Es liegt im Interesse des Anlegers, möglichst viele Aktien in die Verlustberechnung einzubeziehen: Spekulationsgewinne versteuern: Einfach kompliziert

Es liegt im Interesse des Anlegers, möglichst viele Aktien in die Verlustberechnung einzubeziehen
Spekulationsgewinne versteuern: Einfach kompliziert

Die einen verdienen den schnellen Euro an der Börse, die anderen verlieren ihn. Hinterher stehen beide vor der gleichen Frage: Wie erkläre ich den Gewinn - oder den Verlust - meinem Finanzamt?

DÜSSELDORF. Eigentlich ist es ganz einfach: Wer Wertpapiere binnen Jahresfrist verkauft, muss einen Gewinn daraus versteuern. Bleiben die Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften, wie Spekulationsgeschäfte inzwischen in korrektem Steuerdeutsch heißen, unter der Freigrenze von 512 Euro, sind sie sogar steuerfrei. Bei der Berechnung des Spekulationsgewinns aus einem Wertpapiergeschäft wird der Kaufkurs vom Verkaufskurs abgezogen. Doch halt - Spesen nicht vergessen. Was Banken und Broker für die Abwicklung eines Wertpapiergeschäfts kassieren, schmälert den Veräußerungsgewinn oder erhöht den Verlust.

Der Verlust kann zunächst mit Gewinnen aus einem anderen privaten Veräußerungsgeschäft verrechnet werden. Ein übersteigender Verlust lässt sich auf das Vorjahr zurück- und/oder auf das nächste Jahr vortragen. Um den Spekulationsgewinn des vergangenen Jahres komplett steuerfrei zu stellen, muss er allerdings bis auf null gedrückt werden. Die Freigrenze spielt beim Verlustrücktrag keine Rolle.

Nun kommt es vor, dass Spekulanten ein bestimmtes Wertpapier an verschiedenen Tagen kaufen und es später auf einen Schlag verkaufen. Angenommen, ein Teil der verkauften Aktien liegt seit weniger als zwölf Monaten im Depot. Welche Papiere hat er verkauft? Waren es die, die unter die Spekulationsfrist fallen oder die anderen?

Schon wird es kompliziert. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat entschieden, dass nur Gewinne besteuert werden, die aus dem Verkauf von Papieren resultieren, die sicher innerhalb der Spekulationsfrist verkauft wurden. Und er hat gleichzeitig gesagt, dass der Gewinn die Differenz zwischen gesamtem Verkaufserlös und der Zahl der Aktien multipliziert mit den durchschnittlichen Anschaffungskosten für alle in die Spekulationsfrist fallenden Käufe ist (Az.: XR 49/90 v. 24.11.93). In akutllen Erlassen von Länderfinanzministerien und Oberfinanzdirektionen (OFD) taucht zu Verlusten der Hinweis auf, "dass zunächst die Wertpapiere auszuscheiden sind, die außerhalb der Einjahresfrist erworben wurden".

Hans Buob, Ministerialrat im Ruhestand, ist von dieser Verlustverrechnungsmethode nicht überzeugt. Im "Betriebs-Berater" (Nr. 6 v. 8.2.01) schreibt Buob, es liege im Interesse des Anlegers, möglichst viele Aktien in die Verlustberechnung einzubeziehen. Das heißt: Zu allererst wurden Papiere verkauft, die in die Spekulationsfrist fallen. Nur für die darüber hinaus verkauften würde sich kein Spekulationsverlust geltend machen lassen. Dies sei rechtens, meint Buob, "weil - in der Sprache des Bundesfinanzhofs - ,nicht auszuschließen ist?, dass es sich bei den Verkäufen um innerhalb der 12-Monats-Frist angeschaffte Wertpapiere handelt". Für Buob gilt der Grundsatz: "Im Zweifel für den Steuerzahler."

So lange das Bundesfinanzministerium keine einheitliche Regelung vorgibt, gilt für die, die schnell einige Euro verloren haben: "Der Versuch ist nicht strafbar." Allerdings empfiehlt es sich, gegenüber dem Finanzamt zu erläutern, wie gerechnet wurde.

Was ein richtiger Spekulant ist, der macht es noch komplizierter. Er kauft nicht nur in mehreren Tranchen, er verkauft auch nicht auf einen Schlag, sondern peu à peu. Dann wird nach jedem Verkauf die Zahl der verkauften Wertpapiere auf die jeweils noch unter die Spekulationsfrist fallenden Kauftranchen verteilt. Dies geschieht im Verhältnis der Kauftranchen zueinander. So schön geht die Rechnung in der Praxis jedoch nie auf. Niemand sollte sich wundern, wenn die Zahl der Aktien einer Kauftranche auf einmal drei Stellen nach dem Komma hat.

Fein raus sind Anleger, denen die Depotbank eine solche Steueraufstellung liefert. Eine der wenigen, die dies können, ist nach eigenen Angaben HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Manchen Haushalt trifft die Rechnerei gleich doppelt. Ehepartner müssen nämlich ihre Spekulationsgeschäfte getrennt deklarieren. Was bei einem Gemeinschaftsdepot nicht so einfach ist. Wenn ein Geschäft gegenüber dem Finanzamt nicht ausdrücklich einem Partner zugeordnet werde, schreibe das Finanzamt es jedem Partner zur Hälfte zu, sagt Joachim Zimmermann, Steuerexperte von HSBC Trinkaus. Immerhin hätten Ehepartner hernach die Möglichkeit, untereinander Gewinne mit Verlusten auszugleichen.

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