Erwartungen deutlich zurück gestuft
Elektronikindustrie leidet unter Spannungsverlust

Die deutsche Elektroindustrie wird nach Angaben ihres Branchenverbandes ZVEI angesichts der spürbaren internationalen Konjunkturflaute im laufenden Jahr deutlich niedrigere Wachstumsraten aufweisen als zuvor erwartet.

rtr FRANKFURT. Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) hat am Montag in Frankfurt seine Umsatzprognose für 2001 deutlich nach unten korrigiert und rechnet nunmehr mit einem Erlöszuwachs von 2,2 % statt mit rund sechs Prozent wie in früheren Schätzungen. Allerdings werde sich die Branche in der zweiten Hälfte kommenden Jahres wahrscheinlich wieder etwas erholen und damit 2002 insgesamt ein leicht positive Ergebnis erzielen. Die Zahl der Beschäftigten könne aus heutiger Sicht stabil bleiben. Zur Belebung der Branche wurde vom ZVEI eine "Agenda für mehr Wachstum" gefordert.

Insgesamt rechnet der ZVEI nach eigenen Angaben für das laufende Jahr inzwischen mit einem Branchenumsatz von 325 Mrd. DM. In den neuen Vorhersagen seien die Ereignisse des 11. September und deren Auswirkungen auf die Branche noch nicht eingearbeitet, sagte ZVEI-Präsident Dietmar Harting. Deutlich abgekühlt hätten sich die Geschäfte im dritten Quartal, wo die Gesamtbranche erstmals seit mehr als fünf Jahren rückläufige Umsätze verbucht habe. Zusehends geringer fielen auch die Auslandsaufträge aus, die von Juli bis September um mehr als 14 % gefallen seien. Auch für die kommenden Monate seien geringere Aufträge und Umsätze zu erwarten. Die Zahl der Beschäftigten habe im Sommer mit 887 000 um rund 5000 Mitarbeitern über dem Stand zu Jahresbeginn gelegen.

In den ersten neun Monaten setzte die Elektroindustrie den ZVEI-Angaben zufolge noch 2,5 % mehr um als im Vorjahreszeitraum. Die Auftragseingänge sanken dagegen um gut vier Prozent. Die Kapazitätsauslastung der Betriebe sei zwischen März und September auf 82 % von zuvor 85 % gefallen. Für das kommende Jahr geht der ZVEI von einer zunächst weiter schwachen Entwicklung aus, die zur Jahresmitte jedoch in eine leichte Aufwärtsbewegung übergehen dürfte. Neben einem "Basiseffekt" dürften die internationalen Anstrengungen zur Ankurbelung der Konjunktur ihre Wirkungen zeigen, sagte Harting. Daher gehe er aus heutiger Sicht auch davon aus, das sich die Zahl der Beschäftigten sowohl Ende 2001 als auch im kommenden Jahr auf dem derzeitigen Niveau halten werde.

Wenig erfreut zeigte sich der ZVEI-Präsident über die Entwicklung in der deutschen Elektroindustrie, ohne jedoch - wie zuletzt in anderen Branchen zu beobachten war - ein dramatisches Bild zu malen. Die Elektroindustrie habe sich widerstandsfähig gezeigt, sagte Harting. Schwächer hätten sich in den vergangenen Monaten vor allem die Bereiche Informations- und Kommunikationstechnik sowie die Sparte elektronische Bauelemente gezeigt, ohne deren Rückgänge das Umsatzwachstum deutlich höher liegen würde. Weiter positiv entwickelt hätten sich die Zweige Automatisierungs- und Energietechnik. Die Investitionen der Gesamtbranche würden 2001 immerhin wohl noch mit etwa 15,5 Mrd. DM um acht Prozent über dem Vorjahreswert liegen.

Ungeachtet der verhalten optimistischen Einstellung zur Branchenentwicklung forderte der ZVEI-Chef verschiedene Maßnahmen zur Belebung der Konjunktur und zur Sicherung der Arbeitsplätze. Deutschland sei mittlerweile "Schlusslicht beim Wachstum in der Europäischen Union" und brauche daher eine "Agenda für mehr Wachstum", in deren Rahmen unter anderem der Arbeitsmarkt dereguliert und flexibilisiert werden sollte. Darüber hinaus müsse das deutsche Bildungssystem stärker auf den Bedarf an Fachkräften und Ingenieuren ausgerichtet werden und eine Abwanderung "der besten Köpfe" verhindern. Auch sollten sich die Europäer spätestens im Zuge der Euro-Einführung ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und ihrer Funktion als "Brückenkopf" zwischen Amerika und Mittel- und Osteuropa bewusst werden. Nicht immer nur solle in Europa die Lage der US-Konjunktur als Erklärung für die eigene Entwicklung benutzt werden, sagte Harting.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%