Erwartungen verschlechtert
Ifo-Geschäftsklimaindex überraschend gesunken

Die deutschen Firmen haben das Geschäftsklima im Juni überraschend schlechter bewertet als im Vormonat. Besonders den Ausblick für die kommenden sechs Monate schätzten die Unternehmer pessimistischer ein. Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, rechnet für die zweite Jahreshälfte dennoch mit einer deutlichen Konjunkturbelebung.

Reuters MÜNCHEN. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland sei im Juni auf 91,3 Punkte gefallen nach einem Stand von revidiert 91,6 im Mai, teilte das Institut am Dienstag in München mit. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem leichten Anstieg auf 91,9 Punkte gerechnet. Analysten zufolge belegen die Daten, dass der Aufschwung bisher nur sehr verhalten ausfällt. Noch spreche aber nichts dagegen, dass die Konjunktur im Laufe des zweiten Halbjahrs an Fahrt gewinnt. Sinn sprach wegen der weiteren konjunkturellen Unsicherheit in Deutschland jedoch vom "Prinzip Hoffnung".

In Ostdeutschland lag der Geschäftsklimaindex mit 99,9 Zählern über seinem Vormonatsstand von 99,4 Punkten. Die Finanzmärkte zeigten zunächst kaum eine Reaktion auf den Rückgang des Geschäftsklimaindexes. Der Euro wurde wie vor Veröffentlichung der Daten knapp über 0,97 Euro gehandelt, am Aktienmarkt setzte sich die Erholung fort.

Erwartungen verschlechtert

Die vom Ifo befragten Unternehmen beurteilten vor allem die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate überraschend pessimistisch mit 104,9 Punkten nach revidiert 106,2 Zählern im Mai. Der Index für die Bewertung der aktuellen Geschäftslage stieg auf 78,3 von revidiert 77,7 im Mai.Entsprechend diesen Zahlen erklärte Sinn: "Der Rückgang resultiert fast ausschließlich aus den nicht mehr ganz so günstigen Erwartungen für die nächsten sechs Monate." Zur Verschlechterung hätten vor allem ungünstige Meldungen aus dem Bauhauptgewerbe, sowie aus dem Groß- und dem Einzelhandel beigetragen. "In dem für die konjunkturelle Entwicklung besonders wichtigen verarbeitenden Gewerbe hat sich dagegen das Geschäftsklima weiter erholt."

Wirtschaftsforscher und die Bundesregierung erwarten eine Konjunkturerholung in diesem Jahr nach dem Abschwung 2001 und ein stärkeres Wachstum im kommenden Jahr.

Die Ifo-Daten belegen Analysten zufolge, dass der konjunkturelle Aufschwung bislang sehr verhalten ausgefallen ist. Andreas Rees von der Hypo-Vereinsbank sprach von einer "Wellblechkonjunktur". Bernd Weidensteiner von der DZ Bank sagte voraus: "Angesichts dieser Zahlen muss man den Aufschwung in Deutschland möglicherweise weiter nach hinten ins zweite Halbjahr verschieben." Aber noch passten die Zahlen in das Bild eines Aufschwungs in der zweiten Jahreshälfte.

Sinn sieht stärkeren Aufschwung in zweitem Halbjahr

"Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass der weltweite Aufschwung auch Deutschland erfasst hat und ab der zweiten Jahreshälfte an Fahrt gewinnen wird", sagte Sinn. Weil das Wachstum bislang noch sehr verhalten ausgefallen sei, herrsche in Deutschland das "Prinzip Hoffnung". Die Auftragseingänge hätten zwar angezogen, würden aber vor allem aus dem Ausland getragen.

Sinn bekräftigte, das Ifo-Institut bleibe im Wesentlichen bei seiner Prognose eines Wirtschaftswachstums von 0,7 % in Deutschland in diesem Jahr. Dabei unterstelle er unter anderem eine restriktive Haushaltspolitik, ein Anstieg des Euro-Kurses auf 1,0 $ und bis zum Jahresende eine Erhöhung der Leitzinsen in der Euro-Zone um 50 Basispunkte. Für 2003 erwartet das Institut ein Wirtschaftswachstum von 2,3 %.

Deutsche Wirtschaft hängt an US-Konjunktur

Eine günstige Entwicklung der US-Konjunktur gilt nach wie vor als entscheidend für einen dynamischen Aufschwung in Deutschland. Die Verschlechterung des Ifo-Geschäftsklimas erklärt Stefan Mütze von der Helaba deswegen auch damit, dass die US-Konjunktur doch nicht die vor einigen Wochen prognostizierte Dynamik entfaltet hat. "Da der Motor in den USA noch nicht richtig angesprungen ist, verschlechtert sich das Klima hier zu Lande. Dennoch bin ich nicht pessimistisch."

Mütze rechnet damit, dass der Aufschwung in den USA zwar an Fahrt gewinnt, gleichzeitig aber holprig sein wird. Sinn äußerte sich wesentlich optimistischer zur US-Konjunktur: "Es kann mittlerweile kein Zweifel mehr bestehen, dass der amerikanische Konjunkturaufschwung mit Kraft begonnen hat.

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