"Es ist eine Tragödie für die Menschheit, und eine Tragödie für unsere Familie"
Für bin-Laden-Bruder in den USA wird der Name zum Fluch

Für die bin-Laden-Familie ist die Terrorfahndung nach ihrem abtrünnigen Verwandten Osama ein nicht enden wollender Albtraum. Die Familie hat sich Anfang der 90er Jahre zwar von dem mutmaßlichen Topterroristen losgesagt. Doch der Name, der jetzt international für Angst und Terror steht, entwickelt sich zum Fluch für die Geschwister.

dpa WASHINGTON. Abdallah, der wie ein Großteil der Familie den Nachnamen Binladin buchstabiert, ist einer der schätzungsweise 50 Halbgeschwister von Osama. Er lebt in Boston in den USA. Seit den Anschlägen in New York und Washington traut sich der 35-Jährige, der an der Harvard-Universität seinen Doktor in Rechtswissenschaften machte, kaum noch vor die Tür. Kontakte mit der Außenwelt habe er auf ein Minimum beschränkt, sagte Abdallah Binladin der Zeitung "Boston Globe". Die Kreditkarte mit dem berüchtigten Namen lässt er zu Hause. Sein Hobby, die Fliegerei mit kleinen Privatmaschinen, hat er aufgegeben.

"Es ist eine Tragödie für die Menschheit, und eine Tragödie für unsere Familie", sagt Abdullah. "Unser Name ist gekapert worden." Elf Nichten und Neffen von Osama und Abdullah, die ebenfalls in Boston lebten, haben den Druck nicht ausgehalten. Auf Empfehlung des FBI und aus Angst vor Vergeltung reisten sie am 19. September, acht Tage nach den verheerenden Anschlägen in New York und Washington, nach Saudi- Arabien zurück.

Osama und Abdullah sind Nachkommen des Familienpatriarchen Mohammed bin Laden, der als mittelloser Maurer von Jemen nach Saudi- Arabien kam und ein milliardenschweres, weltweit florierendes Firmenimperium aufbaute. Mohammed hatte vier offizielle Frauen und mindestens 50 Kinder. Er kam beim Absturz seines Privatjets 1968 in Saudi-Arabien ums Leben. Die Geschäfte übernahm sein Sohn Salem, ein äußerst westlich orientierter Lebemann, wie sein damaliger Anwalt, Wayne Fagan, der "Washington Post" sagte. Auch Salem stürzte ab: 1988 mit einer Ultraleicht-Maschine in San Antonio in Texas. Bei seiner Beerdigung traf Abdullah seinen Halbbruder Osama zum letzten Mal. "Ich kenne ihn nicht sehr gut", sagt Abdullah. "Wir sind eine große Familie. In jeder Familie gibt es ein schwarzes Schaf."

Die Familie kontrolliert heute ein Imperium mit zahlreichen US- Besitzungen, darunter nach US-Medienberichten Grundstücke in Florida, Texas und New England. Mit zwei Mrd. Dollar ist die Familie an der Washingtoner Investmentbank Carlyle Group beteiligt sowie mit sechs Prozent an dem Biomedizin Hybridon Inc-Unternehmen in Massachusetts.

Die Rechtsfakultät der Harvard-Universität hat von der Großzügigkeit der Binladin-Familie kräftig profitiert. 1994 nahm der Direktor des Instituts für Islamische Rechtsstudien, Frank Vogel, eine Spende in Höhe von einer Million Dollar im Empfang. Weitere großzügige Spenden folgten, unter anderem für Stipendienprogramme, die Studenten aus dem Nahen Osten fördern sollen.

Abdullah hofft, dass seine Nichten und Neffen nach Boston zurückkehren. "Ich habe ihnen gesagt: wenn es eine Gesellschaft gibt, die uns versteht und zwischen Gut und Böse unterscheiden kann, dann ist es diese", sagte er dem "Boston Globe".

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