"Es geht auch ohne embryonale Stammzellen"
Erstmals Herz-Therapie mit Stammzellen gelungen

Düsseldorfer Mediziner haben einen Herzinfarkt-Patienten erfolgreich mit seinen eigenen Stammzellen behandelt. Die aus dem Knochenmark des 46-Jährigen gewonnen Zellen hätten das zerstörte Gewebe des Herzmuskels weitgehend wieder aufgebaut.

dpa DüSSELDORF. Düsseldorfer Mediziner haben nach eigenen Angaben weltweit erstmals einen Herzinfarktpatienten erfolgreich mit seinen eigenen Stammzellen behandelt. Die aus dem Knochenmark des 46-Jährigen gewonnen Zellen hätten das zerstörte Gewebe des Herzmuskels weitgehend wieder aufgebaut, bestätigte die Klinik am Freitag einen Bericht der "Rheinische Post". Erstmals sei so nachgewiesen worden, dass diese im April in den USA an Mäusen gezeigten Effekte auch beim Menschen eintreten.

Im Juli hatten Rostocker Ärzte ebenfalls einen Herzinfarktpatienten mit seinen Stammzellen behandelt, das Ergebnis steht allerdings noch aus. In beiden Fällen handelt es sich nicht um die umstrittenen embryonalen Stammzellen, sondern um so genannte adulte Stammzellen. Die Düsseldorfer Uniklinik will am Mittag über die Details der Behandlung informieren.

Marburger Bund fordert Ausweitung der Forschung

Die aus dem Beckenkamm des Patienten entnommenen Stammzellen seien mit einem Ballon in die Infarktarterie gespritzt und in den Bereich des abgestorbenen Herzmuskels transportiert worden, hieß es. Dort bildete sich nach Angaben der Düsseldorfer Klinik neues Muskelgewebe, das die Funktion des beim Infarkt zerstörten Gewebes teilweise übernommen habe. "Es geht also auch ohne die ethisch umstrittenen embryonalen Stammzellen", sagte Bodo Eckehard Strauer, Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie.

Der Marburger Bund forderte in einer Reaktion auf den Therapie-Erfolg eine Ausweitung der Forschung an adulten Stammzellen in Deutschland. "Falls sich diese Nachricht bestätigt, wären damit diejenigen widerlegt, die die Forschung an embryonalen Stammzellen als den derzeit wichtigsten Weg gentechnologischen Fortschritts betrachten", sagte der Vizevorsitzende des Ärzteverbands, Rudolf Henke am Freitag in Köln. Bund und Länder müssten nun die Forschung mit adulten Stammzellen in großem Maßstab intensivieren.

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