Erwerb und Verkauf von Emissionsrechten für CO2 startet in Europa schon 2005: Handeln für die Umwelt

Erwerb und Verkauf von Emissionsrechten für CO2 startet in Europa schon 2005
Handeln für die Umwelt

Der Emissionshandel belohnt Klimaschutz: Wer weniger Treibhausgase produziert als erlaubt, kann "Emissionsrechte" an andere Firmen verkaufen. Deutsche Unternehmen werden wegen ihrer Energiesparerfolge zu den Anbietern gehören. Profitieren werden aber nur die, die frühzeitig beim Handel mitmachen.

DÜSSELDORF. Bald wird es ernst: Anfang 2005 startet in der Europäischen Union der Handel mit Rechten für die Emission von Kohlendioxid (CO2). Der im Klimaschutzvertrag von Kyoto vorgesehene Emissionshandel soll sowohl der Umwelt als auch der europäischen Wirtschaft nutzen, indem er den Klimaschutz billiger und effizienter macht. Nach anfänglich heftigem Widerstand wächst auch in der deutschen Wirtschaft langsam die Erwartung, dass sie vom neuen Markt profitieren wird.

"Deutschland ist potenziell Großverkäufer", sagt Dann Dijk, Manager für Umweltmärkte der Rabobank. Weil deutsche Unternehmen mehr als andere in den Umweltschutz investiert hätten, könnten sie mit dem Handel mit CO2-Zertifikaten auch am meisten verdienen. Diese Ansicht teilt auch EU-Umweltkommissarin Margot Wallström. Deutschland werde sogar wichtigster Verkäufer, resümiert eine Studie des niederländischen Arbeitgeberverbandes.

"Die deutsche Wirtschaft darf aber den Einstieg in den Emissionshandel nicht verpassen", warnt Sebastian Gallehr, Vorstandschef des branchenübergreifenden europäischen Unternehmensverbandes European Business Council for a Sustainable Energy Future (e5). Man solle frühzeitig am Handel teilnehmen - und nicht warten, bis die Preise in die Höhe schießen, wenn kurz vor zwölf Emissionsrechte erworben werden müssen. Bereits in wenigen Jahren könnten sich die Preise je nach Qualität der Zertifikate verdoppeln oder gar vervierfachen, sagen Experten.

Gallehr warnt vor verpassten Chancen: Wer nicht mitmache, müsse selbst viel Geld in bessere Anlagen investieren, anstatt günstiger dieselbe Emissionsreduktion zu erreichen. Eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen und der Universität Münster belegt diese Annahme: Eigene Maßnahmen kosteten teils mehr als 100 Euro pro gesparter Tonne CO2. Sie wären damit mindestens sechsmal so teuer wie der Kauf von Verschmutzungsrechten.

Der weltweite Emissionshandel für die so genannten Treibhausgase soll laut Kyoto-Vertrag 2008 beginnen. In der EU fällt der Startschuss aber schon am 1. Januar 2005, damit die Emissionen ganz sicher im Durchschnitt der Jahre 2008 - 2012 EU-weit um 8 % unter das Niveau von 1990 sinken. Deutschland hat sich als größte EU-Volkswirtschaft im Rahmen eines "Burden Sharing Agreements" verpflichtet, die Emissionen um 21 % zu senken. Wegen des Zusammenbruchs der DDR- Wirtschaft ist das Ziel fast erreicht, die Quote beträgt jetzt 19,3 %. Aber die letzten Prozentpunkte sind die schwierigsten, zumal durch Wirtschaftswachstum erneut steigende Emissionen kompensiert werden müssen. Trotzdem sei Deutschland neben Finnland, Frankreich und Luxemburg das einzige Land, das auch ohne Emissionshandel durch eigene Klimaschutzpolitik das Ziel erfüllen könnte, so ein Sprecher von Umweltminister Jürgen Trittin. Die anderen Länder seien auf den Kauf von Emissionsrechten angewiesen.

Jedes Land erhält ein Kontingent an Verschmutzungsrechten. Es wird auf Branchen und/oder Unternehmen heruntergerechnet. Der Handel beginnt mit 5 000 Großkonzernen, darunter etwa die Hälfte deutscher Herkunft, der energieintensiven Branchen Energie, Stahl, Papier, Baustoffe und Keramik. Sie sind für 46 % des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Sie erhalten Lizenzen über den zulässigen Ausstoß, wobei die erlaubten CO2-Mengen jährlich sinken.

Wer die Vorgabe erfüllt, ist fein raus. Wer die Emissionen darunter senkt, kann die überschüssigen Zertifikate an einer Börse Gewinn bringend verkaufen. Wer zu viel Dreck in die Luft bläst, muss in sauberere Anlagen investieren oder Verschmutzungsrechte erwerben. Wer das nicht tut, muss für jede Tonne "ungenehmigt" ausgestoßenen Kohlendioxids eine Geldbuße von 40 Euro zahlen. Sie soll 2008 auf 100 Euro steigen.

Deutschland wehrte sich lange vehement gegen den Emissionshandel mit dem Argument, es habe schon viel Klimaschutz betrieben. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) befürchtete Wettbewerbsnachteile. Es würde reichen, CO2-Abbau-Ziele festzulegen, und dem Markt zu überlassen, wer welche Instrumente wählt.

Darauf ließen sich die europäischen Regierungen zwar nicht ein - sie machten den Deutschen aber Zugeständnisse: Erstens ist die Erstausgabe der Emissionsrechte kostenlos. Zweitens gilt dafür 1990 als Basisjahr, so dass die deutschen Erfolge berücksichtigt werden. Drittens ist für deutsche Unternehmen der Emissionshandel bis 2007 freiwillig, sofern sie die Vorgaben auch ohne den Kauf von Verschmutzungsrechten erfüllen. Damit würdigt die EU, dass sich die deutsche Wirtschaft gegenüber der Bundesregierung verpflichtete, den CO2-Ausstoß bis 2012 gegenüber 1990 um 35 % zu reduzieren. Das Ziel ist allerdings nicht absolut, sondern bezogen auf die Produkteinheit. Wächst die Wirtschaft, fällt die absolute Gesamtminderung geringer aus. Sanktionen gibt es dann nicht.

In einer vierten Sonderregelung wird den Unternehmen erlaubt, Pools zu bilden. Die Energiebilanz wird dann branchenweit errechnet und nicht aufwendig auf jede einzelne Firma heruntergebrochen. Die Pools sind jedoch freiwillig. Jedes Unternehmen hat das Recht, selbst an der Börse Lizenzen zu erwerben oder zu veräußern.

Die Zugeständnisse konnten die Vertreter der deutschen Wirtschaft beruhigen. Klaus Mittelbach, Leiter Umweltschutz beim BDI, resümiert: "Es hätte schlimmer kommen können." Kurt Döhmel, Chef der Shell Deutschland, hingegen freut sich: "Der Emissionshandel bringt neue geschäftliche Möglichkeiten, mit denen man zusätzliche Erträge erwirtschaften kann." (s. Interview). Die EU will sich gut auf das im Kyoto-Protokoll geplante Emissionshandelssystem vorbereiten. Die Richtlinie, der das EU-Parlament zustimmen muss, wird derzeit im Umweltausschuss beraten. Bis Ende 2004 müssen sie alle Staaten in nationales Recht umgesetzt haben.

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