Es gibt noch zu viele Informationsdefizite vor der Einführung der neuen Währung
Werbung schafft kein Vertrauen in den Euro

Drei Monate vor Ultimo ist der Euro als Hauptthema von den Zeitungsseiten verdrängt worden - doch die immer noch neue Gemeinschaftswährung wird trotzdem kommen. Rein technisch ist der Geldumtausch im Plan. Allerdings muss noch massiv um Vertrauen für den Euro geworben werden.

ay DÜSSELDORF. Auch einen Monat nach der Präsentation des Euro-Bargeldes durch EZB-Präsident Wim Duisenberg persönlich, haben sich die Hoffnungen der Euro-Protagonisten immer noch nicht erfüllt: Die Deutschen halten ihre Begeisterung für den Euro in engen Grenzen. Immer noch findet rund die Hälfte kein Gefallen an der Ersatzwährung, immer noch meinen weniger als 58 % von ihnen, sie seien gut über den Euro informiert.

Ärgerlich ist zudem, dass rund jeder vierte Bürger der Euro-Währungszone nicht das Datum kennt, an dem seine eigene Währung als gesetzliches Zahlungsmittel ungültig wird. Dabei überrascht es nicht, dass immer mehr Bürger Preissteigerungen im Zusammenhang mit der Euro-Einführung befürchten, je näher der Euro rückt.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bereiten sich nach Erkenntnissen von Eurostat, des statistischen EU-Amtes, zu langsam auf den Umtausch und die Umstellung vor. Nur 23 % der KMU in den 12 Euro-Länder haben ihre Vorbereitungen abgeschlossen.

Diese Informationsdefizite sind nicht mehr zu übersehen und machen die Verantwortlichen besonders in Brüssel offenbar besorgt. Der EU-Kommissar für Währungsfragen und damit verantwortlich für den Euro, Pedro Solbes, schlug dem Ecofin-Rat (dem Rat der Finanzminister) deshalb in der vergangenen Woche eine konzertierte Aktion in Form eines Informationsnetzes vor, das die Umstellung beobachten soll - allerdings erst nach dem 1. Januar 2002.



Das Netzwerk soll offenbar bei Fehlläufen in der ganz heißen Phase des Umtausches Alarm schlagen. Für Solbes ist der Informationsrückstand in nahezu allen Ländern der Union "wenig ermutigend". Angesichts der intensiven Informationsarbeit habe man in Brüssel mehr erwartet.

Dabei ist Deutschland, was die Vorbereitungen betrifft, noch nicht einmal Schlusslicht in der Zwölfer-Gemeinschaft. Nach der jüngsten Eurostat-Erhebung sind in Irland nur 4 % der Klein- und Mittelbetriebe für den Euro präpapiert, am höchsten war die Quote in Luxemburg und Griechenland. Erkki Liikanen, für die KMU in Brüssel zuständig, befürchtet, dass die Kleinstfirmen mit bis zu 10 Beschäftigten einen noch größeren Rückstand bei der Umstellung haben.

Für die Bürger sind die drei Monate davor nicht weniger wichtig. Bis zum 31. Dezember diesen Jahres können die DM-Vorräte, sowohl Banknoten als auch Münzen, unbeschränkt als Zahlungsmittel genutzt werden.

Fahrplan für die Umstellung

Formal verlieren die DM-Noten und Münzen am 1.1. 2002 ihre Gültigkeit als gesetzliches Zahlungsmittel. Nach einer Regelung zwischen Handel, Banken, Zentralbank und Regierung nehmen allerdings Banken und Handel sowohl nationale Noten als auch Münzen noch bis zum 28.2. 2002 an; danach können D-Mark-Noten und Münzen zwar zeitlich unbeschränkt, aber nur noch bei der Bundesbank und ihren Niederlassungen umgetauscht werden.

Während die Bürger erst Mitte Dezember so genannte Starterkits - eine Kollektion der Euromünzen - für 20 DM (im Wert von 10,23 Euro) bei den Banken zum Anschauen und Umgewöhnen erwerben können, sind Banken bereits seit dem 1. September mit der Erstausstattung versorgt. Rund 17 Milliarden Stück Euro-Banknoten stehen den Banken in Euroland am 1. Januar zur Verfügung.

Um den Bürgern den Abschied von der Wirtschaftswunder-Mark schmackhaft oder wenigstens erträglich zu machen, beginnt in diesen Tagen noch einmal eine Werbekampagne. Rund 80 Mill. Euro lässt sich die Europäische Zentralbank diese Aktion aus Fernsehspots und Printmedien-Anzeigen kosten, die in allen Euro-Ländern gleichmäßig geschaltet werden. Prominente wie Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt oder die TV-Moderatoren Ulrich Wickert und Sabine Christiansen sind als Werbe- und Vertrauensträger engagiert - allerdings nicht Ex-Bundeskanzler Kohl, der immerhin in den neunziger Jahren der entscheidende Motor der Euro-Einführung war.

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