„Es ist eng, das wissen wir“
Parteien werben verstärkt um Unentschlossene

Im Endspurt zur Bundestagswahl am Sonntag wollen die Parteien ihre Wahlkampfaktionen noch verstärken, um unentschlossene Wähler für sich zu gewinnen.

Reuters BERLIN. SPD-Generalsekretär Franz Müntefering sagte am Montag nach einer Präsidiumssitzung in Berlin: "Es ist eng, das wissen wir." Die SPD werde daher in den verbleibenden Tagen gezielt um beide Stimmen der Wähler werden, um sich eine solide Mehrheit der Mandate zu sichern.

Müntefering und Grünen-Chef Fritz Kuhn sagten, aufgrund der Zuwächse für Rot-Grün in den Umfragen kämen beide Parteien in guter Stimmung auf die Zielgerade.Die Union will in der letzten Wahlkampfwoche alles an die Mobilisierung der Wähler setzen. Sie rückte am Montag das Thema Zuwanderung ins Zentrum ihres Wahlkampfs. Auch FDP und PDS betonten die Bedeutung der letzten Wahlkampfwoche, in der sie mit großem Aufwand um unentschlossene Wähler werben wollen. Letzten Umfragen zufolge standen die Chancen für eine Fortsetzung des rot-grünen Regierungsbündnisses so gut wie nie zuvor in diesem Jahr.

SPD will Mehrheit der Mandate ausbauen

Die SPD ziele darauf, dass die Wähler sie mit Erst- und Zweitstimme wählten, sagte Müntefering. Leihstimmen für die Grünen werde es trotz der angestrebten Fortsetzung der Koalition nicht geben. Ziel sei es, den bisherigen Vorsprung von Rot-Grün von rund 15 Mandaten auszubauen. Auf Nachfrage machte Müntefering deutlich, dass eine Fortsetzung von Rot-Grün auch bei einer knappen Mehrheit den Vorzug gegenüber etwa einer sozialliberalen Koalition mit breiterer Mehrheit hätte. Die SPD wolle mit verstärkten Aktionen dafür sorgen, dass sie die Oberhand in der Stimmung nicht mehr verliere: "Wir sind fünf Minuten vor Spielende im Ballbesitz, und den werden wir auch nicht wieder hergeben." Wahlforscher hätten ermittelt, dass zwei bis drei Prozent der Wähler sich erst am Wahltag entschieden, ob sie überhaupt wählen gingen. Angesichts der knappen Umfragewerte könne es auf diese Wähler ankommen.

Union kündigt Zuspitzung des Wahlkampfes an

Die Union will ihre Kampagne in der Schlusswoche zuspitzen. In den neuen Ländern solle die Rolle ihres Wirtschaftsexperten Lothar Späth besonders hervorgehoben werden. Insgesamt werde sich der Wahlkampf weiter auf Arbeit und Wirtschaft zuspitzen. "Wir setzen auf den historisch hohen Grad von Mobilisierung unserer Wählerschaft", sagte CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer. Mit der Vorstellung eines Sofortprogramms zur Zuwanderung fachte die Union eine Woche vor der Wahl den Streit um das Thema erneut an. Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) warf der Regierung vor, Deutschland in eine multikulturelles Einwanderungsland verwandeln zu wollen. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundesinnenminister Otto Schily (beide SPD) kritisierten, die Union schüre angesichts fallender Umfragewerte fremdenfeindliche Emotionen in der Bevölkerung.

FDP und Grüne planen aufwändigen Endspurt

Auch die FDP will ihren Wahlkampf noch einmal intensivieren. "Wir setzen in der letzten Woche vor der Wahl fast die Hälfte unseres Wahlkampfetats ein", sagte ein Parteisprecher. FDP-Vize Jürgen Möllemann sagte im Deutschlandfunk, die FDP müsse "von morgens bis abends Wahlkampf machen". Derzeit sei die Lage so, "dass im Moment noch 25 Prozent aller Wähler sagen: Wir wissen noch gar nicht, ob wir wählen und wenn ja, was." Diese könnten noch in letzter Minute überzeugt werden.

Grünen-Chef Kuhn sagte nach einer Vorstandssitzung: "Wir gehen zuversichtlich in die letzte Woche mit zwei klaren Botschaften, die wir überall transportieren. Die eine heißt: Wer Rot-Grün will, wählt Grün. Die Zweitstimme ist Joschka-Stimme. Und die zweite heißt: Wer PDS wählt, wählt die Große Koalition." Fischer warnte mit Blick auf die Umfragen auf einer gemeinsamen Wahlkampfveranstaltung mit Schröder am Sonntag in Berlin vor "falscher Siegeszuversicht vor 18.00 Uhr" am Wahlsonntag.

Die PDS, deren Wiedereinzug in den Bundestag fraglich ist, will auf mehreren Großveranstaltungen um Wähler werben. Am Dienstag beginne die "längste ununterbrochene Wahlkampfaktion in diesem Wahlkampf", sagte ein PDS-Sprecher. Dann werde im sächsischen Zittau ein Wahlkampfbus auf die Reise geschickt, der 96 Stunden lang auf der Bundesstraße 96 für die PDS werben solle. Die Aktion ende am Samstag in Sassnitz auf Rügen.

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