Erwartungen beim Passagieraufkommen nicht erfüllt
Deutsche Bahn erwägt Änderungen am Preissystem

Die Deutsche Bahn AG hat Änderungen an ihrem umstrittenen Preissystem vor Ablauf des Jahres in Betracht gezogen. Man brauche zwar eine solide Zahlenbasis für eine Analyse. "Wenn wir aber eher schlau werden, werden wir auch eher etwas ändern", sagte Bahn-Marketing Vorstand Hans-Gustav Koch am Montag bei einer Anhörung des Bundestags-Ausschusses für Verbraucherschutz zum öffentlichen Personenverkehr.

Reuters/zel BERLIN. Koch räumte ein, dass sich die Erwartungen der Bahn bei der Verkehrsentwicklung bislang nicht erfüllt hätten, was aber auch auf die schwache Konjunktur und das Wetter zurückzuführen sei. Kritisch äußerte er sich zu Forderungen nach erweiterten Fahrgastrechten, die etwa die Grünen gesetzlich festschreiben wollten. Für viele Verspätungen sei die Bahn selbst nicht verantwortlich zu machen. Mehr Verbraucherschutz führe zu höheren Preisen. Es sei "unabdingbar, die Haftung der Eisenbahn für Verspätung, Zugausfall oder Anschlussversäumnis auszuschließen", schrieb die Bahn in einer Stellungnahme für den Ausschuss.

Allein durch etwa 1 000 Selbstmorde jährlich auf Bahn-Gleisen komme es zu Verzögerungen, die man der Bahn nicht anlasten könne. Zudem habe man in den Beförderungsbedingungen weit reichende Kundenrechte etwa bei Verspätungen oder Zugausfall festgeschrieben. Sollten allerdings Vorschläge der EU-Kommission für Verspätungs-Entschädigungen Gesetzeskraft erhalten, würde dies für die Bahn Mehrkosten von mehr als 50 Mill. Euro pro Jahr bedeuten. Der Aufwand müsste an die Kunden weitergegeben werden. Sollten etwa Folgeschäden wie ein verpasster Opernabend ebenfalls ersetzt werden müssen, sei mit Mehrkosten von fast 400 Mill. Euro zu rechnen. Die EU in Brüssel hatte sich für Entschädigungsregeln stark gemacht, die denen von Flugreisen ähnlich sind.

Die Bahn AG lehnt auch eine Änderung ihrer mit dem Preissystem verbundenen Stornogebühren ab, die von Vebraucher- und Verkehrsverbänden besonders energisch gefordert wird. Die Grünen wollen die Storno-Gebühren mit ihrer Gesetzesinitiative durch eine moderate Service-Pauschale ersetzen. Die Bahn argumentierte, bei geringen Stornogebühren könnten Geschäftemacher nahezu risikolos ganze Billig-Kontingente in den Zügen aufkaufen.

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