Erzrivale Ebay ersetzt Versteigerungsseiten in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und anderen europäischen Ländern
Yahoo beendet Auktionen in Europa

Das Internet-Portal Yahoo steigt aus dem Auktionsgeschäft in den meisten europäischen Ländern aus und überlässt Marktführer Ebay das Feld - ein Zeichen, dass in diesem Bereich nur der Erstplatzierte Chancen hat.

SAN FRANCISCO. Das führende Internet-Portal Yahoo Inc. wird die meisten seiner europäischen Auktionsseiten aufgeben. Stattdessen werden die Nutzer von Yahoo-Seiten in Europa künftig zum Angebot des Erzrivalen und Marktführers im Online-Auktionsgeschäft, Ebay Inc., geleitet.

Yahoos Rückzug in Europa hat symbolische Bedeutung: Der Einstieg ins Auktionsgeschäft weltweit war eines der Prestigeprojekte des Unternehmens aus dem kalifornischen Sunnyvale. Damit wollte das weitgehend werbefinanzierte Portal nicht nur neue Nutzer anziehen, sondern auch Gebühren einnehmen. Das Unternehmen ist stark vom Einbruch des Werbemarktes betroffen - die letzten sechs Quartale endeten mit einem Verlust. Derzeit versucht Yahoo-Chef Terry Semel, das Geschäft auf die profitabelsten Bereiche zu konzentrieren und die Firma als Werbepartner und Anbieter gebührenfinanzierter Dienste neu zu definieren.

Online-Versteigerungen sollten ein wichtiger Bestandteil der Strategie sein: Sie haben sich bisher als eines der wenigen erfolgreichen Internet-Geschäftskonzepte erwiesen. Der Rückzug von Yahoo in Europa zeigt jedoch, dass Firmen es schwer haben, ein erfolgreiches Angebot aufzubauen, wenn sie nicht Marktführer sind. Denn Bieter und Käufer besuchen in der Regel zuerst die Seiten, auf denen sie die meisten Angebote vermuten. Das führt dazu, dass sich im Auktionsmarkt Monopole herausbilden. Ebay nutzte seine frühe Führungsposition in den USA geschickt aus und entwickelte sich zu einer der profitabelsten Internet-Firmen, mit einem Gewinn von 90 Mill. $ im Jahr 2001 und einem von Analysten auf 80 % geschätzten Marktanteil. Im vergangenen Jahr kaufte das Unternehmen aus San Jose/Kalifornien für 126 Mill. $ eines der führenden europäischen Online-Auktionshäuser, i SA, -Bazar und baute damit seine Position in Europa aus.

Yahoos Versuch, vor gut zwei Jahren durch die Übernahme von Ebay mit einem Schlag die Topposition in den USA und Europa zu übernehmen, scheiterte kläglich. Die Beteiligten konnten sich nicht über die Rolle der Ebay-Führungsriege bei Yahoo einigen.

Yahoo wird in den kommenden sechs Wochen seine Auktionsseiten für Deutschland, Großbritannien, Irland, Frankreich, Italien und Spanien schließen. Die eingesparten Mittel sollen nach Angaben von Mark Opzoomer von Yahoo Europe in die Entwicklung anderer Bereiche wie Shopping und Reisen fließen. Opzoomer sagt, der Ausstieg betreffe Länder, in denen seine Firma nur eine weit abgeschlagene Position im Auktionsmarkt - Platz drei oder schlechter - hat. In Dänemark, Schweden und Norwegen wird die Firma das Angebot weiterführen. Der Grund: Hier glaubt Yahoo, eine stärkere Marktposition zu haben.

Marktführer ist Yahoo lediglich in Japan. Hier hatte Yahoo gegenüber Ebay die Nase vorn, weil sich der Portal-Betreiber mit einem japanischen Unternehmen, der Softbank Corp., zusammengetan hatte. Ebay gab sein Japan-Angebot im Februar auf.

Ebay wird Yahoo für die Platzierung von Banner-Werbung, Text-Links und andere Promotion-Aktionen auf den Seiten des marktführenden Portals eine nicht genannte Summe, verteilt auf mehrere Jahre, zahlen. Das Abkommen mit Yahoo "ermöglicht es uns, mehr Nutzer zu erreichen", sagt Michael van Swaaij von Ebay Europe. Nach Angaben der Marktforschungsagentur Nielsen/Netratings ist der Verkehr auf sämtlichen europäischen Yahoo-Seiten - also etwa auch Suchmaschinen und Shopping-Angebote - fast drei Mal so hoch wie der bei Ebay.

In den USA sollen die Auktionen als Teil eines breiteren Shopping-Angebotes von Yahoo erhalten bleiben, sagt Rob Solomon, der bei der Firma für die Einkaufsseiten zuständig ist. Beim Shopping gehört das Unternehmen zu den Top-Anbietern hinter Ebay und Amazon.com Inc.

Quelle: Handelsblatt

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