Es trifft vor allem kleine Firmen
Investmentgesellschaften müssen sparen

Keine Einschränkungen beim Anlegerservice, aber betriebsinterne Sparmaßnahmen. So reagieren die Fondsgesellschaften auf die verschlechterte Ertragslage. Sparpotenzial sieht man vor allem bei den Ausgaben für Werbung und Marketing. Das ergab eine Umfrage des Handelsblattes unter den großen deutschen Investmentgesellschaften.

FRANKFURT/M. Jahrelang profitierte die Branche vom Aktienboom. Im vergangenen Jahr stiegen die Einahmen aus Mangementgebühren bei den in Deutschland angebotenen Investmentfonds auf 8,2 Mrd. $, wie die Londoner Fondsresearch- und Consultingfirma Fitzrovia ermittelte.

Im laufenden Jahr könnte dieser Betrag bis auf 6,2 Mrd. $ sinken. Das ist die pessimistischste Schätzung unter den Prognosen, die große deutsche Gesellschaften auf Anfrage des Handelsblattes abgaben.

Bei den Zahlen ist zu berücksichtigen, dass alle hier zu Lande angebotenen Produkte einbezogen sind, das heißt auch jene, die gleichzeitig in anderen europäischen Ländern offeriert werden. Aus diesem Grund führt die schweizerische Adresse UBS die Rangfolge für das Jahr 2000 mit vereinnahmten 950 Mill. $ an.

Die veränderte Ertragslage belastet vor allem kleinere Gesellschaften mit starker Ausrichtung auf Aktienfonds, die typischerweise mit vergleichsweise hohen laufenden Gebühren angeboten werden. Mit fallenden Fondsvermögen sinken auch die Einnahmen aus Managementgebühren (ein fixierter jährlicher Prozentsatz, bezogen auf das Fondsvolumen), ohne dass wertstabilere Produkte wie Rentenfonds die Einnahmeausfälle abfedern. "Die großen und breit aufgestellten Gesellschaften sind deshalb stabiler, aber auch sie sparen natürlich bei den Sach- und Personalkosten", erklärt Horst Zirener. Der Vorsitzende des Vorstandes der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka erklärt weiter: "Vor allem bei den Aufwendungen für Werbung und Marketing kann man schnell auf die Bremse treten." Einen Bereich nimmt der Chef der zweitgrößten deutschen Investmentgesellschaft ausdrücklich aus. "Bei den Serviceleistungen für die Anleger gibt es keine Einschränkungen", stellt er klar.

Große Anbieter sind weniger anfällig

Ähnlich kommentieren Vertreter des DIT die Lage: "Im Anzeigen- und Marketingbereich machen wir weniger als ursprünglich geplant." Im Servicebereich will auch die Dresdner-Bank-Gesellschaft nicht kürzen treten - im Gegenteil. Es bleibt bei der Forcierung der Internetaktivitäten. Das heißt unter anderem: "E-Commerce als Vertriebsweg wird weiter ausgebaut." Manche Gesellschaften sind über ihre Zurückhaltung bei den Internetaktivitäten nicht ganz unglücklich. Dazu gehört die zum genossenschaftlichen Bankenverbund zählende Union Investment, der drittgrößte deutsche Fondsanbieter. Auch hier heißt es zum Thema Service: "Der Anleger wird nichts spüren." Etwas anders kommentieren die Adig-Strategen die Lage. Sparen bei den Werbeaufwendungen sei nur eine theoretische Möglichkeit, weil dieser Kostenblock ohnehin gering sei. "Weitere Sparmaßnahmen dürften zu Lasten unseres Bekanntheitsgrades gehen", meint Adig-Geschäftsführer Arnd Thorn. Mit Blick auf die Anleger wittert er Sparpotenziale. Das Anrufaufkommen im Call-Center sei gesunken: "Gerade in den Abendstunden rufen nur noch wenige Anleger an; verkürzte Öffnungszeiten wären demnach zu verkraften." Thorn denkt außerdem über eine "Abschaffung der eingeführten gebührenfreien Telefonnummern nach". Sein Fazit: "Per saldo dürften die Sparmaßnahmen überschaubar bleiben."

Branche steht noch komfortabel da

Keine Gesellschaft scheint an Personalabbau zu denken. Bei Deutschlands Marktführer DWS ist zwar von einem "grundsätzlichen Einstellungsstopp" die Rede. Gleichzeitig stellt ein Sprecher der Deutsche-Bank-Gesellschaft aber klar: "Trotzdem nehmen wir Einstellungen vor, wenn wir sie für nötig halten." Zur Situation der Branche heißt es hier: "Verglichen mit anderen Wirtschaftsbereichen geht es uns Vermögensverwaltern noch gut."

Im Konkurrenzvergleich "steht die DWS mit am besten da". Ein Indikator sei der Verzicht auf Erhöhungen der Managementgebühren. Zur Erinnerung: Viele Gesellschaften haben an der Gebührenschraube gedreht. "Dieser Trend wird erst gebrochen werden, wenn mehr Fondsanleger ihre Geschäfte ohne Einschaltung von Vermittlern abwickeln, denn auch die Vermittler verlangen höhere Provisionen - und die werden immer häufiger aus den laufenden Gebühren gezahlt", meint Fitzrovia-Chef Paul Moulton.

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