Es geht um die beste Ausgangsposition für die Fusionsverhandlungen
Der Kampf um Olympias Symbole

Vor den Verhandlungen über eine Fusion mit dem Deutschen Sportbund stellt das NOK Bedingungen.

FRANKFURT. Ein schönes Bild: Klaus Steinbach und Manfred von Richthofen, die Chefs der beiden deutschen Sportverbände, stehen beieinander und unterhalten sich. Um sie herum versammeln sich die zur Vollversammlung des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) nach Frankfurt am Main gereisten Fotografen. Sie wollen die Botschaft festhalten: Steinbachs NOK und von Richthofens Deutscher Sportbund kämpfen Seit an Seit für einen vereinten Sportverband. Das Problem ist nur: Insgeheim bekämpfen sie sich.

Es geht um die beste Ausgangsposition für die Fusionsverhandlungen, die am 16. November beginnen und die im Frühjahr 2006 erste Ergebnisse zeitigen sollen. Die Fusion wird seit dem enttäuschenden Abschneiden der Deutschen bei den Olympischen Spielen in Athen diskutiert. Die Apparate sind zu aufgebläht, zu viele Gremien beschäftigen sich mit Leistungssport, bemängeln Funktionäre. Die Ausgangsposition schien klar: von Richthofen steht dem größeren Verband vor, der sich um Breitensport und die Ausbildung von Leistungssportlern kümmert. Er hat die Fusionsdebatte in Gang gebracht. Steinbach steht einem kleinen Verband vor, der mit der Leipziger Olympiabewerbung früh gescheitert ist. Außerdem muss Steinbach immer wieder erklären, dass das NOK mehr ist als ein olympisches Reisebüro.

Nun aber hat er gemerkt, dass die international gültige Olympische Charta einem NOK viele Rechte zusichert. Deshalb formuliert er Bedingungen für eine Fusion: In olympischen Belangen dürften nur die olympischen Sportverbände mitreden, mit der Vermarktung der olympischen Ringe dürften allein sie Geld verdienen, und in einem Dachverband sollen sie die Mehrheit in der Vollversammlung haben. "Wo Olympia draufstehen soll, muss Olympia drin sein", sagte Steinbach.

Zu Hilfe kam ihm Thomas Bach, einflussreiches Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee, der engagiert für die Interessen des NOK eintrat. von Richthofen nahm es zur Kenntnis und erklärte erst nach der Versammlung seine Verhandlungsposition. Eine Mehrheit könnten die olympischen Verbände gerne haben - "aber nur, wenn es um olympische Angelegenheiten geht".

Steinbach hat erkannt, dass das NOK offenbar finanziell besser dasteht. Darum macht er die Finanzen zum Thema - unterschwellig. Steinbach kann darauf verweisen, dass das NOK in Athen 400 000 Euro aus Bundesmitteln weniger ausgegeben hat als geplant. Sein Kontrahent gerät langsam unter Rechtfertigungszwang. "Wegen des Rückgangs der Glücksspirale mussten wir deutliche Einsparungen beschließen", räumte von Richthofen ein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%