jeff Graff, Analyst bei Victory Capital Management, nach den Bilanzskandalen bei Konglomeraten. Dennoch: Die guten Quartalen und ein optimistischer Ausblick ließen den GE-Kurs klettern.

Das heißt indes nicht viel für die 13 Dow-Komponenten, die in der kommenden Woche melden. Zahlen gibt es am Dienstag von Caterpillar, General Motors, Intel und Johnson & Johnson, am Mittwoch von Citigroup, Coca-Cola, IBM, JP Morgan und United Technologies, am Donnerstag von Boeing, Microsoft und Philip Morris und am Freitag von Merck. Dazu melden zahlreiche Airlines (Continental, Delta, United, ...) und einige Tech-Schwergewichte wie Apple, AMD, EMC, Ebay, Gateway oder Sun Microsystems.

Zahlen aus dem konjunkturellen Umfeld gibt es auch, doch dürften die angesichts einer Flut von Unternehmensdaten (und Skandalen) wohl keine große Beachtung finden, zumal außer einem Einblick in Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung nicht viel geboten ist.

Dafür wird sich Alan Greenspan zu Wort melden. Der Fed-Chef erstattet seinen Bericht zur konjunkturellen Lage der Nation. Experten fürchten im Vorfeld, dass Greenspan die Problematik des Marktes ausschließlich von der monetären Seite angeht und das Politikum einer immer tiefer werdenden Vertrauenskrise außerhalb seiner Betrachtung lässt.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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