Es geht um die Chancen digitaler Kommunikation
Kartellamt bleibt skeptisch gegenüber Liberty

Die neuen Investoren in den deutschen Kabelmarkt verfolgen unterschiedliche Strategien beim Ausbau des Netzes. Callahan wird zum Vorbild, Liberty fürchtet hohe Investitionskosten.

BERLIN. Am liebsten wäre Ulf Böge ein zweiter Kabelinvestor wie Dick Callahan. Mit der Deutschland-Strategie des Herrn aus Denver, der von der Telekom knapp 40 % ihrer Kabelnetze in NRW und Baden-Württemberg gekauft hat, hatte der deutsche Kartellamtspräsident nie Probleme: Callahan investiert Milliarden in den Ausbau der Kabel zur Konkurrenz-Infrastruktur zum Telefonnetz. Er findet Internet und Telefonie interessanter als die Schaffung von weiteren Fernsehkanälen. Kleinere Anschluss-Kabelnetzbetreiber dürfen neben ihm weiter leben. Jeder interessierte Inhalte-Anbieter soll seine Infrastruktur nutzen können. Und Callahan ist nirgendwo TV-Programmveranstalter. Da stört es Böge nicht einmal, dass der Ortsnetz-Monopolist Deutsche Telekom an den Kabelnetzen beteiligt geblieben ist.

Ganz anders ist Böges Haltung zum zweiten Investor aus Denver: John Malone, Chef von Liberty Media. Malone will das Telekom-Kabel nur kaufen, wenn er rundherum alle kleineren Anschluss-Kabelnetzbetreiber schlucken darf. Er will das Kabel nur langsam aufrüsten. Internet und Telefonie spielen in seinen Plänen Nebenrollen, sein Ziel ist Pay-TV. Inhalte-Anbieter dürfen das Kabelnetz nur so nutzen, wie Liberty es will. International ist Liberty ein Medienkonzern, weshalb alle Fernsehveranstalter vor ihm zittern. Bis zum 28. Februar muss Böge entscheiden, ob er Malone ins Kabel hereinlassen will. Die Zeichen stehen auf Ablehnung.

Ein Einstieg Libertys wird nach Meinung der Kartellwächter um Böge den Rest-Wettbewerb zwischen den kleinen Anschluss-Kabelnetzbetreibern (siehe Fachwort) ganz beenden, weil Liberty diese übernehmen will. Die einzige Möglichkeit für Malone, doch noch Grünes Licht vom Kartellamt zu bekommen, sind Nachbesserungen am Ausbaukonzept für die 5,5 Mrd. Euro teuren Telekom-Netze für Internet und Telefonie. Dann, so Böge, entstünde auf diesen Märkten neuer Wettbewerb zum Telekom-Festnetz, das Ende des Wettbewerbs im Kabelmarkt wäre dann akzeptabel.

Doch ein Callahan-Konzept ist Liberty zu teuer. Allein in NRW will die Callahan-Gesellschaft Ish in fünf Jahren 2 Mrd. Euro für den Ausbau von 4,2 Millionen Haushalten investieren. Rechnen soll sich das, wenn einer von drei anschließbaren Haushalten das Angebot nutzt. Zur Zeit zieht Ish neue Glasfaserkabel in die alten Telekom-Netze ein; nach und nach sollen dann gemeinsam mit den kleineren Betreibern die Hausanschlüsse modernisiert werden. Branchenexperten halten dies für riskant: Ish gibt erst viel Geld für Glasfaser aus, ehe das Unternehmen wirklich an den Kunden heran kommt. Schon jetzt haben sich bei vielen Anschlüssen Probleme mit der elektromagnetischen Abschirmung der Hauskabel gezeigt. In solchen Fällen muss die Hausverkabelung erneuert werden. Kostenpunkt in diesen Fällen: 500 Euro pro Anschluss.

Dazu sagt eine Ish-Sprecherin, dass die Probleme lösbar seien, der Ausbau planmäßig verlaufe und im Übrigen voll durchfinanziert sei. Für ein Angebot aus Internet, Telefonie und Digital-TV müsse man die Netze nun einmal von heute 450 MHz auf 862 MHz ausbauen. In Belgien habe Callahan die Erfahrung gemacht, dass ein weniger ehrgeiziger Ausbau für die neuen Angebote nicht ausreiche. Auch der kleinste Telekom-Kabelkäufer, ein Konsortium um die britische NTL (s. unten) mit nur 7 % Marktanteil, will seine 1,3 Mill. Haushalte für 930 Mill. Euro auf 862 MHz aufrüsten.

Liberty hingegen will sich mit einer Aufrüstung des Kabels auf 510 MHz begnügen. Mit Unterstützung der Deutschen Bank, die den Anschluss-Netzbetreiber Telecolumbus an Liberty verkaufen will, werde Liberty in den jetzt laufenden Gesprächen mit dem Kartellamt ein modifiziertes Konzept vertreten, heißt es im Umfeld von Telecolumbus: Zuerst sollen die Hausanschlüsse auf 862 MHz aufgerüstet werden. Das alte Telekom-Kabel werde dann je nach Nachfrage von Internet-Kunden von 510 MHz auf 862 ausgebaut. Denn allzu ehrgeizige Kabelpläne hätten Anbieter wie NTL und UPC finanziell in die Bredouille gebracht, argumentiert Liberty.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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