Erwartungen erfüllt
EZB senkt Leitzins um 50 Basispunkte

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen in der Euro-Zone am Donnerstag um 50 Basispunkte gesenkt und damit die Hoffnungen an den Börsen auf einen Schub für die Konjunktur erfüllt.

Reuters FRANKFURT. Der Schlüsselzins für die Refinanzierung der Geschäftsbanken sei auf 2,75 von 3,25 % reduziert worden, teilte die EZB am Donnerstag nach ihrer turnusmäßigen Ratssitzung in Frankfurt mit. Der Leitzins lag nach einer Zinssenkungsrunde im vergangenen Jahr seit November 2001 auf diesem Niveau. Die EZB begründete die Entscheidung vorerst nicht und verwies auf die Pressekonferenz mit EZB-Präsident Wim Duisenberg ab 14.30 Uhr MEZ. An den deutschen und europäischen Börsen weiteten sich die Kursgewinne nach der Zinssenkung deutlich aus, verringerten sich anschließend aber wieder auf die vorherigen Werte. Der Euro bewegte sich kaum und pendelte um die Parität zum $.

Analysten: Wichtiges Vertrauenssignal

Nach vielen deutlichen Signalen von EZB-Vertretern waren Finanzmärkte und Volkswirte zuletzt fest von einer Zinssenkung ausgegangen. Analysten hatten mehrheitlich auch einen Schritt von 50 Basispunkten prognostiziert. "Die Konjunktur kann die Zinssenkung gut gebrauchen. Jetzt bleibt zu hoffen, dass die Inflationsrate nicht wieder steigt", sagte Karsten Junius von der DekaBank. Der Analyst geht davon aus, dass die Notenbank nach diesem kräftigen Schritt vorerst nicht wieder die Zinsen senken wird.

Der große Zinsschritt könnte der angeschlagenen Konjunktur nach Einschätzung von Volkswirten Auftrieb verleihen - vor allem ist es ein dringend notwendiges Vertrauenssignal für die pessimistischen Unternehmen, Verbraucher und Anleger. Der ursprünglich erwartete Konjunkturaufschwung fiel 2002 aus und wird wohl auch 2003 nur allmählich in Gang kommen. So hatte die EU-Kommission zuletzt nicht ausgeschlossen, dass die Wirtschaft der Euro-Zone im ersten Quartal 2003 erstmals seit dem Schlussquartal 2001 wieder leicht schrumpfen könnte.

Wie stark die Zinssenkung der Konjunktur auf die Beine helfen kann, ist unter Volkswirten aber umstritten. Viele argumentieren, die geldpolitische Lockerung helle mehr die trübe Stimmung in der Wirtschaft auf, als die Realwirtschaft selbst zu beflügeln. Ralph Solveen von der Commerzbank sagt dagegen mehr als nur psychologische Effekte voraus: "Den Banken hilft die billigere Refinanzierung, das kann zu besseren Kreditkonditionen führen und die Investitionen anregen." Dies sei aber wegen der verzögerten Wirkung von niedrigen Leitzinsen erst Ende nächsten Jahres sichtbar. An den grundlegenden Strukturproblemen, die das Wachstum vor allem in Deutschland hemmen, könne die Notenbank aber nichts ändern.

Ministerium: Impuls für deutsche Konjunktur

In den vergangenen Wochen hatte es vor allem in Deutschland Forderungen an die EZB gegeben, die Leitzinsen zu senken. Die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone leidet unter dem geringsten Wachstum, weist zugleich aber die niedrigste Inflation im Währungsgebiet auf. Das Bundesfinanzministerium begrüßte die Zinssenkung, die einen zusätzlichen Impuls zur Konjunkturbelebung darstelle. Volkswirte gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft Leitzinsen unter zwei Prozent bräuchte. Doch in anderen Regionen der Euro-Zone wie Griechenland und Spanien sind Wachstum und Inflation viel höher. Spaniens Wirtschaftsminister Rodrigo Rato hatte daher noch am Mittwoch gewarnt, eine Zinssenkung könnte schädlich für den Inflationsausblick seines Landes sein.

"Natürlich kann die Inflation in diesen Ländern jetzt steigen", sagte Commerzbank-Volkswirt Solveen. "Aber die EZB muss auf die gesamte Euro-Zone schauen und nicht auf einzelne Länder." Schon auf seinem Treffen am 7. November hatte der EZB-Rat das Für und Wider einer Zinssenkung intensiv diskutiert, sich aber noch nicht dazu durchringen können. Seither hatten mehrere EZB-Vertreter - darunter zuletzt auch Duisenberg - vorausgesagt, im kommenden Jahr werde Preisstabilität mit Inflationsraten unter zwei Prozent erreicht und damit die Bereitschaft zu niedrigeren Leitzinsen signalisiert.

Ebenso wie den als Schlüsselzins geltenden Mindestbietungssatz beim Zinstender reduzierte die EZB den Zinskorridor für den Geldmarkt um einen halben Prozentpunkt. Die Sätze dafür betragen nun 1,75 (2,25) % für Übernachteinlagen der Banken und 3,75 (4,25) % für Übernachtkredite bei der Zentralbank.

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