"Es war völlig anormal..."
Aktienexperten sehen Kurskorrekturen als Rückkehr zur Normalität

dpa-AFX FRANKFURT/SAARBRÜCKEN. Nach den jüngsten Kursturbulenzen an den internationalen Börsen haben Experten dringend vor übereilten Verkäufen von Wertpapieren abgeraten. "In der Regel rechnet es sich für Privatanleger nicht, wenn man in Panik verfällt und große Verluste realisiert", sagte Jürgen Kurz von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Donnerstag in Frankfurt am Main. Vor allem bei etablierten und grundsätzlich gesunden Unternehmen sei ein "Aussitzen" bei Kurseinbrüchen oft die beste Strategie. Teilweise könne sich sogar Nachkaufen lohnen.

Die Aktionärsschützerin Anneliese Hieke bezeichnete die Kursstürze bei zahlreichen Werten des Neuen Marktes und des Deutschen Aktienindex (Dax) als Rückkehr zur Normalität. "Es war völlig anormal, dass sich zum Beispiel am Neuen Markt innerhalb von ganz kurzer Zeit die Werte verdrei- oder vervierfacht haben", sagte Hieke im Saarländischen Rundfunk. "So schnell steigen ja auch nicht die Unternehmensgewinne." Auch Kurz verwies auf extreme Auf- und Abbewegungen im Jahresverlauf: "Was wir Anfang des Jahres als Übertreibungen am Markt gesehen haben, sehen wir heute als Untertreibungen."

Ein Ende des Technikbooms ist nicht in Sicht

Zwar werde es für einzelne Unternehmen, die drastisch an Vertrauen verloren hätten, "schwer werden, ihre Kursverluste wieder aufzuholen", sagte Kurz. Große Dax-Werte wie der Elektronikhersteller Siemens lägen trotz jüngster Einbußen aber noch "deutlich über dem Kurs vom vergangenen Jahr". In der Computerbranche gehe es immer wieder hinauf und hinunter, betonte Kurz. Siemens sei grundsätzlich "gut aufgestellt" und habe wie andere Unternehmen aus diesem Bereich stark unter der Gewinnwarnung des US-Computerbauers Dell gelitten. Nach Einschätzung Kurz' ist ein Ende des Technikbooms nicht in Sicht, auch wenn möglicherweise in den nächsten Monaten hier schwächere Kurse zu verzeichnen seien. Nach den Kurseinbrüchen "kann man vielleicht sogar überlegen, was man wieder auf die Kaufliste setzt". Auch Hieke betonte, sie sei langfristig optimistisch.

Grundsätzlich bescheinigte Kurz Privatanlegern eine gelassene Reaktion auf die jüngsten Negativnachrichten. Zwar seien unter den privaten Aktienbesitzern derzeit "sicher nicht alle glücklich, aber die wenigsten neigen zu Panikattacken". Angesichts der starker Kurseinbrüche innerhalb sehr kurzer Zeit liege die Vermutung nahe, "dass die großen und institutionellen Anleger den Markt bewegen", sagte Kurz. Die Manager der großen Aktienfonds stünden im Gegensatz zu den Privatanlegern "unter großem Druck", schnell zu reagieren. Viele seien derzeit von den "wunderbaren Zahlen" des vergangenen Jahres "weit entfernt".

Zu den Aussichten des für den 20. November geplanten Börsengangs der Deutschen Post sagte Kurz, das Unternehmen werde voraussichtlich "keine Probleme haben, seine Papiere am Markt unterzubringen". Er erwarte aber keine "gewaltigen Kurssprünge" nach oben. "Spannend" werde sein, ob die Börsen der Post ihre Eigendarstellung als weltweit agierendes Logistikunternehmen abnehmen würden. Hier fahre das Staatsunternehmen derzeit noch "unter falscher Flagge", weil es aus der Logistik-Sparte im Vergleich zum monopolgeschützten Briefgeschäft noch relativ wenig verdiene. Zur Erstnotierung sei aber nicht mit Kurseinbrüchen zu rechnen. Diese würden die an der Ausgabe beteiligten Banken verhindern. "Hier kann sich niemand einen Flop leisten."

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