Erwartungen an das mobile Internet per Wap werden nicht erfüllt
Surfen per Handy ist mühsam und teuer

Wer gedacht hat, dass er mit dem Mobiltelefon im Internet surfen und schnell eine Information aus dem Netz laden kann, wurde enttäuscht. Wap ist nicht vergleichbar mit dem Internet am PC. Über das Wap-Handy können unterwegs nur einzelne Informationshäppchen empfangen werden.

HB STUTTGART. Der Bremerhavener Informatikprofessor Edgar Einemann ist enttäuscht: "Wap ist ein Flop", lautet sein Urteil über die momentanen Möglichkeiten per Mobiltelefon auf Inhalte aus dem Internet zuzugreifen. Er schränkt allerdings ein: "Die Idee hat durchaus Zukunft. Der mobile Surfer wird sich in fünf Jahren wohl genauso wenig an das Wap des Jahres 2000 erinnern, wie man heute noch an das Unix-basierte Internet ohne Browser denkt."

Der heutige Stand bei Wap sei eher bescheiden: das Angebot an Wap-Seiten äußerst knapp, die Datenraten zu niedrig, Display und Tastatur auf den Handys zu klein und die Kosten zu hoch. Interaktivität und Interoperabilität ließen ebenfalls zu wünschen übrig. Hinzu kommen Probleme bei der praktischen Nutzung. "Voraussetzungen sind Gameboy-trainierte Augen und SMS-geschulte Finger sowie Frustrationstoleranz bei Systemabstürzen", so Einemann.

Schon die Konfiguration des Handys bereitet Probleme. Ist der Internetzugang nicht vom Mobilfunk-Provider voreingestellt, haben normale Nutzer kaum eine Chance diesen selbst einzurichten. Beim Handy-Surfen selbst rauben umständliche Adresseingabe und nicht erreichbare Server Nerven und Geld. "Wenn es am Ende doch gelingt eine Seite anzuwählen, führen Antwortzeiten oder Eingabeaufforderungen häufig zu einem Zeitbedarf, der die Sinnhaftigkeit der ganzen Aktion stark in Zweifel zieht", kritisiert der Wissenschaftler.

Ein weiterer Grund für die geringe Begeisterung der Handybesitzer sind die vollmundigen Ankündigungen in den Werbeanzeigen,die mit der Realität nichts zu tun haben. Das "Web für die Westentasche" wurde versprochen, bekommen haben die mobilen Surfer ein textlastiges Mäusekino. "Eine grobe Irreführung", wettert Einemann. Auch Helmut an de Meulen, Geschäftsführer des Dortmunder Wap-Softwarehauses Materna muss einräumen, dass "in den Werbekampagnen falsche Erwartungen geweckt wurden".

Die Reaktion der Nutzer: Sie schreiben so viel SMS-Kurznachrichten wie nie, wie IDC-Marktbeobachterin Michele Mackenzie festgestellt hat. Nach Einschätzung der Marktforschungsunternehmens wird es nächstes Jahr in Europa 82,3 Millionen SMS-Nutzer geben, aber nur 17,8 Millionen Wap-Anwender. Die Kurznachrichten würden den Mobilfunkanbietern einen Umsatz von 5 Mrd. $ bescheren, mit Wap setzten sie dagegen nur 766 Mill. $ um, so IDC.

"Die junge Generation nutzt längst die Vorteile von SMS", erklärt Günter Hupe, Geschäftsführer der Telekom-Tochter Itenos. "Es ist daher nur konsequent, wenn das Potenzial des Dienstes auch im professionellen Bereich erschlossen wird." Die Ideen sind vielfältig: Kfz-Werkstätten können über abholbereite Autos informieren, Speditionen Fahrzeuge disponieren oder Firmen ihre Außendienstmitarbeiter via SMS informieren. Nach Berechnungen des Berliner SMS-Dienstleisters Bluetel könnte die deutsche Wirtschaft durch konsequente Nutzung von Handy-Kurznachrichten bis zu 2,3 Mrd. DM pro Monat sparen.

Manche sprechen im Zusammenhang mit SMS sogar schon vom "Wap des einfachen Mannes". Infos per SMS böten den gleichen Service wie über Wap - nur billiger und schneller, behauptet der Mobilexperte Sverre Pedersen vom norwegischen Telecomunternehmen Telenor, die bereits Dienste wie Kinoprogramm, Nachrichten und Wettervorhersage via SMS vertreiben.

Die israelische GoSMS hat sogar eine Technik entwickelt, mit der man beliebige Web-Infos per Kurznachricht am Handy abrufen kann und die irische Xiam hat einen mobilen Informationsrouter im Angebot, der Unternehmensmitarbeiter per SMS unterwegs mit wichtigen Intranet-Infos versorgt.

Die SMS-Technik hinkt zwar in Sachen Interaktivität Wap hinterher, bietet aber im Moment noch einen großen Vorteil. Sie kann per Push-Dienst automatisch Informationen verteilen. Mit Wap kann man zwar beispielsweise Börsenkurse abrufen - eine automatische Benachrichtigung, wenn der Kurs einen bestimmten Wert über- oder unterscheidet, ist damit jedoch nicht möglich.

"Außerdem fehlen Push-Dienste, die beispielsweise eingegangene Mails direkt aufs Handy weiterleiten", ergänzt an de Meulen. Der Materna-Chef setzt wie viele andere große Hoffnungen auf die nächste Wap-Version 1.2 und vor allem die neue Pakettechnik GPRS, mit der Wap-Nutzer immer online und damit ständig erreichbar sind. Damit entfällt auch das zeitraubende Einwählen.

Von Vorteil sei außerdem, dass mit GPRS das Handy-Surfen nicht mehr per Minute, sondern volumenabhängig pro übertragener Datenmenge abgerechnet wird. Wie hoch der Preis pro Kilobyte jedoch sein wird, darüber halten sich die Telekom, Mannesmann und Co. noch bedeckt. "Der einzelne Vorgang wird aber in jedem Fall günstiger", ist sich der Dortmunder Mobilfunkexperte sicher.

Mehr zum Thema Mobile Business im Mobile-Special von Handelsblatt.com

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%