Es wird wärmer und nass
Das Winter-Intermezzo ist vorbei

Das kurze Winter-Intermezzo mit Schneefällen ist schon wieder vorbei. Die Temperaturen steigen, für das Wochenende darf sogar auf freundliches Wetter gehofft werden, lautete die Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach am Mittwoch.

HB/dpa HAMBURG. Starker Schneefall, glatte Straßen und Verkehrschaos: Kurz nach dem kalendarischen Herbstanfang bescherten Winter-Vorboten den Menschen in Teilen Süddeutschlands Wetterrekorde. Unter der Schneelast knickten Bäume um. Straßen mussten gesperrt werden. "Nachkriegssensation", hieß es am Mittwoch beim Wetteramt Stuttgart. Einen derartig frühen und massiven Winterwetterbeginn im September habe es seit mehr als 50 Jahren nicht gegeben. In München fiel in der Nacht zum Mittwoch erstmals seit 71 Jahren bereits im September der erste Schnee. In Südtirol wurden Touristen und Wanderer vom Schnee überrascht. Die Vorhersage der Meteorologen zur weißen "Pracht": Es wird wärmer und nass.

Vereinzelte Schneefälle Ende September seien zwar nicht einmalig. "Doch so viel Schnee ist ein Extrem. Das gab es nach dem Krieg noch nie", berichtete Meteorologe Rolf Siegle vom Wetteramt Stuttgart. Auf dem Feldberg im Schwarzwald wurden am Mittwochmorgen 20 Zentimeter und damit die höchste Schneelage in einem September seit dem Zweiten Weltkrieg gemessen. Der bisherige Rekord von 18 Zentimetern datierte vom September 1974. Auf der Zollernalb in Winterlingen herrschte am Mittwochmorgen dichtes Schneetreiben. In Freudenstadt und in weiteren Teilen des Nordschwarzwaldes sowie im Schwäbischen Wald fiel Schneeregen. In tieferen Regionen führte starker Regen zu Überschwemmungen.

Früher Schnee auch in München: Dies habe es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erst ein Mal am 23. September 1931 gegeben, sagte Meteorologin Eva Wille vom Deutschen Wetterdienst in München. Am Dienstagabend waren in der bayerischen Landeshauptstadt mit dem auf Autos liegen gebliebenen Schnee feste Schneebälle zu formen, am Mittwochmorgen war die weiße Pracht schon wieder getaut. Im oberbayerischen Altenstadt lag dagegen am Morgen eine 9 Zentimeter hohe Schneedecke, in Memmingen war sie 7 und in Oberstdorf 1 Zentimeter hoch. Wegen umgestürzter Bäume, die unter der Last des nassen Schnees geknickt waren, kam es zu Verkehrsbehinderungen. Vor allem im Großraum Augsburg und im Allgäu mussten zahlreiche Straßen wegen umgestürzter Bäume vorübergehend gesperrt werden, darunter auch die Autobahn München-Stuttgart (A 8) im Bereich Augsburg.

Derart frühe Schneefälle können immer dann auftreten, wenn ein Tief über der Adria oder dem Balkan mit Hilfe eines Hochdruckgebietes über den britischen Inseln arktische Luftmassen aus Nordosten nach Deutschland lenkt, erklärte der Meteorologe Horst Hoyer vom Deutschen Wetterdienst. Wenn solche Luftmassen auf die Alpen treffen und sich stauen, sinkt die Schneefallgrenze kräftig, und es kann selbst im Alpenvorland Schnee geben. Sogar im Juli und August sei so etwas möglich. Am Mittwoch lag die Schneefallgrenze nach Angaben von Meteomedia zeitweise bei 400 Metern.

Das kurze Winter-Intermezzo ist den Meteorologen zufolge schon wieder vorbei. Die Temperaturen steigen, für das Wochenende darf dann sogar auf freundliches Wetter gehofft werden, lautete die Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach am Mittwoch. Bis dahin werden allerdings noch viele Wolken und zeitweise kräftige Regenfälle erwartet. Am Donnerstag ist es verbreitet stark bewölkt bis bedeckt; Regen ist weiterhin angesagt, kündigte der Bochumer Wetterdienst Meteomedia an. Die Temperaturen zwischen 8 Grad am Alpenrand und 16 Grad im Raum Hamburg seien aber immer noch 3 Grad zu niedrig für Ende September.

Das frühe Winterwetter brachte auch in Italien erhebliche Schneefälle. In Südtirol wurden Touristen und Wanderer überrascht. Mehrere Hütten in den Dolomiten und im Ortlermassiv waren am Mittwochmorgen eingeschneit. Einige Touristen mussten von der Bergwacht per Hubschrauber ins Tal gebracht werden. In Südtirol musste ein Pass gesperrt werden. In Kürze rechnen Meteorologen auch hier mit einem Wärmeeinbruch: Dann droht Lawinengefahr. Auch in der Schweiz war für zahlreiche Alpenpässe Winterausrüstung erforderlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%