Erwartungen wuerden bereits nach unten korrigiert
Trübe Börsenstimmung beschert Banken schwaches Quartal

Die schlechte Stimmung an den internationalen Börsenplätzen wird den deutschen Banken nach Meinung von Branchenexperten vermutlich ein schwaches erstes Quartal 2001 bescheren.

dpa-afx FRANKFURT. Allein in der vergangenen Woche verzeichnete der Dow Jones mit 821 Punkten den höchsten Punkteeinbruch in seiner über hundertjährigen Geschichte. Auch der technologielastige Nasdaq Composite Index unterschritt erstmals seit Dezember 1998 die 2 000-Punkte-Marke. Beim Dax sah es am Mittwochmittag mit einem Stand von 5 647 Punkten, ein Rückgang von 30 % seit seinem Höchststand von fast 8 000 Punkten im März 2000 - nicht besser aus. Im Rausch der Tiefe auch der Neue Markt. Anfang der Woche rutschte der Index erstmals unter die Marke von 1 600-Zählern. Zur Wochenmitte büßte der Nemax-50 Index rund sieben Prozent auf 1 557 Punkte ein.

Wenn also die Großbanken Ende März oder Anfang April ihre Jahrespressekonferenzen abhalten - bei der Hypo-Vereinsbank am 22. März, bei der Commerzbank am 28. März, bei der Deutschen Bank am 29. März und bei der Dresdner Bank am 5. April - und ihre endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2000 vorlegen, deutet sich bereits das Ende des ersten Quartals 2001 an. Und da wird sich im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres, als sich die Aktienindizes in Schwindel erregende Höhen befanden, bei den Ergebnissen ein Rückgang breit machen.

Banken passen ihre Erwartungen nach unten an

Investmentbanken wie Goldman Sachs und JP Morgan haben bereits auf die ernüchternde Lage an den internationalen Kapitalmärkten reagiert und ihre bisherigen Gewinnprognosen für die deutschen Großbanken für das Geschäftsjahr 2001 nach unten korrigiert. Bei der Deutschen Bank erwarten die Experten von Goldman Sachs nur noch einen Gewinn je Aktie von 4,93 Euro, mehr als 10 % weniger als bisher. Bei der Commerzbank sehen die Analysten im Vergleich einen um 25 % verringerten Gewinn je Aktie von 2,11 Euro. Bei der Dresdner beträgt die Anpassung nach unten sogar 31 % auf 2,88 Euro.

"Besonders danieder liegt das Gewinn bringende Geschäft mit den Aktienneuemissionen", sagte Volker von Krüchten, Analyst bei der BHF-Bank. "Wir haben unsere Gewinnschätzung für die Deutsche Bank auf 5 Euro im laufenden Jahr und auf 6,5 Euro für das Jahr 2002 gesenkt", fügte der Analyst an. In Deutschland gingen in den Monaten Januar bis Februar nur sechs Unternehmen an die Börse, davon vier an den Neuen Markt. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es noch 22 Unternehmen. Im gesamten Jahr 2000 wagten, nach Aussage der Deutschen Börse, 152 Unternehmen den Schritt aufs Parkett, 133 gaben davon ihr Debüt am Wachstumssegment.

Nicht nur die Zahl der Neuemissionen ist rückläufig, auch das gesamte Handelsvolumen ist nach Angaben der Deutschen Börse im Januar 2001 im Vergleich zum Vorjahresmonat von 601 Mrd. Euro auf 497,2 Mrd. Euro um rund 17 % gesunken. Mit 382 Mrd. Euro im Februar des laufenden Jahres fällt das Minus nach den 711,66 Mrd. Euro im gleichen Monat des Vorjahres besonders kräftig aus. Diese Einbußen schlagen durch auf die Ertragslage der Banken bei den Provisionserlösen im Investmentgeschäft. Dadurch bläst vor allen den Online-Brokern ein eisiger Wind ins Gesicht, denn sie sind stärker als ihre größeren Kollegen von der Entwicklung an den Aktienmärkten abhängig. So verlor die ConSors-Aktie am Mittwoch über neun Prozent und notierte mit 23,61 Euro unter dem Emissionspreis vom April 1999, der bei 33 Euro lag. Ähnlich sieht auch die Kursentwicklung der Commerzbank-Tochter Comdirect aus, die im Juni 2000 zu 31 Euro an die Börse kam. Von ihrem Höchststand von 36 Euro ist das Papier auf 10,60 Euro abgerutscht.

Königsdisziplin Investmentbanking leidet deutlich

Auch die so genannte Königsdisziplin des Investmentbanking - das Beratungsgeschäft bei Fusionen und Akquisitionen (M&A) - zeigte sich in den vergangenen Monaten von seiner schwächeren Seite. Das M&A Volumen belief sich in den ersten beiden Monaten diesen Jahres weltweit auf rund 240 Milliarden Dollar, im Vergleich zu rund 686 Milliarden Dollar in den beiden Monaten des Vorjahres, sagten Analysten. Zudem bringen sich knapp ein Jahr vor der von Hans Eichel eingeläuteten Steuerreform, die vom 1. Januar nächsten Jahres an Kapitalgesellschaften den steuerfreien Verkauf von Beteiligungen ermöglichen soll, Marktführer wie Goldman Sachs, Lehman Brothers, Morgan Stanley Dean Witter, UBS Warburg und Merrill Lynch für die Entflechtung der Deutschland AG verstärkt in Position, um sich ein Stück vom M&A-Geschäft abzuschneiden. Der Kuchen der Beratungsmandate, die Bereitstellung von Zwischenfinanzierung und die Betreuung der durch Übernahmen betroffenen Banken wird dadurch für die deutschen Großbanken immer kleiner.

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