Es wäre falsch, die asiatische Region als Anleger abzuschreiben
Fonds für Fernost

F eng-Shui, die aus China stammende Lehre vom harmonischen Leben mit der Umgebung, weiß auch Rat zu finanziellen Problemen. So gilt die linke Ecke eines Gebäudes als der "Geld-Ort". Steht dort beispielsweise ein Kamin, dann kommt bei den Anhängern der taoistischen Wissenschaft ein starkes Unwohlsein auf, weil der Reichtum in die Luft geblasen wird.

Vielleicht fühlen sich manche Investoren daran erinnert, dass sich liquide Mittel schnell verflüchtigen können, etwa in einem Ostasienfonds. Die Mehrzahl der Fonds kam in den letzten 15 Monaten unter die Räder, Verluste von 20 bis 40 Prozent waren die Regel. "Die Märkte in Südostasien sind eher stark tangiert von der Abschwächung der Weltwirtschaft", kommentiert Thomas Borchert, Asienexperte bei der Anlagegesellschaft BB Invest.

In den vergangenen acht Wochen hat sich die Lage jedoch etwas stabilisiert, hinzu kommt ein attraktives Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14 auf Basis der Gewinne für 2002 (ohne Japan). "Bei einem Anlagehorizont von mindestens zwölf Monaten kann man über einen Einstieg in die Märkte der Region nachdenken", meint Pieter van Putten, Managing Director der Commerzbank Asset Management Asia Ltd., in Singapur.

Dabei brauche der Investor aber starke Nerven, denn "bei der Suche nach einem Boden werden die Märkte eine hohe Volatilität aufweisen" - vor einer möglichen Erholung stehen also schweißtreibende Kursschwankungen. Außerdem hängt die gesamte Region von der Entwicklung der US-Börsen ab. "Wer sich hier engagiert, der kauft praktisch einen Optionsschein auf den Dow-Jones-Index und die Nasdaq", sagt van Putten, der die Region mit Ausnahme Japans analysiert. Gleichwohl sollte der Investor auch das Potenzial und die Vorteile gegenüber anderen aufstrebenden Gegenden (Emerging Markets) nicht verkennen. Thomas Gerhardt von der Deutsche-Bank-Tochter DWS listet beispielsweise auf:

75 Prozent der Weltbevölkerung leben in Asien, das Einkommenswachstum ist relativ hoch.

Hohe Sparquoten der asiatischen Länder tragen zur Finanzierung des Wachstums bei.

Geringe Auslandsverschuldung (etwa im Vergleich zu Lateinamerika).

Hohe Arbeitsmoral, die von den "Auslandschinesen" in andere Länder Asiens exportiert wird.

Und Commerzbank-Manager van Putten weist darauf hin, dass trotz der weltweiten konjunkturellen Abkühlung die Wachstumsraten, gemessen am Bruttosozialprodukt, hoch bleiben. So rechne man 2001 mit einer Dynamik von fünf bis sechs Prozent in Asien, verglichen mit erwarteten zwei bis drei Prozent in Osteuropa. Die Gegend profitiere ferner vom "Outsourcing", also dem anhaltenden Trend der internationalen Konzerne, die Fertigung und Komponentenproduktion auszulagern.

Die Region hat aber auch ein großes Sorgenkind: Japan. Die Notenbank hat erst Anfang der Woche vermehrt Anzeichen für eine Rezession ausgemacht. Die Geschäftsbanken befinden sich praktisch seit zehn Jahren in der Krise, und die strukturellen Reformen lassen auf sich warten. Außerdem hat die Geldpolitik ihr Pulver verschossen; mit ihrer Fast-Nullzins-Politik versucht die Bank of Japan, über eine Liquiditätsschwemme die Konjunktur anzukurbeln. Die Analysten von Credit Suisse First Boston wollen vor greifbaren Erfolgen bei der Bankensanierung und der Deregulierung der Wirtschaft keine Übergewichtung Japans wagen. Historisch gesehen hätten sich alle Konjunkturpakete und die Zinslockerungen seit Beginn der 90er-Jahre als Stohfeuer erwiesen.

Der Privatanleger sollte schon wegen der anstehenden Parlamentswahlen im Sommer noch eine Weile warten, bevor er eine Wette auf Japan wagt. Außerdem rutschte der Nikkei-Index Anfang der Woche wieder unter 13 000 Punkte, nachdem die "Stützungskäufe" zum 31. März, dem Geschäftsjahresende in Japan, wegbrachen. "Der Staat wollte die Bankbilanzen zum Monatsultimo besser aussehen lassen", erklärt Borchert von BB Invest, der das mögliche Abwärtspotenzial bis in die Spanne zwischen 10 000 und 11 000 Punkte taxiert.

Weil aber Japan von der Marktkapitalisierung immer noch 75 Prozent der Region repräsentiert und sich dort "erprobte Unternehmen eines etablierten Industriestaates" finden, wie es Commerzbank-Manager van Putten formuliert, können Investoren die Chancen über einen Fonds abdecken, der in Asien inklusive Nippon investiert. Dabei sollte der Anleger prüfen, welchen Investmentstil das Management verfolgt. Das DWS-Team sucht nach Trends und setzt bei Hongkong und Singapur auf die Dienstleistungen, darunter Banken wie HSBC oder DBS, Fluggesellschaften wie Cathay Pacific oder Immobiliengesellschaften. In Australien wird die Rohstoffkarte gespielt, etwa mit dem Bergbaukonzern BHP oder der Energieaktie Woodside Petroleum. Und in Japan stehen die Elektronik- und Automobilaktien im Vordergrund, so Fujitsu, Sony und Toyota oder Murata (Komponenten für Mobiltelefone). Bei einem indexorientierten Ansatz, wie er von BB Invest verfolgt wird, dominieren Toyota, NTT Docomo und Takeda (Pharma) sowie die australische NewsCorp (Medien). Auf jeden Fall sollte man sich immer informieren, ob die Währungsrisiken abgesichert werden, denn manche Produkte verzichten ganz auf dieses "Hedging". Einig sind sich die Fachleute über das Gewicht am gesamten Portfolio eines Privatanlegers: Höchstens zehn Prozent sollten in das Dreieck zwischen Indien, Japan und Australien gestreut werden.

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