Es bleibt alles beim Alten: Politische Unsicherheit bestimmt Finanzmärkte

Es bleibt alles beim Alten
Politische Unsicherheit bestimmt Finanzmärkte

Unsicherheit wird auch nach der Rede vom Chef der Uno-Waffeninspektoren, Hans Blix, in der kommenden Woche an den Finanzmärkten das bestimmende Thema bleiben. Nachhaltige Kursgewinne sind daher genauso unwahrscheinlich wie deutlich fallende Notierungen. Einmal mehr wird die politische, militärische und konjukturelle Lage in der Welt Börsianer zu kurzfristigem Handeln zwingen.

vwd FRANKFURT. "Wir werden wieder eine politische und technische Börse sehen" - so lässt sich die Erwartungshaltung von Analysten, Aktienstrategen und Händlern für die kommenden Handelstage zusammenfassen.

Die Sitzung des Uno-Sicherheitsrates und der zweite Blix-Bericht am Freitag haben die Unsicherheit nicht auflösen können. Zwar habe Blix einen eher friedlichen Ton angeschlagen, dies werde die USA dennoch nicht von ihren Plänen abbringen lassen, sagten Aktienhändler. Daher heißt es auch in der kommenden Woche: Es bleibt alles beim Alten. "Eine politische Börse und ein rein technischer Handel werden die Aktienmärkte bewegen", sagte Steffen Neumann, Aktienstrage bei der Landesbank Rheinland-Pfalz. Die Unsicherheit über den Irak-Konflikt bleibe bestehen.

Aber nur eine endgültige Lösung für dieses Problems kann wieder zu einer Normalisierung der Stimmung an den Märkten führen. "Entweder der Krieg beginnt oder die Weltgemeinschaft findet eine Lösung ohne militärische Gewalt. Hauptsache ist, dass dieses frustrierende Hick-Hack endlich aufhört und wir zur Tagesordnung über gehen können", betont auch ein Stratege einer größen deutschen Bank.

Es bleibt spannend: Bodenbildung oder Kursrutsch?

In der vergangenen Woche pendelten der Euro-Stoxx-50 und der Dax nahe ihrer Tiefstände vom Oktober 2002, ohne dass ein Trend erkennbar gewesen wäre. Ob diese wichtige Unterstützungsmarken halten werden, dürfte angesichts der politischen Unwägbarkeiten spannend bleiben. Aus charttechnischer Sicht bleibt diese Frage offen. Einerseits seien die Abwärtstrends intakt, andererseits könne das Pendeln um die Tiefstände zu einer Bodenbildung beitragen, von der aus tendenziell wieder steigende Kurse möglich wären, sagten die Analysten der Bankgesellschaft Berlin. Solch eine Aufwärtsbewegung wäre durch die günstige Bewertung und durch die erwarteten Erholungstendenzen bei den Unternehmenserträgen auch fundamental abgesichert.

"Die politisch-militärischen Ereignisse werden eine große Rolle spielen, ob es zu dieser erfolgreichen Bodenbildung kommen wird", sagen die Analysten der Bankgesellschat Berlin weiter. Sollte der Krieg entgegen aller Erwartungen abgeblasen werden, wäre eine "Erleichterungsrallye" vorprogrammiert, der Boden somit erfolgreich getestet. Umgekehrt hätte ein Kriegsausbruch keinesfalls notwendig Panikverkäufe mit einer negativen Beendigung der Bodenbildung zur Folge, da sich die Anleger nach der monatelangen Diskussion auf den Kriegsfall eingestellt haben. Die niedrigen Kurse seien ein Beleg dafür.

Risiko eines langen Krieges bleibt

Allerdings dürfte der Markt kaum alle Risiken eines Irakkriegs im vollen Umfang eingepreist haben. Sollte eine Einigung im Uno-Sicherheitsrat scheitern, dürfte die Wahrscheinlichkeit eines Kriegs ohne Uno-Mandat und ohne Unterstützung wichtiger Länder, darunter Frankreich, Russland und Deutschland, zunehmen. "Dies hätte ernste Folgen für den Kriegsverlauf, die transatlantischen Beziehungen und möglicherweise auch für das Verhältnis der EU-Länder untereinander", geben die Analysten zu bedenken. Im Zuge solcher politischer Unsicherheiten könnten die Sorgen über negative Auswirkungen auf die Wirtschaft erheblich zunehmen.

Dazu gehörten nicht nur die Risiken stärker steigender Ölpreise sondern auch die Gefahr, dass als Reaktion auf die Zerrüttung der transatlantischen Beziehungen US-Importe etwa aus Frankreich oder Deutschland mit Sanktionen belegt oder anderweitig politisch diskriminiert würden. Überlegungen in diese Richtung wurden bereits Ende der vergangenen Woche von mehreren US-Politikern öffentlich angestellt. "Dies darf nicht unterschätzt werden", warnen Analysten.

Kaufverhalten der US-Bürger beeinflusst

Zwar wird nicht mit einem offenen Handelskrieg gerechnet. Doch der propagandistische Einfluss der scharfen Töne der Bush-Administration gegen die einen Irak-Krieg ablehnenden europäischen Länder dürften zumindest kurzfristig das Kaufverhalten der US-Verbraucher maßgeblich beeinflussen. Eine Erholung der Wirtschaft mit positiven Folgen für die Aktienmärkte könnte daher insgesamt einen empfindlichen Dämpfer erhalten.

Am Dienstag berichten Deutsche Börse, Merck, Klöckner und Techem über ihre Jahresergebnisse. Der ZEW-Konjunkturindikator wird zudem eine erste Indikation für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands im Februar geben. Am Mittwoch folgen Hypo-Vereinsbank, Schwarz-Pharma und Hochtief mit ihre Zahlen für 2002. Der Donnerstag steht dann ganz im Zeichen von Daimler-Chrysler. Der Stuttgarter Automobilkonzern wird über sein Jahresergebnis berichten. Daneben gibt auch Hugo Boss seine Geschäftszahlen bekannt. Am Nachmittag werden in den USA die Frühindiaktoren veröffentlicht. Zum Wochenschluss lädt ThyssenKrupp seine Aktionäre zur Hauptversammlung ein, und Heidelberg-Cement veröffentlich sein Geschäftsergebnis für das vergangene Jahr.

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