Es gibt bislang kaum aktive GPRS-Nutzer im Massenmarkt
Die Mobilfunkbetreiber bremsen die Akzeptanz von GPRS

Nutzer, Anbieter und neutrale Experten wundern sich schon seit einiger Zeit, warum die vielversprechende Übertragungstechnologie GPRS (Global Packet Radio Service) im deutschen Markt den Durchbruch bisher noch nicht geschafft hat.

Die Player im "magischen Dreieck" der mobilen Wirtschaft, das aus Mobilfunkbetreibern, Endgeräteherstellern und Diensteanbietern besteht, üben sich in gegenseitigen Schuldzuweisungen wie "fehlende Endgeräte", "zu teure Zugangstarife" oder "langweilige Applikationen".

Chancen durch GPRS und Java noch nicht ausgenutzt

Damit das magische Dreieck eine positive und bezahlbare Nutzererfahrung möglich macht, muss jeder Eckpunkt optimal gestaltet werden. Obwohl GPRS von den Netzbetreibern seit einem Jahr angeboten wird, gibt es kaum aktive GPRS-Nutzer. Die heute im Markt verfügbaren GPRS-fähigen Endgeräte verleiten den User nicht wirklich zum Upgrade, denn bisher besitzt keines gleichzeitig die Erfolgs-Features GPRS, Farbbildschirm und Java-Implementierung. Selbst der aus Japan importierte Mobile Internet Service i-mode wird in Deutschland mit einem Gerät starten, welches anfangs kein Java unterstützt. Ob die Verkaufsmannschaft von E-Plus damit die Teilnehmer der Konkurrenz nachhaltig zum Wechsel animieren kann, bleibt fraglich, zumal der Markteintritt erst zu dieser CeBIT erfolgt und das Window of Opportunity für i-mode entsprechend verkleinert hat.

Obendrein wirken die hohen Megabyte-Preise für das per GPRS übertragene Datenvolumen wie das genaue Gegenteil eines starken Kaufanreizes. Bei diesem prohibitiven Preisniveau wird die "mobile Standleitung in der Hose" auf absehbare Zeit nur die Nutzung schmalbandiger Datendienste mit Text und kleinen Bildchen erlauben. Downloads großer Dateien oder Streaming Audio und Video sind schlicht nicht bezahlbar, es sei denn, die Firma sponsert den dringenden Datenkonsum. Mitunter sind auch die Netze der Betreiber überlastet, denn die Investitionen der Betreiber konzentrieren sich auf UMTS und nicht auf die Kapazitätserweiterung von GPRS. Ein klares Versäumnis, denn UMTS wird wegen der fehlenden Flächendeckung noch viele Jahre parallel zu GPRS existieren.

Cash Cow SMS noch der Treiber mobiler Datendienste

Vor diesem Hintergrund konzentriert sich das Geschäft immer noch auf SMS. SMS haben die Mobilfunkbetreiber schon vor einiger Zeit zur Cash Cow mit hohem Deckungsbeitrag erklärt. Diesen Deckungsbeitrag kann man scheinbar noch steigern und die Cash Cow zusätzlich melken: Zunächst haben die Betreiber vor kurzem kollektiv - wie im klassischen Preiskartell - die Preise für den Versand von MT-SMS (Mobile Terminated) um 300 bis 400 % erhöht. Dadurch werden 3 Ziele erreicht: Den Free SMS-Diensten die Lichter ausknipsen, den geldbringenden MO-SMS (Mobile Originated) Traffic von Handy zu Handy forcieren und den Anteil am wachsenden Kuchen des SMS-basierten Mobile Marketings vergrößern. Zusammenfassend darf die Vermutung formuliert werden, dass die Mobilfunkbetreiber GPRS zugunsten von SMS mit seinen hohen Margen ausbremsen, um wenigstens einen Teil der durch die hohen UMTS-Lizenzkosten verursachten Finanzlast abstottern zu können. Sowohl technisch als auch wirtschaftlich kann und wird GPRS-basiertes Text Messaging SMS und auch künftig MMS komplett substituieren.

Schreiben Sie dem Autor: jansan@mobileeconomy.de



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