Es bleibt nicht bei einem Schluck
Sakraler Weinexperte

Der Wiener Weihbischof Ludwig Schwarz hat einen Deal mit den Winzerbrüdern Pittner aus dem Weinviertel: Von jeder verkauften Flasche Veltliner gehen 75 Cent in die Dombaukasse.

Wenn der Weihbischof von Wien, Ludwig Schwarz, eine Messe im Stephansdom zelebriert, dann wird es still in der Kirche. Selbst die Touristen aus Japan vergessen für einige Zeit, auf den Foto- oder Videoapparat zu drücken, und lauschen den Worten des sanftmütigen Bischofs. Sie können wahrscheinlich nicht verstehen, was der Wiener Seelsorger da alles erzählt, aber sie fühlen, dass da wer ganz Besonderer mahnt.

Die Wiener schätzen den Prediger, der so gar nicht abgehoben über die Probleme der Gesellschaft plaudert. Es wird erzählt, dass der Bischof kein Kostverächter sei und dass er in so manchen Predigten vom Segen gesprochen habe, der im Wein steckt.

Vom Wein profitiert schon seit Generationen das Weingut Pittner in Drasenhofen - zum Segen der ganzen Familie. Die beiden Brüder Fritz und Heinz Pittner haben es geschafft, den Betrieb von einem kleinen Weinbauernhof zu einem der führenden Weingüter im nördlichen Weinviertel auszubauen. Sie erfuhren von dem weinseligen Bischof in Wien und beschlossen sogleich, mit einem besonders guten Tropfen den sakralen Weinexperten für ihr Haus zu gewinnen.

Der Grüne Veltliner 2002, die Hausmarke der Österreicher, entsprach ganz den Vorstellungen der gewitzten Weinbauern. Sollte ihr Wein den hohen Qualitätsansprüchen Seiner Exzellenz in Wien standhalten, so gelobten sie, würden sie einen Teil des Verkaufserlöses für die Erhaltung des Stephansdomes spenden.

Mit nur einer Flasche Grüner Veltliner 2002 und einer Flasche Zweigelt 2002 fuhren die Pittners nach Wien. Weihbischof Schwarz testete zuerst den Roten, dann den Weißen, dann wieder den Roten - und war begeistert. Die beiden Flaschen waren bald leer und ein Weindeal mit dem Verein "Rettet den Stephansdom" wurde rasch abgeschlossen.

Pro Flasche fließen nun 75 Cent in die Erhaltung des von Wind und Wetter stark beanspruchten Sandsteins der Wiener Kirche zu St. Stephan. Ein gutes Geschäft für beide Seiten. Ebenfalls von der Qualität der Tropfen überzeugt, verpflichtete sich der Künstler und Weinliebhaber Josef Bramer, den Jahrgang 2002 mit seiner Edition Aufbruch zu etikettieren. Der "Pro Steffl" war geboren.

Und der Weihbischof ließ es sich nicht nehmen, diesem Wein seinen Segen zu geben. Im Dach des Steffl wurden Würdenträger der Stadt Wien Zeugen eines einmaligen Ereignisses in der Nachkriegsgeschichte des Domes. Denn eigentlich stehen baubehördliche Bedenken einer Weinsegnung auf dem Dachboden der Kirche entgegen. Es gibt nicht einmal öffentliche Führungen in das berühmte Gebälk, seit es im letzten Krieg brannte. Wahrscheinlich hatte der Herrgott sein Einsehen, als der Dombaumeister seine Erlaubnis dennoch erteilte - schließlich geht es um die Restauration von St. Stephan.

Den ersten Schluck des gesegneten Veltliners aus dem Hause Pittner genehmigte sich der Weihbischof. Es blieb nicht bei dem einen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%