Es gibt wieder Sparkonten
Der Euro zieht auf dem Balkan ein

Der Start des Euro hat den von jahrelangen Krisen geschüttelten Balkan-Staaten die Wiedereinführung des Sparkontos beschert. Mrd. D-Mark, die als so genanntes Matratzengeld finanzielles Sicherheitspolster waren, strömen seit Wochen auf reguläre Konten, um dort gebührenfrei in die neue Währung getauscht zu werden.

dpa BELGRAD. So zieht der Euro als "neue DM für Europa" in den Balkan ein und stärkt nebenbei das von einem Kriegsjahrzehnt geschwächte Bankenwesen.

In der von den Vereinten Nationen verwalteten Provinz Kosovo im Süden Jugoslawiens, wo die neue Währung seit 1. Januar die D-Mark als offizielles Zahlungsmittel abgelöst hat, bildeten sich auch am Donnerstag wieder Schlangen vor den Bankfilialen. Bisher regierte Bargeld das Geschäft. Inzwischen seien dort 936 Mill. DM auf 98 000 Bankkonten eingezahlt, sagt Ajri Begu, der Direktor der zentralen Zahlungsbehörde BPK in Pristina.

Auch in der kleineren jugoslawischen Teilrepublik Montenegro, wo die Regierung das deutsche Geld offiziell eingeführt hat, lief am Donnerstag nach den Neujahrsfeiern die Ausgabe von Euro und Cent voll an. Sie werden jetzt DM und Pfennig in Geschäftskassen und Geldbeuteln ersetzen. Etwa 50 Mill. DM sind in den vergangenen Wochen auf Konten eingezahlt worden, 30 % mehr Einlagen als bisher. In Kroatien, wo der Kuna amtliche Währung ist, sind es gar 2,5 Mrd. DM.

Auf dem Gebiet des zerfallenen Jugoslawien sind noch erhebliche Beträge in Sparstrümpfen geparkt. Vor allem durch Zahlungen von Gastarbeitern und Touristen war die D-Mark ins Land gekommen. "Wir schätzen, dass die Leute 5 Mrd., wenn nicht 6 Mrd. DM unter Matratzen gehortet haben", sagt ein Vertreter der kroatischen Zagrebacka Bank für sein Land. In Serbien werden etwa 5 Mrd. DM, im Kosovo und in Bosnien-Herzegowina je etwa 2 Mrd. DM und in Montenegro und Mazedonien wohl je um eine Milliarde DM Bargeld vermutet.

"Wir glauben, dass Leute ihre Konten nach dem Einzahlen und Abheben von Geld nicht auflösen werden", sagte der Leiter der HypoVereinsbank Yugoslavia, Christoph Greussing, in Belgrad. Er vertritt eine der neuen westlichen Geldhäuser in Jugoslawien. "Wir glauben, dass die Kunden wiederkommen. Sie werden merken, dass ihr Geld jetzt auf der Bank sicherer ist als Zuhause", sagt er und gibt damit die Erwartung der ganzen Branche wieder.

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