Erwartungen übertroffen
VW setzt Rekordfahrt fort

Die Volkswagen AG, Wolfsburg, hat mit einem Gewinnanstieg um fast 50 % in den ersten drei Quartalen die Erwartungen des Marktes deutlich übertroffen.

vwd WOLFSBURG. Die Volkswagen AG, Wolfsburg, hat mit einem Gewinnanstieg um fast 50 % in den ersten drei Quartalen die Erwartungen des Marktes deutlich übertroffen. Wie das Unternehmen am Freitag in einem Zwischenbericht mitteilte, erhöhte sich das Ergebnis vor Steuern um 30,4 % auf 4,307 Mrd. DM und nach Steuern auf Grund der gesunkenen Steuerquote um 49,0 % auf 2,238 Mrd. DM. Damit hat VW bereits nahezu das Rekordergebnis des Konzerns aus dem Jahr 1998 von 2,243 Mrd. DM erreicht. Der VW-Kurs zog nach der Veröffentlichung am Vormittag in der Spitze um rund 5,5 % bis auf 56,48 Euro an.

Bei einem Umsatzanstieg im Konzern von 13,9 % auf 125,4 Mrd. DM setzte sich damit der Trend eines deutlich überproportionalen Ergebniswachstums fort. Die Investitionen erhöhten sich den Angaben zufolge um 59,3 % auf 31,6 Mrd. DM und der Cash-Flow um 24,5 % auf 15,8 Mrd. DM. In der AG sei bei einem Umsatzanstieg von 9,4 % auf 63,2 Mrd. DM ein um 20,7 % höheres Ergebnis vor Steuern von 1,97 Mrd. DM erzielt worden. Das Ergebnis nach Steuern habe um 20,8 % auf 731 Mill. DM zugelegt. In ersten Einschätzungen bezeichneten Händler und Analysten die Zahlen als "hervorragend". Der Umsatz habe am oberen Ende der Erwartungen gelegen, das Vorsteuer- und das Nettoergebnis deutlich darüber.



Ertrag von Audi auf Vorjahresniveau

Vor allem die Marke VW-Pkw habe mit einem deutlichen Zuwachs das Konzernergebnis der Volkswagen AG, Wolfsburg, positiv beeinflusst, hieß es weiter. Auch VW-Nutzfahrzeuge sei durch gestiegene Absatzzahlen und positive Wechselkurseffekte eine weitere Ertragsverbesserung gelungen. Die Marke Audi habe dagegen beim Ertrag auf dem hohen Vorjahresniveau gelegen. Seat habe "annähernd" das Gewinnniveau des Vorjahres erreicht, während Skoda ebenfalls einen Ergebniszuwachs habe verzeichnen können.

Entgegen den Erwartungen erwies sich dagegen die Region Südamerika/Afrika weiterhin als defizitär, wenn auch in wesentlich geringerem Ausmaß als im Vorjahr (minus 700 Mill. DM). Die negative Entwicklung in Argentinien wurde durch den positiven Trend in Brasilien und Südafrika offensichtlich nicht in vollem Umfang aufgefangen. VW hat sich auf die Fahnen geschrieben, in diesem Jahr hier eine schwarze Null einzufahren. In der Region Asien/Pazifik sei dagegen ein deutlicher Ergebnisanstieg erzielt worden. Auch in Nordamerika sei durch die gute Absatzentwicklung der hohe Vorjahresgewinn "erheblich" übertroffen worden und bleibe ein wesentlicher Ergebnisträger.

Deutlich erhöht wurde den Angaben zufolge auch die Produktion, und zwar um 5,6 % auf 3,835 Mill. Fahrzeuge. Bei der volumenstärksten Marke VW-Pkw sei die Fertigung um 6,1 % gesteigert worden. Für die Auslieferungen an Kunden erhöhte VW die vor kurzem von Vertriebsvorstand Robert Büchelhofer gemachten Angaben marginal um 0,1 %punkte auf einen Zuwachs von nun 3,1 % auf 3,815 Mill. Einheiten nach oben. Zu diesem Ergebnis hätten alle Produktlinien beigetragen, hieß es. Bei VW-Pkw habe das Plus 1,9 %, bei VW-Nfz 4,1 % und bei Audi 2,0 % betragen.



Entwicklung in deutschen Markt ist negativ

Kräftiger legten dagegen Seat (plus 7,8 %) und Skoda (plus 7,4 %) zu. Rolls-Royce/Bentley erzielte einen Absatzzuwachs von 30 %. Weiterhin deutlich negativ habe sich dagegen der deutsche Markt mit einem Minus für VW von 11,3 % (Markt minus 11,5 %) entwickelt. In West-Europa (ohne Deutschland) sei ein Absatzzuwachs von 3,3 % eingefahren worden. In Nordamerika sei weiterhin der kräftigste Anstieg mit einem Plus von 22,6 % erzielt worden. In der Region Südamerika/Afrika wurde trotz des schwächelnden argentinischen Marktes noch ein Absatzanstieg von 3,6 % eingefahren. Asien/Pazifik konnten den Angaben zufolge mit einem um 10,2 % höheren Verkaufsergebnis aufwarten.

Der Konzern bekräftigte nochmals in dem Quartalsbericht, dass der seit Mitte September laufende Rückkauf eigener Aktien - mittlerweile hat sich der Anteil am Grundkapital auf über fünf Prozent erhöht - auch die Möglichkeit eröffne, die Anteilscheine für Akquisitionen einzusetzen. Seit längerem wird über eine weitere Übernahme oder Beteiligung im Nutzfahrzeugbereich spekuliert.



Der Ausblick für den Verlauf des Gesamtjahres wurde zwar mit der Erwartung eines Rekordergebnisses unverändert beibehalten, allerdings tauchte erstmals der Hinweis auf die Auswirkungen der Europäischen Richtlinie für Altfahrzeuge auf, deren Effekte nicht in der Prognose enthalten seien. Die Höhe der möglichen Kosten wurde allerdings ebenfalls nicht genannt.

Rückstellung wegen Altautorichtlinie

VW wird voraussichtlich noch im laufenden Jahr Rückstellungen für eventuelle Kosten im Zusammenhang mit der Europäischen Richtlinie für Altfahrzeuge bilden. Dies habe der Konzernvorstand am Freitag auf einer Telefonkonferenz mit Analysten durchblicken lassen, sagte Claudia Erdmann von der Hamburgischen Landesbank auf Anfrage. Bislang seien allerdings noch keine Rückstellungen gebildet worden. VW habe allerdings weder über die Höhe der Kosten noch deren steuerlichen Behandlung Angaben machen können. Offenbar hersche eine größere Unsicherheit auch hinsichtlich der bilanztechnischen Gestaltung vor. Die Analystin selbst erklärte, dass sie von einer möglichen Belastung im dreistelligen Millionen-DM-Bereich ausgeht.

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