Es fehlen die Zugpferde
Am Neuen Markt stirbt jetzt die Hoffnung auf bessere Zeiten

Der Neue Markt der Frankfurter Wertpapierbörse hat am Dienstag neue Tiefststände erreicht. Der Nemax All Share notierte zeitweise mit 1416 Zählern auf einem neuen Allzeittief. Auch im Nemax 50 setzten sich die Verluste fort.

dpa-afx FRANKFURT/M. Es herrsche "leider noch keine richtige Panikstimmung", sagte ein Händler. Wenn die Panik da wäre und massive Verkäufe stattfänden, könnte man vielleicht auch wieder eine Wende sehen. "Bis jetzt ist es nicht so, dass man sagen könnte, wir hätten den Boden erreicht", fügte er hinzu. Er geht davon aus, dass der Nemax 50 bis auf seinen alten Tiefststand bei 1250 Punkten zurückkommen wird.

"Auf Monate hin keine neuen Höchststände"

"Man kann nur mit Dante sagen: 'Ihr, die ihr hier eintretet, lasset alle Hoffnung fahren'", kommentierte Giuseppe Amato vom Wertpapierhandelshaus Lang & Schwarz den Kursverfall der ehemaligen Wachstumstitel. "Die Werte, die den Markt nach oben gebracht haben, wie etwa EM.TV, sind nicht mehr da. Wir brauchen neue Zugpferde", sagte der Analyst. Aixtron, Qiagen und T-Online würden überleben, müssten die Anleger aber mit besseren Zahlen überzeugen. "Auf zig Monate ist mit Höchstständen nicht mehr zu rechnen", erklärte Amato. "Alles andere wäre unseriös."

"Die Anleger haben die Trendwende bei den Unternehmensgewinnen zu stark und zu früh vorweggenommen", sagte Christian M. Kahler, Aktienmarktstratege der DG Bank. Bereits im April seien die Kurse um 30 bis 40 Prozent gestiegen. Deshalb sei es zu dieser Abwärtsentwicklung gekommen, nachdem zahlreiche Unternehmen ihre Planzahlen nach unten korrigiert hatten. "Eine Trendwende sehen wir erst, wenn die Unternehmensprognosen wieder nach oben revidiert werden", sagte der Analyst. Voraussetzung dafür sei eine Stabilisierung der konjunkturellen Lage.



"Ich sehe keinen Boden", sagte ein Händler. "Die institutionellen Anleger stehen auf dem Standpunkt, bei Anzeichen einer Erholung weiter zu verkaufen", konstatierte ein anderer. Neun von zehn Aufträgen seien Verkäufe. "Verkäufe ohne Limit", erklärte der Marktteilnehmer. Es sei durchaus möglich, dass der Index in den "dreistelligen Bereich" falle, hieß es auf dem Parkett. Viele rechneten bereits mit einer Zinssenkung der US-Notenbank um 50 Basispunkte. "Wenn die nicht kommt, können wir nur verlieren", sagte ein Händler.

"Alles Käse", sagte ein anderer. "Das Vertrauen ist weg. Keiner wagt mehr einzusteigen", fügte er hinzu. Die Zinsentscheidung oder Gewinnwarnungen von kleineren amerikanischen Halbleiterherstellern spielten bei der derzeitigen Entwicklung kaum eine Rolle. "Letztendlich ist der Markt ziemlich tot."

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