Erwarteter Karriereschub bleibt auf Grund von Reintegrationsproblemen nicht selten aus
Auslandsrückkehrer landen oft sehr hart

Auf Auslandskräfte wartet selten ein herzliches Willkommen, wenn sie nach Deutschland zurückkehren.

DÜSSELDORF. Das "Starre, Beengte, Bürokratische" sei ihr nach drei Jahren in London an Deutschland besonders übel aufgestoßen, erzählt Werbeprofi Kirsten Otte (34) nach ihrer Rückkehr. "Der Umgang mit Vorgesetzten, Kollegen und Geschäftspartnern ist in England viel unkomplizierter als in Deutschland." Man sei viel schneller beim ,Du?; am Freitagabend ist es gang und gäbe, dass alle Kollegen und der Chef miteinander ins Pub gehen und dort das Wochenende einläuten.

So kann man in entspannter Atmosphäre miteinander reden - in Deutschland ist dies nach Ottes Erfahrung undenkbar. Ähnlich unkompliziert und unbürokratisch gehe es auch im Job zu: Anstellungsverträge können kurzfristig geändert werden, wenn jemand mehr Geld oder Urlaub haben möchte. Vieles sei Verhandlungssache - in Deutschland hat man insofern zwar mehr Sicherheit, vieles ist aber auch bürokratischer und starrer. "Das habe ich nach meiner Rückkehr nach Frankfurt als sehr belastend empfunden. Vielleicht gehe ich eines Tages nach England zurück", klagt Otte.

"Reverse Culture Shock"

"Reverse Culture Shock" nennen Experten das irritierende Gefühl von Fremdheit, das Auslandsrückkehrer wie Kirsten Otte befallen kann. Die Heimat kommt ihnen fremd vor, im Unternehmen interessiert sich niemand für die Erfahrungen, die sie im Ausland gemacht haben, und der erwartete Karriereschub bleibt oft aus, weil die Kontakte in der Firma fehlen. Im Ausland konnte man selbstständig arbeiten, hatte eine übergeordnete Position; hier ist man nur einer von vielen im Team, an Hierarchien und die Einhaltung von Dienstwegen gebunden.

"Als Faustregel gilt: Wer nicht länger als fünf Jahre weg ist, kommt hier später meistens wieder ganz gut zurecht; wer gleich nach dem Hochschulabschluss ins Ausland geht und noch nie in Deutschland gearbeitet hat, sollte besser nach drei Jahren zurückkommen", sagt Angela Griem. Die Beraterin beim Hamburger Arbeitsamt des European Employment Service weiß aus Erfahrung: "Arbeitgeber haben oft Vorbehalte, jemanden einzustellen, der lange im Ausland war."

Auslandsaufenthalt ist Pflicht

Dabei gelten längere Aufenthalte im Ausland heute mehr denn je als wichtige Stufe auf dem Karrieretreppchen: "Auslandsaufenthalte und Mitarbeit in internationalen Teams sind eine wichtige Voraussetzung für die persönliche Weiterentwicklung. Ein Auslandsaufenthalt bei einer unserer 350 Konzerngesellschaften ist für mindestens zwei bis drei Jahre erstrebenswert", berichtet Elke Ickenstein, Sprecherin der Unternehmenspolitik beim Chemieriesen Bayer. Ähnlich sieht man das auch beim Wettbewerber BASF: "Die Auslandserfahrung ist im Rahmen der Internationalisierung und Globalisierung nicht selten Voraussetzung für die Übernahme einer Managementfunktion", heißt es in einer Verlautbarung des Konzerns. "Rund ein Drittel derjenigen, die für BASF einige Jahre im Ausland tätig waren, sind Kandidaten für spätere Führungsaufgaben innerhalb des Unternehmens. Bei der Besetzung dieser Stellen werden in der Regel bei gleicher Qualifikation Mitarbeiter mit Auslandserfahrung bevorzugt."

Ohne eine gute Vorbereitung ist der Erfolg einer Auslandsentsendung aber fraglich. Bei BASF beispielsweise stehen Sprachunterricht und interkulturelles Training für Mitarbeiter und den mitreisenden Partner auf dem Stundenplan; eine Informationsreise an den Einsatzort gehört ebenso selbstverständlich zur Vorbereitung wie die Vermittlung von Kontakten zu anderen Deutschen dort.

Um seelische Probleme kümmern sich die wenigsten Arbeitgeber

"Mindestens ebenso wichtig wie die Vorbereitung aufs Ausland ist auch eine gute Vorbereitung auf die Rückkehr", meint Gerolf Augustin vom Deutschen Entwicklungsdienst, der selbst Workshops und Seminare für heimgekehrte Ingenieure im Entwicklungsdienst veranstaltet. Was einige Entwicklungshilfeorganisationen und Kirchen vorbildlich leisten, sieht bei vielen Firmen eher mager aus: Sie bieten zwar einen Relocation-Service für ihre Mitarbeiter an, der sich um praktische Dinge wie Umzug, Behördengänge, Schulanmeldungen und ähnliches kümmert - nur wenige aber nehmen sich der seelischen Probleme an, etwa in Seminaren oder Gesprächskreisen, in denen die Rückkehrer über das sprechen können, was sie bewegt.

Beim Elektronikkonzern Siemens werden die Rückkehrer in Workshops angehalten, intensiv über ihre Erfahrungen zu reflektieren und zu überlegen, was der Auslandseinsatz gebracht hat. Bei BASF wird mit den Mitarbeitern bereits vor Beginn des Auslandsaufenthaltes vereinbart, welche Funktionen sie nach der Rückkehr erhalten. Bei der Robert Bosch GmbH in Stuttgart werden die Rückkehrer mit ihren Partnern zu Workshops eingeladen. Dort können sie sich mit anderen Rückkehrern austauschen.

Schlechte Erfahrungen mit der Reintegration sprechen sich schnell herum

Während der Workshops finden auch Gespräche mit Personalreferenten statt, die sich so ein Bild darüber machen können, wie sich die Kollegen im Ausland entwickelt haben und wie sie optimal einsetzbar sind. "Schon vor der Entsendung überlegen wir, wie der Auslandsaufenthalt nach der Rückkehr nachbereitet werden kann", berichtet Karla Eubel-Kasper, die bei Bosch für Weiterbildung und Führungskräfteentwicklung im Rahmen der Internationalisierung zuständig ist.

"Ein wichtiger Grund für unsere Bemühungen sind die hohen Kosten der Auslandsentsendungen, die sich bezahlt machen sollen. Wir wollen einen auslandserfahrenen Mitarbeiter nicht verlieren", meint Eubel-Kasper. Hinzu kommt: Schlechte Erfahrungen bei der Reintegration sprechen sich in einem großen Unternehmen schnell herum und wirken sich fatal auf die Mobilität der Belegschaft aus.

Mitarbeiter, die im Ausland waren, können sich daher bei dem Stuttgarter Unternehmen intern zum internationalen Berater weiterbilden. Über einen Pool im Intranet des Unternehmens kann sich jede Abteilung darüber informieren, was Auslandsrückkehrer an Erfahrung und Kompetenz im Reisegepäck haben. Auslandserfahrene Leute können so ihr Wissen über fremde Länder und Märkte innerhalb des Unternehmens an künftige Weltenbummler weitergeben.

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