Erwartungen der Analysten verfehlt
Gewinne von ProSiebenSat.1 sind eingebrochen

Inmitten der Kirch-Krise hat das hauseigene Zugpferd, der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 Media AG, im ersten Quartal 2002 einen massiven Gewinneinbruch erlitten. Mit einer Markterholung rechnet das Unternehmen wegen der Werbeflaute erst Ende des Jahres.

Reuters MÜNCHEN. "Das schwache Marktumfeld hat auf unsere Geschäftsentwicklung durchgeschlagen", sagte Vorstandschef Urs Rohner am Montag in München. Das Konzernergebnis vor Steuern brach um mehr als zwei Drittel auf 8,5 (Vorjahr: 28,6) Millionen Euro ein. Auch der Umsatz der Familie der vier Sender ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24 ging in den ersten drei Monaten auf 489,3 (513,7) Millionen Euro zurück.

Baldige Besserung sei nicht in Sicht, hieß es. "Bestenfalls wird der Fernsehwerbemarkt am Ende des Jahres ein Nullwachstum aufweisen, schlimmstenfalls kann es ein Minus von bis zu fünf Prozent geben", sagte Rohner, womit er Äußerungen aus einem Reuters-Interview von vergangener Woche bekräftigte. Erst im vierten Quartal werde sich der Werbemarkt deutlich erholen. Das Ergebnis vor Steuern werde voraussichtlich nur Vorjahresniveau erreichen. Die Senderfamilie hoffe auf die Fußball-WM in Japan und Südkorea, die im Juni 30 Prozent zusätzlichen Umsatz bescheren werde.

Weitere Einsparungen geplant

Die wichtigsten Sender Sat.1 und ProSieben erlitten den Angaben zufolge starke Ergebnisrückgänge. Der Vorsteuerverlust von Sat.1 verdoppelte sich in den ersten drei Monaten auf 40,8 (22) Millionen Euro. Bei ProSieben sank das Vorsteuerergebnis auf 68,7 nach 76,8 Millionen Euro im Vorjahr. Trotzdem hätten die TV-Sender besser als der Markt abgeschnitten und ihren Anteil an den Brutto-Werbeinvestitionen um zwei Prozent auf 47 Prozent gesteigert, teilte das Unternehmen weiter mit. Der Fernsehwerbemarkt sei insgesamt um 6,7 Prozent gesunken.

Der Konzern kündigte weitere Einsparungen ein. Marketing- und Programmkosten sowie alle weiteren Aktivitäten würden überprüft, hieß es. Rohner sagte in einer Telefonkonferenz, die Zahl der Mitarbeiter 2002 werde wie im Vorjahr um etwa acht Prozent sinken. Er trat aber Spekulationen entgegen, der defizitäre Nachrichtenkanal N24 stehe zum Verkauf. Anfangsverluste müssten in Kauf genommen werden, um den Sender zu positionieren. N24 habe im ersten Quartal seinen Fehlbetrag vor Steuern dank gestiegener Reichweite auf 6,9 (minus 7,7) Millionen Euro verringert, teilte das Unternehmen mit. Der Umsatz sei um 158 Prozent auf 24,8 Millionen Euro gestiegen.

"Kein Einfluss der Kirch-Pleite"

Die Insolvenz der Muttergesellschaft, dem Kirch-Kerngeschäft KirchMedia, habe keinen direkten Einfluss auf die ProSiebenSat.1-Gruppe, bekräftigte das Unternehmen. "Die KirchMedia ist unser wichtigster, aber bei weitem nicht unser einziger Programmlieferant", betonte Rohner. Der Bedarf an Spielfilmen sei für dieses Jahr vollständig und für 2003 bereits zu 86 Prozent gedeckt. Die Entwicklung bei KirchMedia habe auch keine Auswirkung auf die Pläne, die Vorzugsaktien in die von internationalen Investoren bevorzugten Stammaktien umzuwandeln. Der Fernsehkonzern ist der profitabelste Bereich der zusammengebrochenen Kirch-Gruppe.

Analysten werteten die Quartalszahlen als Beleg dafür, dass auf dem schwierigen Werbemarkt noch keine Trendwende in Sicht sei. Ob die Fußball-WM die Ertragslage verbessere, bleibe abzuwarten, weil die Veranstaltung mit Kosten verbunden sei, sagte Oliver Rupprecht von M.M. Warburg. Das Ziel, ein Vorsteuerergebnis auf Vorjahresniveau zu erreichen, setze voraus, dass sich der Markt im vierten Quartal deutlich bessere.

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