Erweiterung bringt kaum Impulse für alte EU-Länder
Erholung im Westen durch USA und Japan

Die Staats- und Regierungschef der 15 EU-Staaten hatten sich das irgendwie anders vorgestellt: Feierlich hatten sie im Frühjahr 2000 in Lissabon gelobt, aus der EU in den nächsten zehn Jahren nichts weniger als den "wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Wirtschaftsraum in der Welt" zu machen - tatsächlich aber hat sich die Wirtschaft in den EU-Ländern seitdem in die genau gegenteilige Richtung entwickelt.

DÜSSELDORF. Statt aufzuholen, ist Europa in den vergangenen drei Jahren im internationalen Vergleich noch weiter zurück gefallen - sogar im Dauerkrisenland Japan ist das Wirtschaftswachstum 2003 mit rund 2,7 % höher als in der EU (0,7 %). Noch größer ist der Abstand zur Konjunktur-Lokomotive USA - im nächsten Jahr werden die USA nach der Prognose der OECD mit 4,2 % mehr als doppelt so schnell wachsen wie die EU (1,9 %).

Allerdings: Die zusammengefassten Wirtschaftszahlen für die 15 bisherigen EU-Länder leiten ein bisschen in die Irre. Denn in Sachen Konjunktur ist die Union bislang alles andere als ein homogenes Gebilde - die Wachstumsunterschiede zwischen den verschiedenen Mitgliedstaaten sind gewaltig.

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Eines ist klar: Aus eigener Kraft kann die EU die Flaute nicht überwinden, sie ist auf fremde Hilfe angewiesen: Nur, weil dank des Aufschwungs in den USA und in Asien die Weltnachfrage steigt, kommt die EU langsam wieder auf Wachstumskurs.

Der Beitritt der zehn neuen Mitgliedstaaten am 1. Mai 2004 wird nach Ansicht von Ökonomen die Wirtschaft in den bisherigen EU-Ländern dagegen kaum in Schwung bringen - obwohl die Beitrittsländer deutlich schneller wachsen. Zwischen 1995 und 2002 legte ihr reales Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Schnitt pro Jahr um 3,9 % zu, in der EU waren es nur 2,1 %. Aber das wirtschaftliche Gewicht der Neulinge ist gering: Obwohl die Bevölkerungszahl der EU durch die Erweiterung um 20 % steigt, nimmt das BIP nur um 5 % zu.

Ein Wachstumsschub ist für die bisherigen Mitgliedstaaten durch zusätzliche Exporte ebenfalls unwahrscheinlich - der Handel mit den Beitrittsländern ist schon vor der Erweiterung stark gestiegen. Inzwischen gehen mehr als 11 % aller Ausfuhren der EU in diese Staaten. "Vor dem Hintergrund der schon weit fortgeschrittenen Integration der Märkte erwarten wir keine nennenswerten unmittelbaren Wachstumsimpulse vom eigentlichen EU-Beitritt", betont das Kieler Institut für Weltwirtschaft.

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