Erwartungsgemäße Entscheidung
EZB lässt Leitzinsen unverändert

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen in der Euro-Zone wie erwartet nicht geändert. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Schlüsselzins betrage weiterhin 3,25 %, teilte die EZB am Donnerstag in Frankfurt nach ihren Beratungen mit.

Reuters FRANKFURT. Analysten hatten einhellig noch keine Zinserhöhung erwartet, da die Konjunkturerholung bisher nur zögerlich in Gang kommt und sich ein stärkerer Preisanstieg trotz einiger Risikofaktoren noch nicht abzeichnet. "Es gibt noch keine Notwendigkeit zu Zinserhöhungen, die Geldpolitik ist noch immer ausgeglichen", sagte David Kohl von der Bank Julius Bär. Mit der einsetzenden Konjunkturerholung werde die Gefahr für ein stabiles Preisniveau, das oberste Ziel der EZB, aber wachsen. Deshalb erwartet Kohl wie auch der Bundesverband deutscher Banken höhere Leitzinsen in der Euro-Zone bis zum Jahresende.

Die EZB erläuterte ihren Zinsbeschluss zunächst nicht, ab 14.30 Uhr MESZ wird EZB-Präsident Wim Duisenberg dazu vor der Presse Stellung nehmen. Auch den Zinskorridor für den Geldmarkt ließ die Zentralbank mit 2,25 % für eintägige Einlagen und 4,25 % für Kredite unverändert.

Konjunkturerholung kommt in Gang

Die EZB sei mit den Zinsen im vergangenen Jahr nicht sehr stark heruntergegangen und könne sich deshalb mit einer Umkehr noch Zeit lassen, sagte Kohl. Die Notenbank hatte 2001 die Leitzinsen um 1,5 %punkte ermäßigt, da mit dem Abschwung die Inflationsgefahren gewichen waren. Jüngste Daten aus der Euro-Zone zeigten Kohl zufolge, dass sich die Wirtschaft jetzt erholt. So ergab die Reuters-Umfrage unter Einkaufsmanagern von Industrieunternehmen in der Euro-Zone, dass die Produktion im April erstmals seit mehr als einem Jahr etwas zulegte. Die deutsche Industrie hinkte zwar noch hinterher, doch auch hier meldeten die Betriebe steigende Auftragszahlen.

Der Bundesbankenverband gab am Donnerstag eine etwas optimistischere Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft von rund einem Prozent in diesem Jahr ab. Bisher hatten die Bankvolkswirte einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von weniger als einem Prozent erwartet nach nur 0,6 % Wachstum 2001. Impulse seien von den Exporten zu erwarten, während der Konsum schwach bleiben werde. Für die Euro-Zone sagte der Verband 1,4 % Wachstum 2002 voraus und damit etwa so viel wie 2001. Die EZB geht von einer Wachstumsbeschleunigung auf rund 2,5 % am Jahresende aus. Der Verband erwartet, dass die Notenbank den Schlüsselzins bis dann um bis zu 50 Basispunkte auf 3,75 % und bis Mitte 2003 auf 4,25 % anheben wird.

Für die Verbraucherpreise in der Euro-Zone sagte der Bankenverband für 2002 eine Jahresrate von 2,0 % voraus. Entscheidend für die Inflationsentwicklung ist Volkswirten zufolge der weitere Trend des Ölpreises, der in den vergangenen zwei Monaten stark gestiegen war, und die Höhe der Lohnabschlüsse. Die EZB ging zuletzt weiter davon aus, dass die Jahresteuerungsrate in der Euro-Zone in den kommenden Monaten unter ihre Toleranzgrenze von zwei Prozent sinken wird, allerdings nicht mehr so deutlich wie noch vor einigen Wochen erwartet.

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