Es wird mit 200 Toten gerechnet
Immer mehr Kläger gegen Bayer

In den USA steigt die Zahl der Klagen gegen den Bayer-Konzern wegen des Cholesterin-Senkers Lipobay/Baycol. Nach einem Bericht der amerikanischen Tageszeitung "The Oklahoman" wurde in Oklahoma City eine Sammelklage von 50 Betroffenen eingereicht. Lipobay/Baycol wird mit zahlreichen Todesfällen in Verbindung gebracht.

Reuters DÜSSELDORF. Der Markt nehme die Klage sehr ernst, weitere könnten folgen, sagte ein Aktienhändler. Die US-Kanzlei Strong, Martin & Associates in New York hatte eine Klage vor dem Bezirksgericht in Oklahoma gegen Bayer eingereicht und ein weiterer US-Anwalt eine ähnliche Klage angekündigt.

Bayer bestätigte, dass die ersten Klagen in den USA eingereicht worden seien. "Wir halten die Klagen nach wie vor für unbegründet und werden vehement dagegen vorgehen", sagte ein Bayer-Sprecher.

Die Bayer-Aktie notierte am Mittwoch mit 34,75 ? um vier Prozent unter ihrem Vortagesschluss. "Die Kombination von Gewinnenttäuschung und die Klage belasten den Kurs", sagte Knut Hochwald, Händler bei der Hamburger Sparkasse. Bayer hatte in der vergangenen Woche das cholesterinsenkende Mittel Lipobay, das auch unter dem Namen Baycol verkauft wurde, wegen möglicher tödlicher Nebenwirkungen vom Markt genommen und eine Gewinnwarnung ausgesprochen. Die Bayer-Aktie, die vor der Ankündigung bei 45,35 ? notierte, hat damit in den vergangenen Tagen rund ein Viertel an Wert verloren.

Hier der heutige Kurseinbruch

Die US-Anwaltskanzlei vertrete Familienangehörige eines Mannes, der nach der Einnahme des Bayer-Medikamentes an Nierenversagen gestorben sei, hieß es bei der Kanzlei. Anwalt Don Strong von der Kanzlei Strong, Martin & Associates reichte die Schadenersatzklage nach eigenen Angaben gegen die US-Sparte von Bayer vor dem US-Bezirksgericht in Oklahoma ein. Die Schadenersatzsumme könne sich auf mehrere Mill. $ belaufen, sollte dem Fall der Status von Sammelklagen eingeräumt werden, sagte der Anwalt in New York. In der Klage wirft Strong der Bayer Corp. unter anderem vor, das Medikament sei mangelhaft gewesen und der Konzern habe es versäumt, Ärzte sowie Konsumenten rechtzeitig über die Gefahren aufzuklären.

Einem Magazinbericht zufolge hat zudem ein weiterer Anwalt in den USA eine Klage gegen den Konzern angekündigt und die Beschlagnahmung von Bayer-Vermögen nicht ausgeschlossen. Der US-Anwalt David Duffus sagte dem Magazin "Focus Money", auch er wolle Bayer verklagen, weil die schweren Komplikationen, die Baycol verursacht habe, zum Teil tödlich gewesen seien. Er rechne mit bis zu 200 Toten in diesem Zusammenhang. Bayer habe Sachvermögen wie Fabriken in den USA und müsse schlimmstenfalls damit rechnen, dass dieses Vermögen beschlagnahmt werde.

52 Todesfälle sind bekannt

Zu der Zahl von möglicherweise 200 Toten sagte ein Sprecher von Bayer, dem Konzern seien derzeit weltweit 52 Todesfälle bekannt, die in zeitlichem Zusammenhang mit der Einnahme des Lipobay-Wirkstoffes Cerivastatin aufgetreten seien. In Deutschland wird der Tod von fünf Patienten, in den USA der Tod von 31 Patienten nach der Einnahme des Medikaments untersucht.

Der US-Anwalt Duffus hat dem Magazinbericht zufolge in einem anderen Zusammenhang bereits gegen den US-Pharmakonzern American Home Products die Zahlung von 3,75 Mrd. Dollar Schadenersatz erwirkt. Dem Anwalt zufolge kann Bayer in jedem US-Bundesstaat haftbar gemacht werden, in dem das Medikament verkauft wurde.

Bereits in der vergangenen Woche hatte der Münchener Anwalt Michael Witti gesagt, Grundlagen für Klagen gegen Bayer wegen der möglicherweise lebensbedrohlichen Nebenwirkungen von Lipobay zu prüfen. Zu den Erfolgsaussichten hatte sich der als Anwalt von Holocaust-Opfern im Streit um die Entschädigung von Zwangsarbeitern bekannt gewordene Witti aber vorsichtig geäußert.

Der Leverkusener Konzern hatte bereits mehrfach mitgeteilt, Schadenersatzklagen nach dem Rückruf des Cholesterinsenkers Lipobay für unberechtigt zu halten und auch keine Rückstellungen für solche Fälle zu bilden. Bayer habe im Beipackzettel des Medikaments stets auf entsprechende Nebenwirkungen hingewiesen und immer in enger Abstimmung mit den Behörden gehandelt. Man gehe daher nicht davon aus, dass Klagen Erfolg haben könnten.

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