"Es gab keine Fehler bei der Euroumstellung"
Eichel beklagt Preissteigerungen

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hat Preiserhöhungen im Zuge der Euro-Bargeld-Einführung beklagt und eine Zurückhaltung der Verbraucher festgestellt.

Reuters BERLIN. Eine Ministeriumssprecherin erklärte am Wochenende, Eichel habe in verschiedenen Gesprächen bedauert, dass sich nicht alle Unternehmen im Handel und in der Gastronomie an die freiwillige Selbstverpflichtung gehalten hätten und deshalb bei einzelnen Produkten erhebliche Preissteigerungen zu verzeichnen gewesen seien. Das Ministerium wies jedoch einen "Spiegel"-Bericht zurück, wonach Eichel in einer Sitzung des SPD-Parteivorstands Fehler bei der Euro-Umstellung eingeräumt habe. Das Statistische Bundesamt will nach Darstellung der "Welt am Sonntag" eine neue Erhebung zur Teuerungswelle nach der Euro-Einführung starten.

Eichels Sprecherin Maria Heider erklärte, der Minister habe verschiedentlich darauf hingewiesen, dass die "gefühlte Inflation" zu Verärgerung und zu spürbarer Zurückhaltung der Verbraucher geführt habe. Die Negativfolgen einzelner Preissteigerungen habe der Einzelhandel selbst eingeräumt, als er für das erste Quartal dieses Jahres einen deutlichen Umsatzrückgang vermeldet habe. "Der Markt wird sich bemühen müssen, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen", sagte sie.

Die Einführung des Euro-Bargeldes hatten einige Händler und Dienstleister zu deutlichen Preiserhöhungen genutzt. Auf das gesamte Preisniveau wirkte sich der Euro nach Angaben von Statistikern und Notenbanken aber nur geringfügig aus.

Der "Spiegel" zitierte Eichel aus einer Sitzung des SPD-Parteivorstandes mit den Worten: "Wir haben uns zu sehr auf die Selbstverpflichtung des Handels verlassen, das war möglicherweise ein Fehler." Andere Länder wie Frankreich - mit einem Verbot von Preiserhöhungen - oder die Niederlande hätten die Umstellung auf den Euro besser hingekriegt. Heider dementierte diese angeblichen Äußerungen des Ministers.

Bundesbank verteidigt Selbstverpflichtung des Handels

Das für die Bargeldversorgung zuständige Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, Franz-Christoph Zeitler, sagte der "Welt am Sonntag": "Vor allem bei regionalen Produkten und Dienstleistungen ist es durch die Euro-Einführung zum Teil zu deutlichen Preissteigerungen gekommen." Zur Selbstverpflichtung des Handels habe es aber keine Alternative gegeben. "Preisfestsetzungen hätten mit Sicherheit zu Qualitätsverschlechterungen geführt."

Die Zeitung berichtete, das Statistische Bundesamt werde entgegen seiner Planung noch einmal die Teuerung überprüfen. Das Blatt zitierte einen nicht genannten Preis-Experten des Amtes mit den Worten: "Der Eindruck, dass Güter des täglichen Bedarfs teurer geworden sind, täuscht nicht."

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