„Es war kein Betrug“
„Handballer“ Neuville kassiert doppelte Sperre

Oliver Neuville ist vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für zwei Spiele gesperrt worden. Der Gladbacher hatte beim 2:0-Sieg am Sonntagabend gegen den 1. FC Kaiserslautern beim Führungstreffer den Ball mit der rechten Hand ins Tor geschlagen.

HB MÖNCHENGLADBACH. Der Sportgerichtsvorsitzende Rainer Koch sah darin ein krass sportwidriges Verhalten und verhängte die Strafe am Montag im schriftlichen Verfahren. Spieler beziehungsweise Verein haben dem Urteil laut DFB zugestimmt, es ist damit rechtskräftig.

"Wir akzeptieren diese Entscheidung, auch wenn es uns schwer fällt. Wir hatten in der Vergangenheit auch schon durch ähnliche Unsportlichkeiten zu leiden, die vom DFB nicht verfolgt wurden", sagte Gladbachs Sportdirektor Christian Hochstätter.

Neuville selbst ist sich keiner Schuld bewusst. "Wenn der Schiedsrichter mich gefragt hätte, hätte ich gesagt, das es keine Absicht war. Es war kein Betrug, denn wir haben ja noch ein Tor gemacht", sagte der mit acht Treffern beste Torjäger der Liga, dem trotz ansteigender Form nun ein Imageschaden droht.

"Der Herr Neuville will Deutschland bei der WM 2006 vertreten. Da muss man mal die Charakterfrage stellen. Eine solch unfaire Situation muss bestraft werden", schimpfte FCK-Stürmer Ioannis Amanatidis.

Trainer Kurt Jara, der durch die weitere Niederlage unter starken Druck geraten ist, hatte für den Gladbacher Stürmer mehr Verständnis als für Schiedsrichter Uwe Kemmling, der trotz massiver Proteste der Gästespieler bei Neuville nicht nachfragte. "Ich hätte als Spieler vielleicht auch die Hand genommen. Das ist menschlich. Leider haben 50 000 das gesehen, nur eben die drei entscheidenden Leute nicht", meinte Jara.

Auch Kaiserslauterns Vorstandchef Rene C. Jäggi kritisierte den Unparteiischen. "Das war ein klares Fehlverhalten des Schiedsrichters. Er hätte doch den Spieler fragen können. Ich kenne Neuville als fairen Sportsmann, vielleicht hätte er es sogar zugegeben. Es bringt überhaupt nichts, ihn zu sperren", sagte der FCK-Boss. Auf die Frage nach der Zukunft von Trainer Jara angesichts der prekären Tabellensituation grantelte Jäggi nur: "Soll ich nach einer solchen zweiten Halbzeit etwa den Trainer rausschmeißen?"

Referee Kemmling hatte unmittelbar nach dem umstrittenen Gladbacher Führungstreffer mit zwei höchst zweifelhaften Roten Karten für weitere Unruhe in einer bis dahin zwar kampfbetonten, aber fairen Partie gesorgt. Nach einem Foul von Amanatidis an Thomas Broich gerieten Borussen-Profi Bernd Korzynietz und Lauterns Dimitrios Grammozis im Kreise mehrerer Spieler kurz aneinander. Folge: Der Foulspieler ging straffrei aus, die "Rudelbilder" mussten vom Feld.

Fußball wurde im mit 53 466 Besuchern ausverkauften Borussia-Park auch noch gespielt. Die Pfälzer spielten in der ersten Halbzeit abgeklärter mit einer sicheren Defensivreihe und drei guten Tormöglichkeiten. Die Gastgeber waren im zweiten Abschnitt effektiver und hatten in Neuville einen echten Torjäger, der in der 78. Minute noch einen sehenswerten und regulären Treffer folgen ließ und sein Team mit neun Punkten auf Rang zwölf nach vorn brachte. "Er spielt bislang eine überragende Saison", lobte Borussias Coach den Neuzugang aus Leverkusen. Daran ändert nach Fachs Ansicht auch der irreguläre Treffer nichts. "Das gibt es doch nirgendwo auf der Welt, dass ein Spieler zum Schiedsrichter geht und sagt: Das war Hand."

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