Erwartungen über Höhe der Zinssenkungen gehen auseinander
Vor der Fed-Sitzung: Wenig los an der Wall Street

Es ist ein typischer Fed-Tag an der Wall Street. Die Märkte bewegen sich kaum, Handelsvolumen und Volatilität sind bescheiden. Nach drei Tagen der Rally hatten die beiden großen US-Indizes am Dienstag im Minus eröffnet. Zur Mittagsstunde kann der technologie-orientierte Nasdaq Index überraschend ins positive Terrain drehen. Das Tech-Barometer notiert mit einem leichten Plus von 5 Punkten auf 1 799 Punkten. Der Dow Jones Index gibt leicht nach. Er steht mit einem Minus von 17 Punken auf 9 424 Punkten.

NEW YORK. Kurz nach 14 Uhr Ortszeit (20 Uhr MEZ) wird Alan Greenspan die Ergebnisse der Notenbanksitzung bekannt geben. Nach wie vor gehen die Erwartungen der Analysten auseinander. Viele rechnen mit einer Zinssenkung um 50 Basispunkte auf 2,0 Prozent - den niedrigsten Zinsstand seit der Präsidentschaft von John F. Kennedy. Immer mehr Marktbeobachter vermuten allerdings, dass die zehnte Zinssenkung des Jahres geringer ausfallen könnte. Sollten die Währungshüter die Wirtschaftshilfe aus Washington für ausreichend marktstützend halten, könnten sie die Zinsen nur um 25 Basispunkte senken.

Weiter wartet man auf Nachrichten von Microsoft. Am Mittag deutet viel darauf hin, dass sechs Bundesstaaten die außergerichtliche Einigung des Softwareriesen mit dem Justizministerium nicht unterschreiben würden. Microsoft und die US-Regierung hatten sich Mitte der vergangenen Woche auf ein Abkommen geeinigt, doch hatten Wettbewerbshüter "mindestens ein Dutzend Gründe" gesehen, warum sie das Schriftstück nicht unterschreiben sollten. Zur Stunde wird neu verhandelt, eine Entscheidung muss bis zum Abend getroffen sein, ansonsten könnte Microsoft vor Gericht harscher Wind ins Gesicht wehen. Die Aktie handelt mit nur kleinen Schwankungen mal über, mal unter dem Schlusskurs vom Montag.

Auf der Gewinnerseite steht hingegen der Netzwerkgigant Cisco. Der Netzwerkhersteller hat im ersten Quartal des Fiskaljahres 2002 die Gewinnerwartungen von 2 Cents pro Aktie gedoppelt. Der Umsatz konnte gegenüber dem vorherigen Quartal um drei Prozent gesteigert werden. "Wir sind erfreut, angesichts der sehr schwierigen wirtschaftlichen Lage ein Quartalsergebnis mit soliden Auftragseingängen, fortgesetztem Umsatzwachstum und steigenden Marktanteilen vorzulegen", sagte Präsident John Chambers. Cisco gewinnt 2,4 Prozent.

Dafür schwächeln die Mitbewerber. Der Sektor notiert zur Stunde mit einem Plus von einem halben Prozent - sehr wenig verglichen mit den Kletterpartien der letzten Tage. Auch die Kommunikations Chips geben nach: Angesichts der guten Marktposition von Branchenprimus Cisco haben sich die Analysten von Brokerhaus Robertson Stephens kritisch mit Applied Micro, Broadcom und PMC Sierra auseinandergesetzt. Deren Lagerbestände seien hoch, die Absatzchancen begrenzt, warnen sie. Die Papiere verlieren jeweils zwischen drei und fünf Prozent.

Die Bereiche Software und Hardware haben sich zur Mittagsstunde erholt. Am Morgen hatten die Kurse noch unter Gewinnmitnahmen nach der mehrtägigen Rally zu leiden. Sun Microsystems, zuletzt stärkster Performer unter den Big Caps, dreht nach frühen Verlusten ins Plus. Die Analysten von Prudential Securities haben den Hardware-Riesen aufgewertet und das Kursziel der Aktie auf 25 erhöht. Sun notiert zur Stunde mit einem Plus von einem Prozent bei 12,16 Dollar.

Unterstützung für den Dow Jones kommt am Mittag von Philip Morris. Der weltgrößte Tabakkonzern wird in diesem Jahr ein Gewinnwachstum von neun Prozent erreichen. Dies kündigte zumindest der Finanzvorstand auf einer Konferenz in New York an. Die Aktie war im vergangenen Jahr die beste im Dow Jones-Index und hat seit Jahresanfang rund zehn Prozent zugelegt.

Abwärts geht es hingegen für die Aktie von Disney. Am Montag hatte der Entertainmentriese dank des Erfolgs seiner "Monster, Inc." gewinnen können. Die Analysten von Goldman Sachs lassen sich von den einäugigen Glibberwesen aber nicht irritieren - zumal am kommenden Wochenende "Harry Potter" anläuft, womit zunächst einmal Konkurrent AOL Time Warner Millionen verdienen dürfte. Disney sei langfristig nur ein "Marktperformer", sagen die Experten. Die Aktie verliert zur Stunde fast vier Prozent.

Erneut auf dem absteigenden Ast sind die Airlines. Die amerikanischen Fluggesellschaften haben aktuelle Zahlen zur Auslastung vorgelegt. Der CEO von Delta Airlines, Leo Mullin, hat bei einer Analystenkonferenz in Chicago erklärt, eine Erholung zeiche sich nicht vor der zweiten Jahreshälfte 2002 zu erwarten. Dies prophezeien Marktbeobachter dem gesamten Sektor. Delta verliert etwa 2,5 Prozent und ist damit nur wenig stärker als der Branchenindex. Die übrigen Majors wie US Airways, Continental und United Airlines verlieren zwischen vier und acht Prozent an Wert.

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