Es gibt mehrere Möglichkeiten zum Ausstieg aus Policen
Lebensversicherungen kündigen ist teuer

In Deutschland sparen Anleger mit über 80 Millionen Lebens- oder Rentenversicherungspolicen für das Alter. Davon wird rund die Hälfte vor Ablauf der Vertragslaufzeit gekündigt. Das kostet Geld. Wer aus seiner Lebensversicherung aussteigen will, muss aber nicht unbedingt kündigen. Es gibt Alternativen.

DÜSSELDORF. Wer im Alter seinen Lebensstandard halten will, muss zusätzlich vorsorgen. Die meisten Anleger haben daher eine private Lebens- oder Rentenversicherung abgeschlossen. Doch rund die Hälfte der Verträge wird nicht bis zum Ende der Laufzeit durchgehalten. Bei Vertragskündigungen überwiegen Motive wie Rückzahlung von Schulden, Scheidung oder Arbeitslosigkeit. Dies hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der cash.life AG ermittelt, die Anlegern unter bestimmten Bedingungen die Policen abkauft und diese weiter führt.<7P>

"Wer aus seiner Lebens- oder Rentenversicherung aussteigen will, muss nicht unbedingt kündigen. Es gibt Alternativen", sagt Wilfried Buschen, Versicherungsberater aus Wegberg bei Mönchengladbach. Anleger können ihre Police beitragsfrei stellen, sie können sie verkaufen und gegen Ende der Laufzeit kann es sich sogar lohnen, die Beiträge über Kredit zu finanzieren. Denn eine Kündigung ist für den Anleger oft ein schlechtes Geschäft: Der Versicherer zahlt den so genannten Rückkaufswert aus; das ist das bis dahin angesammelte Sparguthaben abzüglich einer Stornoquote von bis zu 10 %.

Die Situation sollte genau analysiert werden

Hinzu kommt, dass auf den Rückkaufswert Steuern fällig werden, wenn der Vertrag vor Ablauf der Zwölfjahresfrist für die Steuerfreiheit der Erträge gekündigt wird.

"Will ein Kunde aus der Police aussteigen, sollte die Situation genau analysiert werden", rät Experte Buschen, "die wichtigste Frage ist: Wie lange läuft der Vertrag schon, wie lang ist die Restlaufzeit?" Innerhalb des ersten Jahres der Vertragslaufzeit hat ein Kunde seiner Einschätzung nach gute Chancen, dem Vertrag zu widersprechen und sein Geld zurück zu bekommen.

Das Widerspruchsrecht stützt sich auf § 5a des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG); danach kann der Kunde dem Vertrag widersprechen, wenn er nicht entsprechend der Regeln des § 10a des Versicherungsaufsichtsgesetzes korrekt informiert worden ist: So muss der Versicherer den Anleger schriftlich spätestens bei Zusendung der Police u.a. über Rückkaufswerte und die Methoden zur Berechnung der Überschussbeteiligung unterrichten.

Kunde kann dem Vertrag widersprechen

"Wenn diese Informationen nicht übergeben worden sind oder sie intransparent - damit schlecht nachvollziehbar - sind, kann der Kunde widersprechen. Versicherer vermeiden dabei Klagen, um es nicht zu Präzedenzfällen kommen zu lassen", sagt Versicherungsberater Buschen.

Ist die Widerrufsfrist verstrichen, bleiben dem Anleger noch andere Ausstiegsmöglichkeiten. "Zunächst ist zu prüfen, welche Rückkaufswerte eine Police hat", sagt Wolfgang Scholl von der Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin. Denn nicht jedes Versicherungskonto weist auch ein Guthaben aus. Zu Anfang der Vertragslaufzeit werden dem Anleger die Vermittler-Provisionen und die Abschlusskosten in Rechnung gestellt - das können mehrere Tausend Mark sein. Daher ist zu Beginn der Policen-Laufzeit das Konto im Minus. Die Rückkaufswerte finden sich in der Anlage zur Police.

Sind die Abschlusskosten noch nicht getilgt, rät Experte Scholl, doch in den sauren Apfel zu beißen und den Vertrag zu kündigen, wenn der Anleger die Beiträge nicht mehr aufbringen kann oder will. "Dann geht der Kunde zwar leer aus, muss aber nichts mehr zahlen und keine Provisionen mehr tilgen", sagt Scholl.

Als Faustregel lässt sich sagen, dass nach rund einem Drittel der Laufzeit der Rückkaufswert etwa dem Wert der eingezahlten Prämien entspricht. Dies kann je nach Versicherer und Tarif sehr unterschiedlich sein. "Wenn der Anleger das Geld nicht braucht, aber die Beitragszahlung nicht mehr leisten will, kann er die Police beitragsfrei stellen", erklärt Buschen. Dabei zahlt der Kunde keine Prämie mehr, die Police bleibt aber bis zum Laufzeitende bestehen. Das angesparte Kapital verzinst sich weiter. Versicherer teilen auf Anfrage mit, was der Kunde am Ende der Laufzeit noch aus der Police rauskriegt, wenn er sie beitragsfrei stellt.

Will der Anleger aber das Geld aus der Police sofort haben, so kann er alternativ zur Kündigung die Police auch verkaufen, wenn er z.B. in eine höher rentierliche Anlage als die Leben-Police investieren will. Die cash.life bietet an, Lebensversicherungen zu übernehmen. Bedingungen: Die Restlaufzeit ist nicht länger als 15 Jahre, der Rückkaufswert beträgt mindestens 30 000 DM. "Zudem kaufen wir in der Regel nur Policen von Versicherern, die ein gutes Rating von uns bekommen haben", erklärt cash.life-Vorstandsschef Matthias Wahl. Welche das sind, will er aber nicht verraten. Kriterien für ein Rating seien u.a. die Finanzkraft des Unternehmens.

Der Vorteil beim Policen-Verkauf für den Kunden: Der Anleger erhält den Rückkaufswert plus einer Beteiligung an den abgezinsten Überschussanteilen ohne Abzug von Stornokosten. Das Geld von cash.life muss zudem nicht versteuert werden. Daher könne ein Kunde bei einem Verkauf bis zu 15 % mehr einstreichen als bei einer Kündigung, so Wahl.

Wessen Vertrag nur noch wenige Jahre Laufzeit hat, sollte auf keinen Fall kündigen, warnt Versicherungsberater Buschen. "Versicherer weisen ihren Kunden am Ende der Laufzeit die höchsten Schlussgewinnanteile zu. Daher haben Policen in dieser Schlussphase eine Rendite von bis zu 20 Prozent", sagt Buschen. Es könne sich lohnen, sich bei einem Versicherer ein Policendarlehen einräumen zu lassen, um die Prämien weiter zahlen zu können.

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