Erziehungsmaßnahme für Anleger
US-Börsenaufsicht präsentiert die fast perfekte Geldanlage

Die SEC stellt die amerikanischen Anleger auf eine harte Probe. Sie bietet mit der Firma McWhortle Enterprises ein verlockendes Investment, das es in sich hat.

cra/ap NEW YORK/DÜSSELDORF. McWhortle Enterprises ist das ideale Investment für die Zeit nach den Terroranschlägen in den USA. Ein grundsolides Unternehmen, über das Analysten und Finanzexperten Lobeshymnen singen - McWhortle Enterprises stellt portable Detektoren für biologisch gefährliche Stoffe her. Das Unternehmen hat nur einen Haken - es existiert nicht.

McWhortle Enterprises ist eine Erfindung der amerikanischen Börsenaufsichtsbehöde SEC (Securities and Exchange Commission), um Anlegern die Risiken eines allzu gutgläubigen Online-Investments zu demonstrieren.

Informationen im Internet

Die SEC streute gezielt Informationen zu McWhortle auf Websites und machte Anleger so lange neugierig, bis sie nicht mehr widerstehen konnten. Hatten sie erst angebissen, klärte die SEC sie über ihren virtuellen Verlust auf - bei einer tatsächlich existierenden Firma wäre das Geld verloren gewesen.

"In einer perfekten Welt würden alle Anleger zuerst unsere Broschüren lesen, bevor sie solche Entscheidungen treffen. Aber leider tun sie es nicht", so SEC-Chairman Harvey Pitt. Bedenken bei der Holzhammer-Didaktik haben weder die SEC noch die kooperierenden Institute. "Es gab in diesem Fall schließlich keine andere Absicht, als Anleger auf eine Weise zu erziehen, die ihre Aufmerksamkeit erregt. Sie sollen merken, wie nah sie sich am Totalverlust ihrer Geldanlage bewegt haben. Man muss das Risiko spürbar machen", erläutert Barbara Roper von der US-Verbraucherorganisation Consumer Federation of America.

Nahezu perfekte Täuschung

Die Täuschung war nahezu perfekt. Über eingeweihte Finanzagenturen verbreitete die SEC Meldungen über die bevorstehende Börsennotierung der McWhortle Enterprises und eine begleitende Pressekonferenz des Unternehmens in der Zentrale der SEC.

Die McWhortle-Website registrierte nach der Meldung über 150.000 Besucher in drei Tagen. Alle wollten sich über den Detektor informieren, der bei allen bekannten Arten von Milzbrand oder tödlichen Keimen Alarm schlägt. Auf der Pressekonferenz stellte sich SEC-Chairman Pitt als Thomas McWhortle vor und pries das Gerät als Antwort der Zivilisten auf die Bedrohung durch den Terror. Zusätzlich platzierte die SEC auf der McWhortle-Website euphorische Zitate eines bekannten Analysten und des Finanzdirektors einer "Fortune 100 Company". Wer auf der Site eifrig weiter clickte, um sein Geld endlich investieren zu dürfen, erhielt eine Warnmeldung - und schließlich die Auflösung der Täuschung mit der Auflistung aller beteiligten Institute und Verbände.

Reaktion kriminelle Machenschaften

Auslöser für diese ungewöhnliche Erziehungsmaßnahme waren laut SEC die zunehmenden Risikoanlagen in Geschäftsfeldern, die sich die Furcht vor Milzbrand und anderen Biowaffen zu eigen machen. Schlagzeilen machte im August 2001 der Fall des 23jährige Mark Jakob aus Kalifornien, der durch eine gefälschte Pressemitteilung den Aktienkurs der HighTech-Firma Emulex manipulierte. Für Investoren der Firma entstand ein Verlust von 110 Millionen Dollar - Mark Jakob sitzt nun für vier Jahre hinter Gittern.

Seit der letzten Panikwelle vor Bioterrorismus hat die Federal Trade Commission über 100 Betreiber von Websites vor Falschmeldungen über Schutzvorkehrungen gewarnt. Darunter Hinweise über unbrauchbare Gasmasken, Nahrungszusätze und Ultraviolett-Scanner, die angeblich Milzbrand erkennen und zerstören können.

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