"Es ist eine Schande"
Ursache für Flugzeugunglück: Pilotenfehler und Radar

Der Irrtum eines deutschen Piloten sowie die fehlende Bodenradar-Kontrolle haben den Ermittlungen zufolge zur Flugzeug-Katastrophe mit 118 Toten auf dem Mailänder Flughafen geführt.

dpa MAILAND. Der ums Leben gekommene Pilot einer deutschen Cessna habe bei extrem schlechter Sicht die Orientierung verloren und eine falsche Zufahrt zur Startbahn eingeschlagen, sagte Generalstaatsanwalt Gerardo D'Ambrosio am Dienstag. Luftfahrtexperten und italienische Medien kritisierten scharf, dass es auf dem nebelanfälligen Flughafen Linate seit fast zwei Jahren kein Bodenradar zur Kontrolle der Startbewegungen gab.

Dies hätte die Kollision der Cessna mit einer skandinavischen SAS - Maschine mit 110 Menschen an Bord verhindern können. "Das fehlende Bodenradar ist eine der Ursachen der Katastrophe", sagte ein Sprecher der italienischen Luftsicherheit. Innenminister Claudio Scajola war empört: "Es ist eine Schande, dass Italien einen derartigen Unfall erleben musste."

Die Installation eines neuen Bodenradars sei sieben Jahre verzögert worden. Zwar habe man im Frühjahr mit der Installation begonnen. Bürokratische Verzögerungen und technische Probleme seien die Ursache, dass die Anlage immer noch nicht in Betrieb ist. Das alte Bodenradar sei wegen ständiger Probleme ausgeschaltet gewesen.

Bislang wurden 111 Leichen aus den Trümmern geborgen. Da die meisten völlig verbrannt seien, konnten aber erst gut 30 Opfer identifiziert werden. Die Cessna 525 A mit vier Insassen hatte am Montag die Startbahn gekreuzt, als die SAS Maschine auf 300 Stundenkilometer beschleunigte und gerade abheben wollte. Niemand in den beiden Unglücksmaschinen überlebte das Flammeninferno, zudem starben vier Flughafenarbeiter. Unter den Toten sind die beiden deutschen Cessna-Piloten.

D'Ambrosio sprach von "menschlichem Versagen", räumte aber auch "Sicherheitslücken" ein. "Die Cessna ist irrtümlich auf eine falsche Piste abgebogen." Dies gehe aus dem Funkverkehr mit dem Tower hervor. Allerdings hätte dieser Fehler allein nicht zur Katastrophe führen dürfen. "Es ist unglaublich, dass so etwas in Mailand geschehen konnte", meinte er offenbar mit Blick auf die mangelnde Radarüberwachung.

Nach Angaben der deutschen Flugsicherung in Offenbach ist Bodenradar auf internationalen Flughäfen nicht vorgeschrieben. "Es ist allerdings sehr sinnvoll." Alle größeren deutschen Flughäfen seien damit ausgestattet. Auch der größere, neue Mailänder Airport Malpensa sowie der römische Flughafen hätten eine solche Anlage, hieß es in Italien. Der Flughafen Linate sollte am Abend wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Am Dienstag kamen bei zwei Hubschrauber-Abstürzen in Italien innerhalb weniger Stunden insgesamt sechs Menschen ums Leben. Am Morgen war ein Rettungshelikopter mit fünf Insassen an Bord in der Toskana bei schlechter Sicht verunglückt. Kurz darauf stürzte ein anderer Hubschrauber in der Nähe der norditalienischen Stadt Cuneo ab, nachdem er einen Baum gestreift hatte. Dabei kam der 55-jährige Pilot ums Leben.

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