Es wird wieder ins eigene Heim eingeladen
Ehering im Dessert

Gäste mit First-Class-Küche verwöhnen, das geht auch zu Hause. Billiger als ein Restaurantbesuch ist es allerdings nicht.

Catering ist manchmal so intim wie der Hausbesuch eines Arztes. "Es kann schon passieren, dass wir morgens ankommen und die Gastgeber noch im Bett liegen", erzählt Philipp Wichert, Leiter Eventcatering bei Stockheim in Düsseldorf. In besagtem Fall ging es um einen Brunch für 35 Leute. Im Unterschied zum Arzt, dem seine sterilen Werkzeuge genug sind, musste das Stockheim-Team zunächst einmal die Küche grundreinigen - die Gastgeberin frisierte sich derweil im Negligé. Eine Begebenheit, die dem Hotelfachmann in ewiger Erinnerung bleiben wird. Wichert: "Sich in der Fremde zurechtfinden und sich dabei so unauffällig wie möglich verhalten, das ist unsere Kunst, und das macht unseren Job so spannend." Und vor allem anders wie bei den gewohnten Festivitäten von Firmenkunden wie Eon oder BMW.

Hochzeit, Geburtstag, Taufe oder Beerdigung - es wird wieder, soweit logistisch möglich, ins eigene Heim eingeladen. Die Caterer sehen es mit Lust und Gewinn - und so mancher Restaurantkoch versucht sich darin, seine Gäste auch einmal in der Privatküche zu verwöhnen. Für zwei bis acht Gäste geht das beinahe unkompliziert mit dem heimischen Equipment, auf größere Festivitäten haben sich einige Firmen spezialisiert, die vom Kochlöffel bis zur Serviette alles mitbringen.

Klaus Peter Kofler, geschäftsführender Gesellschafter des Eventcaterers Kofler & Company, serviert häufig Geschäftsessen in Privaträumen. "Gerade in Frankfurt ist das ein Thema, wo jeder Zweite in der Finanzbranche arbeitet und der Nachbartisch nicht mithören darf", sagt Kofler. Zudem signalisiere eine geschäftliche Einladung ins eigene Heim "Sie sind wichtig". Schließlich lässt der Gastgeber nicht jeden Geschäftspartner wissen, dass er statt repräsentativer Kunst Ferrari-Modellautos sammelt oder auf Tapeten in Altrosa steht.

Schon ausgefallener ist es, den Heiratsantrag kulinarisch hochklassig in den eigenen vier Wänden zu zelebrieren. So richtete Konditor Kofler einmal ein Candlelight-Dinner aus. Der Ehering wurde in einem Schokokistchen ins Dessert versenkt. Natürlich so, dass die Frau den Ring garantiert rechtzeitig erblickte. Schließlich wäre ein verschlucktes Zeichen ewiger Verbundenheit nur wenig romantisch.

Koflers Firma mit knapp 100 festen Mitarbeitern gewann soeben den Preis "Caterer des Jahres 2004" im Segment Eventcatering der Fachzeitschrift "Catering Inside". Zu seinen Gästen zählte Kofler vor einem Monat die Queen auf ihrer Deutschland-Tournee und die Schönen und Geschäftstüchtigen zum Start der Lagerfeld-Kollektion bei H&M, denen er mit Kartoffelpralinen und Mohntörtchen mit Marzipan servierte. Edel-Caterer wie der prämierte machen dem klassischen Partyservice den Garaus. Denn sie bringen ihre Köche mit, und die bereiten die Speisen erst vor Ort zu. Frische ist Trumpf. Und die Profiköche in der Laienküche geben dem Fest eine individuelle Note. Zu einem ebenso individuellen Preis.

In die Töpfe zu gucken wird zum Party-Gespräch. Vor allem, wenn ein Sternekoch am Herd steht. Kofler & Company arbeitet mit Hans Horberth, Küchenchef des von Kofler betriebenen Restaurants in der Frankfurter "Villa Merton" zusammen. Küchendirektor der Kofler-Cateringsparte ist Heiko Antoniewicz, ehemals Inhaber des Dortmunder Sternelokals Art Manger. Konkurrent Stockheim hat von 2005 an Drei-Sterne- Koch Jean-Claude Bourgueil vom Düsseldorfer "Schiffchen" unter Vertrag.

Ein Sternekoch in der Stadtwohnung mit zehn Quadratmeter Küche? Für diesen Fall packt Kofler eine etwa zwei Meter mal 80 Zentimeter große Live-Cooking-Station mit integrierter Dunstabzugshaube ein. Mit der kann ein Profi bis zu 30 Personen bekochen. Und zwar mit genau den Rezepten, die jetzt im Kommen sind: raffinierte regionale Küche ohne Tamtam.

Sogar mit Schwein, meint Kofler. Und erntet Widerspruch von Attila Dogudan. "Schweinefleisch hat mit Sicherheit kein Revival", sagt der 45-jährige Gründer und Vorstandsvorsitzende des börsennotierten Caterers Do & Co in Wien. Mag sein, dass seine Gäste anders denken: etwa die Sportler und Möchtegernsportler während der Formel-1- und der Hahnenkamm-Rennen.

Einigkeit herrscht über Fingerfood, Bagels, Wraps und Tapas. Die werden 2005 in allen Variationen Teller und Schüsselchen dekorativ füllen. Den Zenit überschritten habe dagegen die euro-asiatische Küche, aufgespießt auf einen hochkant gestellten Bambus. "Nüchtern, aber teuer", resümiert Wichert. Völlig out sind Hummer, Kaviar und das überkandidelte Nichts auf dem 32-Zentimeter- Teller. Wichert: "Die Mandel im Dialog mit der Walnuss will niemand mehr." Die Kunst liege, sagt Kofler, im "Dekonstruieren" bekannter Gerichte und der Kombination mit überraschenden Zutaten. Also: Schweinefleisch mit Zimt, gebratener statt gekochter Tafelspitz, getrüffelter Cappuccino vom Steinpilz - statt Schokostreusel eben Trüffelspäne. Bei solchen Gaumengenüssen bleibt nur die Frage: wohin mit den Gästen? Ganz wie bei Firmenevents ins Lounge-Ambiente, meinen die Caterer. Das Servicepersonal reicht auf kleinen Tellern Saures und Süßes, das die Gäste ohne Verrenkungen mit Gabel oder Löffel verzehren können. Die Gäste können sich auf Couch und Sitzwürfel lümmeln oder stehend essen. Genügend Abstellflächen und frei zugängliche, wenn auch unauffällige Mülleimer sind ein Muss. Sonst kaut der Gastgeber länger an den Happen als geplant.

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